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Der Maler mit der spitzen Feder

Horst Halling ist unter die Karikaturisten gegangen – mit wenigen Strichen nimmt er das Geschehen um den Flughafen aufs Korn Der Maler mit der spitzen Feder

Dass er mit Pinsel und Feder umgehen kann, hat er schon bewiesen. Jetzt zeigt Horst Halling auch, wie gut er die spitze Feder einzusetzen vermag. Der Maler und Zeichner ist unter die Karikaturisten gegangen, was viel mit dem unfertigen Großflughafen Schönefeld (BER) und dem Kampf gegen Fluglärm zu tun hat.

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Sprint-Team: Halling zeigt Mehdorn im Cockpit von Schnecken. Der taufte sein Programm zur Beschleunigung der BER-Arbeiten „Sprint“.

Quelle: JST

WILHELMSHORST. Innerhalb weniger Tage brachte der gebürtige Österreicher, der seit 2006 in Wilhelmshorst lebt, 40 Karikaturen zu Papier ‒ alle zu dem Thema.

Befeuert hat diese Produktivität vor allem eins: "Die Kaltschnäuzigkeit der Flugplatz-Akteure" um Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Flughafenchef Hartmut Mehdorn. "Mehdorn trat auf wie der liebe Gott", sagt Halling. Andere schimpfen darüber, Halling zeichnet ein Bild. Mit Ironie gewährt er einen Blick in Mehdorns Büro und zeigt einen Flughafenchef, der sich für den Größten hält und mit Victory-Zeichen grüßt. Und Wowereit lässt der Wilhelmshorster mit einem Hammer auf ein Sparschwein mit Steuergeldern losgehen. Kein Zweifel: Halling mag es, ohne viel Worte und mit wenigen Strichen seine Sicht der Dinge kundzutun. "Das wirkt manchmal mehr, als große Pamphlete", sagt er.

Ganz neu ist er in dem Genre nicht: Vor 30 Jahren, als Halling Wissenschaftler im Forschungszentrum Jülich war, zeichnete er für eine Elektronik-Zeitung Karikaturen. Sie sollten das Fachblatt auflockern ‒ Thema: Mikrochips, die damals ihren Siegeszug antraten. Halling ließ jemanden Chips ‒ wie bei Wilhelm Busch die Käfer ‒ totklatschen. Die Lockerheit legte er auch an den Tag, als er Morgensterns Galgenlieder illustrierte. Jedes handgeschriebene Gedicht hat ein Bild von ihm bekommen ‒ das Büchlein dazu erscheint im Herbst.

Auch wenn Halling lieber Bilder sprechen lässt ‒ er ist keiner, der nur im stillen Kämmerlein sitzt. Der 73-Jährige gehört zu den Engagiertesten im Michendorfer Kulturbund, malte gerade die Plakate fürs Höfefest in Langerwisch, spielt Schach und Cello, ist bei den Demos gegen Fluglärm dabei und war 2007 Mitgründer einer Initiative, die sich auf die Fahne schrieb, die grüne Seele von Wilhelmshorst zu retten. "Da hat sich einiges positives getan", sagt er heute. Den Karikaturisten in ihm drängt es jedenfalls nicht, Baumfrevel in Wilhelmshorst ironisch aufzuspießen. Zur Seite legen will er die spitze Feder aber nicht so schnell wieder. "Ich werde mir weitere Themen suchen." Es scheint, der Maler hat eine neue Aufgabe gefunden: Mit einfachen Bildern will er Wahrheiten ans Licht zerren, die mit Worten manchmal nicht greifbar sind oder wortreich verschleiert wurden.

Von Jens Steglich

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