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Der Röthepfuhl mobilisiert das Dorf

Die Ruhlsdorfer kämpfen um ihren Teich Der Röthepfuhl mobilisiert das Dorf

Für den vom Austrocknen bedrohten Röthepfuhl in Teltow-Ruhlsdorf gibt es wieder Hoffnung. Bei einem Vor-Ort-Termin sicherte die Teltower Verwaltung jetzt Hilfe zu, obwohl sie zuvor den finanziellen Aufwand scheute. Doch der öffentliche Druck war zu groß. Bald soll die Reinigung des Pfuhls beginnen.

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Der Ruhlsdorfer Dorfteich mit Strand! Die Ansicht ist wohl 100 Jahre alt, zeigt aber, dass der Röthepfuhl einst das Dorf dominierte.

Quelle: Archiv Doreen Bartsch

Teltow-Ruhlsdorf. Gibt es doch noch Hoffnung für den Ruhlsdorfer Röthepfuhl? Das Interesse war jedenfalls groß, als sich die Mitglieder des Teltower Umweltsausschusses aus gegebenem Anlass direkt an dem Teich versammelten. Mit dabei: Vize-Bürgermeisterin Beate Rietz, Tiefbau-Grün-Chef Lars Müller und Ute Grams, Sachbearbeiterin Grün. Außerdem waren rund 50 Bewohner erschienen, um bei der Begehung mit dabei zu sein, Fragen zu stellen und Vorschläge zu machen, wie der Pfuhl doch noch gerettet werden könnte.

Kurz zuvor war durch einen Brief der Verwaltung bekannt geworden, dass die Stadt Teltow kein Geld mehr in die Sanierung des Sees investieren möchte, der zunehmend von Schilf zugewachsen ist und stellenweise schon zur Geruchsbelästigung wird. Bei der Besichtigung des Teichs wurde zunächst erläutert, was die Gründe für den Zustand sind: „Zwei Jahre Nicht-Pflege haben dazu geführt, dass vom Wasser nicht mehr viel zu sehen ist“, kommentierte Reinhard Frank, Vorsitzender des Ausschusses, die Situation. Er ergänzte, dass auch die geringere Gesamtmenge an Regen und das Abpumpen von Grundwasser Gründe für das Verschwinden des Teichs seien.

Fast das ganze Dorf war gekommen, um über den Röthepfuhl zu diskutieren

Fast das ganze Dorf war gekommen, um über den Röthepfuhl zu diskutieren.

Quelle: kkh

Lars Müller sah die Schuld auch bei den Ruhlsdorfern: Das ungenehmigte Ziehen von Röhricht habe den Untergrund undicht gemacht, erklärte er. „Mit jedem Schilfrohr, das man zieht, öffnet man einen Punkt, durch den das Wasser versickert.“ Dem widersprach Berndt Längrich, Vorsitzender des Ortsbeirats Ruhlsdorf. Es sei nie unberechtigt Biomasse entfernt worden, betonte er. Der erste Antrag dafür sei zwar abgelehnt worden, dann sei ein zweiter eingereicht worden, für den es eine mündliche Zusage gegeben habe. Das Entfernen der Pflanzen sei wichtig für den Teich, so Längrich.

Müller bestätigte auch, dass in den vergangenen drei bis vier Wintern kein Schilf mehr über der Wasseroberfläche entfernt worden sei. „Ich kann es nicht verantworten, Mitarbeiter auf eine nicht tragende Eisfläche zu schicken“, gab er als Begründung an. Dem hielten einige Ruhlsdorfer entgegen, dass zumindest in den beiden vergangenen Jahren das Eislaufen auf den größeren Seen der Umgebung möglich gewesen sei und die nötige Tragkraft auf dem Röthepfuhl daher sicher auch gegeben gewesen wäre.

Schließlich wurde die Zuführung von Wasser angesprochen. Längrich erläuterte, dass es bereits jetzt bewilligt sei, bis zu 12 000 Kubikmeter Wasser im Jahr aus einem dafür vorgesehenen Brunnen in den Teich zu pumpen, da das Gewässer keinen Zufluss hat. Ein Pegelstand von 80 Zentimeter dürfe dabei jedoch nicht überschritten werden. Tatsächlich würden derzeit 9000 Kubikmeter aktiv eingebracht, davon würden insgesamt 6000 Kubikmeter entweder verdunsten oder versickern. Ruhlsdorfer schlugen vor, das Wasser der angrenzenden Grundstücke, das bei Regen von den Dächern komme, in den Teich einzuleiten – doch die Verwaltung wies darauf hin, dass die Genehmigung dafür nicht von der Stadt erteilt werden könne.

Ein anderer Vorschlag war, von einem naheliegenden Sickerloch einen Graben zum Teich zu bauen und so einen Zufluss zu ermöglichen. Auch die Zuführung von Wasser aus der Großkläranlage Stahnsdorf, die einmal angedacht gewesen war, sprach Müller an. Dieses sei sehr stark hormonell und mit Medikamenten belastet und derzeit gebe es auch noch keine technische Möglichkeit, diese Rückstände zu beseitigen.

Trübe Aussichten

Trübe Aussichten! Verfaulendes Holz sorgt für Geruchsbelästigung in der Nähe des Teichs.

Quelle: kkh

Dem Hinweis der Stadtverordneten Doreen Bartsch (FDP/LTR), dass es im Land Brandenburg eine Firma gebe, die neuerdings solche Filter herstelle, werde man aber natürlich nachgehen.

Längrich erklärte, er würde erneut gerne über die Berliner Wasserbetriebe an einer Universitätsstudie teilnehmen. Jahrelang habe er eine solche Teilnahme bereits vorbereitet – „Wir haben gearbeitet, gebuddelt, alle Leitungen gesucht“ –, bevor 2013 dann vom Landkreis die Ablehnung kam. 7000 Euro waren für dieses Vorhaben sogar schon im Stadthaushalt bereit gestellt gewesen.

Das Beispiel Düppelteich

Auch der Düppelteich in Kleinmachnow soll saniert werden. Die Kosten liegen wohl bei rund 720 000 Euro.

Für die Sanierung soll der flache, bereits verlandete Teil ausgebaggert werden. Die tieferen Teile des Teiches, die 20 bis 60 Zentimeter mit Schlamm belegt sind, werden belüftet und anschließend mit einer zuschaltbaren Belüftung ausgestattet.

Für die Gestaltung der Außenanlage sind neben der Pflanzung mehrerer Bäume und der Planung einer bienenfreundlichen Wiese auch die Anschaffung von Spielgeräten geplant.

Die Stadtverwaltung zeigte sich vor Ort für die Wiederaufnahme dieses Vorhabens offen. Überhaupt zeichnete sich eine Wende innerhalb der Verwaltung ab, die nicht dem Inhalt des Briefes entsprach, der für die Aufregung gesorgt hatte: „Wo kann man anfangen, was wäre nötig?“, fragte Lars Müller. Er sagte zu, dass die Stadt zunächst die besonders verunreinigten Stellen reinigen werde, um den Gestank in den Griff zu bekommen. Natürlich könne man mit einem Mähboot auch Schilf entnehmen. Der Einwand mehrerer Ruhlsdorfer, man könne da auch mit der Watthose reingehen, da sei kein Mähboot nötig, wurde dankbar aufgenommen.

Ausschussvorsitzender Frank schlug allen Ruhlsdorfer vor, ihre Vorschläge schriftlich – auf Papier oder per E-Mail über das Kontaktformular auf der Stadt-Homepage – formlos bei der Stadtverwaltung einzureichen.

Von Konstanze Kobel-Höller

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