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Potsdam-Mittelmark Der Mann, der Picasso nach Nudow holte
Lokales Potsdam-Mittelmark Der Mann, der Picasso nach Nudow holte
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02:18 24.03.2018
Holte Prominenz nach Nudow: Thomas Engelhardt mit Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe und Hans-Otto Bräutigam (v.l.) vor der Nudower Kirche.
Nudow

Als Thomas Engelhardt vor 18 Jahren das erste Mal vor der Nudower Dorfkirche stand, hatte er ein graues Gotteshaus und einen leeren Schaukasten vor sich. Seine Bekannten in Berlin konnten mit dem neuen Ort, für den er der Hauptstadt den Rücken kehrte, gar nichts anfangen: „Nudow? Wo ist das denn?“ Zu einem ersten Konzert in der Dorfkirche kamen sie viel zu früh, weil sie eine lange Autofahrt eingeplant hatten. Für Berliner lag das Dorf weit weg in einer anderen Welt. „Sie mussten erst lernen, wie nah dran Nudow ist“, erzählt Engelhardt. Es sind nur 17 Kilometer.

Wenn man damals seinen Bekannten aus der Metropole erzählt hätte, sie würden eines Tages Bilder von Picasso, Dali, Liebermann oder Chagall in der kleinen Dorfkirche zu sehen bekommen, hätten sie wahrscheinlich geantwortet: „Träum weiter.“ Heute kann getrost behauptet werden: Ja, Märchen können auch wahr werden. In Nudow ist es jedenfalls passiert. Die Kirche dort hat nicht nur Farbe bekommen, sie ist auch zu einem Symbol geworden für das, was möglich ist, wenn Menschen ein gemeinsames Ziel haben und Begeisterung entsteht. Dann ist es sogar zu schaffen, dass berühmte Maler wie Picasso oder Chagall quasi mithelfen, die Kirche zu sanieren.

Thomas Engelhardt war der Mann, der mit der Berliner Kunstsammlerin Ursula Hollop große Kunst ins kleine Dorf holte. Zehn Jahre lang organisierten sie aufsehenerregende Bilderausstellungen, um mit den Erlösen daraus das Baukonto für die Kirchensanierung zu füllen.

Als nach der zehnten Ausstellung Schluss war, sagte Engelhardt: „Jegliches hat seine Zeit.“ Er schlug ein neues Kapitel auf. Die Nudower Autorenlesungen wurden aus der Taufe gehoben und wieder Prominenz ins Dorf gelockt. Am Ziel änderte sich nichts: Menschen sollen sich in der Kirche begegnen und Spenden sollen aufs Baukonto für die Kirchensanierung fließen. Der Satz gilt weiter und doch geht in Nudow jetzt eine Ära zu Ende: Thomas Engelhardt, der mit seiner Frau im Jahr 2000 nach Nudow zog und sich als Glücksfall für den Ort erwies, will aus gesundheitlichen Gründen in die zweite Reihe treten. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, der lieber auf die vielen anderen in Nudow verweist, die mithalfen, dass der Ort ein Stück zusammengerückt und die Kirche ein Begegnungshaus geworden ist, hat darum gebeten, ihn vom Vorsitz zu befreien. Die Bitte ist ernst gemeint. „Es lässt sich nicht ändern“, sagt er. Die Ärztin hatte zuvor Klartext geredet: „Es ist jetzt entscheidend, wie sie ihren Lebensabend einmal verbringen werden.“ Der 69-Jährige denkt deshalb jetzt ein bisschen an sich und seine Familie. Zwei Hüftoperationen stehen an, die er braucht, um „die Jahre, die der Herrgott mir noch schenkt“, schmerzfrei genießen zu können. Wenn seine Hüften wieder in Ordnung sind, will er mit seiner Frau an der Mosel wandern.

In Nudow hat Engelhardt maßgeblich daran mitgewirkt, dass man heute sagen kann: Die Mission, die Kirche zu retten, ist erfüllt. Das Sanierungswerk ist fast vollbracht, nur Kleinigkeiten sind noch zu tun. Engelhardt spricht von einer herrlichen Zeit, in der Zusammenhalt gewachsen ist und Menschen in die Kirche kamen, die sonst die Schwellen des Gotteshauses nicht überschritten hätten. Den Nudowern, die etwa Kuchen backten oder Schnitten für die Ausstellungen schmierten oder Zelte und Biertische auf – und danach wieder abbauten, „bin ich heute noch dankbar“, sagt er. Den Landprediger von Nudow, der Picasso-Werke ins Dorf holte, trieb freilich immer auch die Frage um, warum er viele derer, die bei Ausstellungen und Autorenlesungen in die Kirche kamen, bei Gottesdiensten nie gesehen hat. „Die Frage bleibt“, sagt Engelhardt und fügt hinzu: „In einer Gemeinde haben wir alle Möglichkeiten, Dinge auch zu ändern.“

Die Sanierung der Nudower Kron- und Dorfkirche

Die Nudower Kron- und Dorfkirche wurde in den Jahren 1733/34 im Auftrag von Friedrich Wilhelm I. gebaut.

Die Bilderausstellungen fanden ab 2004 zehn Jahre lang im Gotteshaus statt. Neben unverkäuflichen Werken konnten Bilder gekauft werden, was auch Galeristen aus anderen Gegenden nach Nudow lockte. Ein Teil der Erlöse und Spenden, die bei den Ausstellungen und später bei den Nudower Autorenlesungen zusammen kamen, wurden für die Sanierung der Kirche verwendet.

Das Sanierungswerk ist mit Spenden und Fördermitteln fast vollbracht. „Am Herzen liegt mir noch die Orgel, die instandgesetzt werden müsste. Das wäre nochmal ein Traum“, so Thomas Engelhardt.

Von Jens Steglich

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