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Potsdam-Mittelmark „Der Pflegeberuf muss attraktiver werden“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Der Pflegeberuf muss attraktiver werden“
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17:20 05.07.2017
Celine Bensch (20) fühlt sich in Treuenbrietzen an der Krankenpflegeschule wohl.   Quelle: Christin Iffert
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Treuenbrietzen

 Eigentlich hatte Celine Bensch aus Jerichow (Sachsen-Anhalt) noch nie etwas von Treuenbrietzen gehört. Inzwischen ist das anders, denn seit zwei Jahren macht die 20-Jährige in der Krankenpflegeschule Treuenbrietzen der Johanniter eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Die Bildungsstätte hat am Mittwoch ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt und Gesundheitstag gefeiert.

Celine Bensch ist eine der Auszubildenden, die sich nach dem Abitur nicht für ein Studium, sondern für einen Praxisberuf entschieden haben. „Studieren war für mich nie eine Option, ich wollte mit Menschen arbeiten und bald Geld verdienen.“ Dieser Weg an die Krankenpflegeschule ist seltener geworden, weiß Leiterin Gabriele Unger. Ohnehin sind die Bewerbungen in den vergangenen Jahren rückläufig. Die Schulchefin führt das auch auf geburtenschwache Jahrgänge zurück.

Gabriele Unger leitet die Pflegeschule in Treuenbrietzen am Treuenbrietzener Krankenhaus. Quelle: Christin Iffert

Problematisch ist die Suche nach Nachwuchs allerdings nicht. „Wir leben von unserem guten Ruf und dem Schwerpunkt des problemorientierten Lernens“, sagt die Medizinpädagogin. Im Oktober starten erneut 24 Schüler, darunter erneut zwei ausländische Bewerber aus der Mongolei. Der Großteil des Nachwuchses kommt aus der Region. Die jüngsten Schüler sind 16 Jahre, die ältesten Mitte 40. Mindestens ein Viertel davon sind Männer. „Sie beginnen oft direkt nach der zehnten Klasse bei uns.“

Altersunterschied fördert das gemeinsame Lernen

Den Altersunterschied unter den Azubis sieht Celine Bensch, die in der Woche im Land Brandenburg lebt und zum Wochenende nach Jerichow pendelt, positiv. Einerseits hat man den Kontakt zu Gleichaltrigen, die zu guten Freunden werden, andererseits könne man auch auf die Erfahrungen und Meinungen älterer Schüler zählen. „Sie lernen voneinander, das macht die Sache so interessant“, meint Gabriele Unger. Sie ist stolz auf den familiären Umgang an der Schule. Es gibt unter anderem Lernunterstützungsprogramme. Bei Problemen jeder Art könne man „dort ansetzen, wo sie entstehen.“ Schließlich sind die Wege zu den vier Lehrkräften an der Einrichtung kurz. Die Abiturientin sieht das ähnlich. Sie spricht von offenen Lehrern. „Man wird nicht einfach links liegen gelassen.“

Die Arbeiten sind komplex bei geringer Entlohnung

Der Pflegeberuf ist ein harter Job. Durch die schnelle Entwicklung in der Medizin, müssen sich die Fachkräfte auf lebenslanges Lernen einstellen. Gleichzeitig gibt es Schicht- und Wochenendarbeit, menschliche Schicksale und jede Menge Knochenarbeit. „Ich hatte vorher eine andere Vorstellung von dem Beruf. Allein das Waschen ist viel komplexer, als man glaubt. Dort gibt es vieles zu beachten und man benötigt Geduld“, sagt Celine Bensch. Vorab hatte sie auf ein Praktikum in dem Bereich verzichtet, weil für sie klar war, dass sie die Arbeit in der Medizin interessiert. Sie durchläuft nun während der Ausbildung unterschiedliche Krankenstationen, aktuell lernt sie auf der Frühchenstation am Brandenburger Klinikum. Emotional belastender war indes die Arbeit in der Onkologie. Nach langer Krankheit sind dort auch Patienten verstorben. Celine lernt während der Ausbildung, einen Umgang damit zu finden. „Man versucht, das wenig an sich heranzulassen.“ Letztlich sei es aber ein Teil des Lebens. „Manchmal weiß man auch, dass es bei Menschen, die einen langen Leidensweg hatten und nicht mehr heilbar waren, auch eine Erlösung ist.“

Arbeit der Pfleger wird zu wenig geschätzt

In der Gesellschaft werde die Arbeit der Pfleger viel zu wenig geschätzt, glaubt Gabriele Unger. „Der Pflegeberuf muss attraktiver werden“, fordert sie. Das schließt eine bessere Bezahlung und vor allem gute Fortbildungsmöglichkeiten bei flexibleren Arbeitszeiten ein. Schließlich werden Pflegekräfte immer gebraucht – ob nun im Krankenhaus oder in der mobilen Hauskrankenpflege.

Deshalb sind auch die beruflichen Perspektiven sehr gut. Das Treuenbrietzener Krankenhaus übernimmt gute Schüler in der Regel. Die Besten erhalten schon während der Ausbildung eine finanzielle Unterstützung mit anschließendem Festvertrag.

Obwohl Celine Bensch zu ihnen zählt, hat sie das Angebot ausgeschlagen. Die Bindung wollte sie nicht voreilig eingehen. „Ich bin ein Familienmensch, wahrscheinlich kehre ich in meine Heimat zurück“, sagt sie. Und das, obwohl sie Treuenbrietzen als kleine, grüne Stadt und auch das Krankenhaus lieben gelernt hat.

25 Jahre Krankenpflegeschule

Am 1. April 1992 begann die nach einer Pause neu gegründete Krankenpflegeschule in Treuenbrietzen den Unterricht.

 Gelernt wurde dort schon vorher, allerdings angegliedert an Luckenwalde im Nachbarkreis.

20 Schüler starteten im ersten Jahr.

In 25 Jahren haben nun 398 Auszubildende ihren Berufsabschluss erworben.

Die Schule verfügt heute über insgesamt 65 Ausbildungsplätze, die auf drei Jahrgänge verteilt sind.

Ausgebildet werden die Schüler heute zu Gesundheits- und Krankenpflegern.

Voraussetzungen dafür: Motivation, Realitätssinn, Belastbarkeit.

Von Christin Iffert

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