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Der Tony haute auf die Pauke

Deutschlands Stimmungslied-König beim Oktoberfest in Ruhlsdorf Der Tony haute auf die Pauke

Sonnabend, viertel vor elf in Ruhlsdorf: Der erste Mensch, der einem auf dem Weg vom Parkplatz begegnet, trägt Knickerbocker. Untrügliches Zeichen dafür, dass in Ruhlsdorf Oktoberfest gefeiert wird, und zwar nicht in Form eines beliebig austauschbaren Marktständefestes, sondern eben eher wie in München. Es ist bereits die 17. Auflage.

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Tony Marshall

Quelle: Laude

Ruhlsdorf. Das Festzelt am Röthepfuhl ist voll besetzt. Es spielt die Reinhard Stockmann Band. Schon beim zweiten Titel („It's a real good feeling“) wird getanzt. Aber lange hält der Bewegungsdrang der Ruhlsdorfer nicht. Vielleicht ist es noch zu früh, um beim Boney M.-Medley („Ra-Ra-Rasputin“) rhythmisch in die Hände zu klatschen. Danach fordert Bernd Blankenburg vom Heimatverein die Gäste auf, das „Ruhlsdorf-Lied“ zu singen. Die Textsicherheit hält sich allerdings, wie sich zeigt, in sehr engen Grenzen. Bis zum Oktoberfest Nummer 18 sollte noch geübt werden.

Und dann kommt er: Tony Marshall, Deutschlands Stimmungslieder-König, in vielen Ländern der Welt unterwegs, aber zum ersten Mal in Ruhlsdorf. Der Sänger baut keinen Spannungsbogen auf, um mit „Schöne Maid“ ein umjubeltes Finale hinzulegen. Nein, er erfüllt die Erwartungen mit den größten Stimmungshits schon am Anfang, vielleicht, weil er mit diesen Sachen zu Beginn der 1970er Jahre nur auf Drängen seines Produzenten Jack White begonnen hatte. Denn Tony Marshall hat ja ein Staatsexamen als Opernsänger. Insbesondere, wenn man sein Tom-Jones-Medley („Delilah“, „Help yourself“) hört, kann man gewiss sein, dass er auch als Klassik-Sänger nicht brotlos geworden wäre, einige Male stand er auch auf Opernbühnen.

Er beklagt, nach dem er die Festgemeinde zum Schunkeln gebracht hat, dass es heute Leute gibt, die sich Sänger nennen, ohne singen zu können. Auch mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit ist Tony Marshall nicht zufrieden – weil der den Flughafen Tegel, auf dem er morgens gelandet sei, schließen wolle. Er sei aus Baden-Baden gekommen, seiner Heimatstadt, berichtet Tony Marshall. Baden-Baden stehe auf Platz drei der Liste seiner Lieblingsstädte – hinter Bora Bora auf Tahiti, wo er wegen eines gleichnamigen Schlagers Ehrenbürger ist, und: Ruhlsdorf. Die Ruhlsdorfer brechen wegen der Charmeoffensive nicht in frenetischen Jubel aus. Dazu sind sie zu klug und zu nüchtern.

Später holt Tony Marshall noch Ortsvorsteher Berndt Längrich auf die Bühne, um ihn zu seinem Freund zu erklären und dem Publikum auf den Weg zu geben, dass dieser Ortsvorsteher ein Politiker sei, dem man vertrauen könne. Bernd Blankenburg überreicht dem Star, der sich selbst gern „der Tony“ nennt, zum Schluss einen Korb Teltower Rübchen. Die Stadt kann sich glücklich schätzen, über ein originelles Gastgeschenk verfügen zu können. Und dafür dass – für nur fünf Euro Eintritt – Tony Marshall da war, eigentlich auch. Der Marshallplan des Heimatvereins war aufgegangen.

Das Oktoberfest hatte am Freitag begonnen. Am Samstagnachmittag gab es einen Basar mit rund 30 Kuchen und Torten, später wurde wieder gefeiert, und zwar bis nach Mitternacht. Gestern endete das Fest mit einem Frühschoppen, der von der Original Thüringer Blasmusik begleitet wurde.

Bernd Blankenburg zog am Sonntagabend eine positive Bilanz. Das Fest sei wieder ein voller Erfolg gewesen. Welcher Stargast im nächsten Jahr kommt, steht freilich noch nicht fest. Aber die ersten Vorbereitungen beginnen bereits im kommenden November, wie Ortsvorsteher Berndt Längrich sagte. Auch er war mit dem Fest sehr zufrieden und hob hervor, dass es ohne städtische Zuschüsse auf die Beine gestellt wird. Im Gegensatz zu früheren Jahren muss es auch ohne Großsponsoren auskommen.

Zu den Gästen gehörten auch in diesem Jahr wieder Oktoberfest-Fans aus den Dörfern Ruhlsdorf im Barnim und Ruhlsdorf bei Jessen in Sachsen-Anhalt. Auch Besucher aus dem Partnerverein in Bolsterlang waren wieder gekommen. Die trugen noch schönere Trachten als die Ruhlsdorfer. Bolsterlang liegt aber auch in Bayern.

Von Stephan Laude

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