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Potsdam-Mittelmark Der Neue im Pfarrsprengel
Lokales Potsdam-Mittelmark Der Neue im Pfarrsprengel
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20:34 21.11.2017
Tobias Ziemann bei seinem Abschied in Gutengermendorf, einem Ortsteil der Gemeinde Löwenberger Land (Oberhavel). Quelle: Uwe Halling
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Geltow

Der Geruch von frischer Farbe liegt noch in der Luft des renovierten Büros in der Nansenstraße 6. Nebenan ist ein Bauarbeiter am Werk. Das Klingelschild hängt aber bereits: Pfarrer Tobias Ziemann steht darauf. Der 34-Jährige trat zum 1. November seinen Dienst im Pfarrsprengel Potsdam-Erlöser an. Damit ist er neben der Gemeinde in Potsdam-West vor allem für die stetig wachsende evangelische Kirchengemeinde Geltow zuständig.

Es ist eine traumhaft schöne Kirche mit tollen Details“, schwärmt der Neu-Potsdamer von dem bunt-geziegelten Gotteshaus. In der 130 Jahre alten Kirche wird Ziemann fortan sonntags predigen. Dabei ist ihm besonders wichtig, einen lebendigen Gottesdienst gemeinsam mit der Gemeinde zu gestalten und auf keinen Fall zu langweilen. Und es soll gesungen werden. Zu Ziemanns großen Leidenschaften gehört die Musik, darunter auch Kirchenlieder und zuletzt die aktuelle Platte von Folksänger Johnny Flynn. Seit seiner Jugendzeit spielt der Pfarrer Gitarre und versucht sich auch am Schlagzeug.

Nachdem Ziemann acht Jahre im Löwenberger Land tätig war, zog es ihn und seine Familie wieder in das städtische Umfeld. „Wir hatten nicht vor in die Stadt, sondern nach Geltow zu ziehen“. Das hatte ihn und seine Frau, die Ärztin ist, an der Stellenausschreibung besonders gereizt. „Eigentlich wohnt der Pfarrer in der Gemeinde, man trifft ihn auf der Straße“, sagt Ziemann. Doch es fand sich partout kein passendes Objekt für die vierköpfige Familie im Ort. Nun leben sie in Bornstedt und Ziemann wird regelmäßig zwischen Wohnort, Büro und Gemeinde pendeln. Nichtsdestotrotz will der engagierte Pfarrer seine neue Gemeinde stärken und vor allem die etablierten Aktionen wie den Posaunenchor oder den Gemeindetreff unterstützen. Besonders freut er sich auf das traditionelle Tauffest an der Havel. Auch die Söhne Hans (9) und Josef (4) müssen sich noch an die neue Umgebung gewöhnen. Ziemann selbst ist in einer evangelischen Familie in Berlin-Marzahn aufgewachsen. Regelmäßig besuchte er dort die Christenlehre und den Konfirmandenunterricht. Die Kirchengemeinde Alt-Marzahn sei eine zweite Heimat für ihn geworden, sagt er. Zur Einschulung 1989 trat er noch den jungen Pionieren bei. Doch während die DDR zerbrach, blieb die Kirche ein fester Bestandteil in Ziemanns Leben. Zwei Gemeindepädagogen und die Jugendgruppe in der Berliner Samariterkirche prägten ihn in seiner Jungend besonders, so dass der Berufswunsch schon früh entstand.

An sein Studium der Gemeindepädagogik schloss ein Vikariat im Kirchsteigfeld in Potsdam an. 2010 wurde der damals 26-Jährige in seine erste Pfarrstelle nach Gutengermendorf entsendet – einem Dorf mit etwa 250 Einwohnern. Für ihn sei das damals genau der richtige Ort gewesen und er sei sehr dankbar für die besondere Arbeit als Landpfarrer. Zu Höchstzeiten betreute Ziemann zehn Gemeinden in dreizehn kleinen Dörfern im Löwenberger Land, von denen die meisten durchschnittlich 50 Mitglieder zählten. Wenige Male fiel sogar der Gottesdienst wegen zu geringer Teilnahme aus. Mehr Beerdigungen als Taufen waren an der Tagesordnung.

Dies kann sich nun ändern, denn die Gemeinde Geltow zählt aktuell knapp 600 Mitglieder und wächst – so wie der Ortsteil – stetig. Eine neue Herausforderung, auf die der 34-Jährige gespannt ist und ein weiterer Grund, warum sich Ziemann auf die Stelle bewarb Bei einem Vorstellungsgottesdienst im Juni wurde er schließlich unter drei Anwärtern von der Gemeinde ausgewählt.

Das Smartphone blinkt. Pfarrer Tobias Ziemann ist ein junger, ein moderner Pfarrer. „Das Pfarramt ist ein anderes als es noch vor 50 Jahren war“, sagt der 34-Jährige, der sich für die gleichgeschlechtige kirchliche Trauung ausspricht. Auch sein freier Tag – meist Montag – ist dem Vater zweier Söhne heilig. „Das brauche ich, um eine Balance zwischen Arbeit und Privatem zu finden“. In seiner Freizeit fotografiert Ziemann leidenschaftlich gern: „Nach und nach werden sicher viele Kirchenbilder entstehen“, verspricht er.

Unter dem Hashtag #waspfarrersomachen twittert er regelmäßig als @Papapastor aus seinem Alltag als Person und Pfarrer. 170 Follower hat er bereits. Doch wichtiger ist ihm der persönliche Kontakt zu den Gemeindemitgliedern oder die ‚Gedanken der Woche‘, die er für den RBB einspricht. Für die kommenden Wochen stehen auch noch die Vorstellung bei Bürgermeisterin und Ortsvorsteher an. Mit dem Kollegen Thomas Thieme aus der Nachbargemeinde Caputh habe man sich bereits über gemeinsame Projekte ausgetauscht.

Farbenfrohes Kirchendach in Geltow gilt als Besonderheit

In der neuen MAZ-Serie „Unsere Pfarrer, unsere Kirchen“ stellen wir die Personen hinter Talar und Predigt aus der Region vor.

Tobias Ziemann ist für die Gemeinde Geltow zuständig. Die feierliche Einweihung der Kirche Geltow im neogotischem Stil fand am 22. Dezember 1887 statt. Es ist bereits die dritte Kirche, die in Geltow errichtet wurde.

Der Turm des Vorgängermodells war verfault und vom Blitz getroffen worden.

In Theodor Fontanes Wanderung durch die Mark Brandenburg wird auch die alte Kirche beschrieben.

Als Besonderheit gilt das farbige Muster des Kirchendaches aus roten, grünen, gelben und braunen Dachpfannen.

Von Franziska Appelt

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