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Potsdam-Mittelmark Der Traum von einer grünen Gartenstadt
Lokales Potsdam-Mittelmark Der Traum von einer grünen Gartenstadt
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17:57 08.03.2018
Die Havelauen im Wandel: In der Gartenstadt haben im Januar 2016 noch 1700 Menschen gelebt, jetzt sind es etwa 3000. Quelle: Privat
Werder

Wie schnell die Blütenstadt gewachsen ist, lässt sich gut an den Havelauen ablesen. Das Gebiet, auf dem vor 50 Jahren noch sowjetische Flugzeuge starteten, entwickelt sich immer mehr zu einem eigenen Stadtteil. Seine Bewohner heißen „Auenländer“ und haben eigentlich alles, was sie brauchen – direkt vor der Haustür. Aber noch gibt es da zwei Wermutstropfen, mit denen sich die Stadt seit vielen Jahren herumplagt: die unvollendete Blütentherme und das leidliche Thema Bahnübergang. Noch sind die Havelauen quasi von der Kernstadt abgeschnitten. Sind die Schranken geschlossen, müssen die Anwohner nicht nur mit langen Wartezeiten, sondern in Stoßzeiten auch mit ebenso langen Staus rechnen.

Die Werderschen Wiesen, wie die Havelauen genannt wurden, erlebten die deutsche Geschichte mit allen Höhen und Tiefen. Der Erste Weltkrieg verhinderte zum ersten Mal die Umsetzung der Planungen. Später, Mitte der 1930er-Jahre griff das Deutsche Reich auf das Areal zu und eine Luftkriegsschule mit angeschlossenem Fliegerhorst entstand. Am Ende des Zweiten Weltkriegs zog die Sowjetarmee in Werder ein und setzte die militärische Nutzung des Geländes bis 1994 fort. So schreibt es Uwe Brühl, ehemals Geschäftsführer der Gesellschaft Trax, die neben der Havelauen Projektgesellschaft (HPG) und Lehmann- Bauprojekt maßgeblich an der Entwicklung der Havelauen beteiligt war. Als der Abzug der russischen Truppen absehbar war, sind die Werderschen Wiesen zum größten Entwicklungsgebiet der Stadt Werder erklärt worden. Als 2002 die Mega-AG insolvent ging, standen die Havelauen erneut auf der Kippe, doch schließlich fand man verlässliche Partner und Investoren, wie etwa Antan Recona, die zuletzt Richtfest an einer Anlage mit Eigentumswohnungen, Ferienwohnungen und Gewerbeeinheiten feierte.

Noch nicht ganz fertig

In das Viertel am Großen Zernsee sind bis jetzt mehr als 233 Millionen Euro geflossen. 250 voll erschlossene Baugrundstücke sind in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren entstanden, von denen bereits Ende 2014 alle verkauft waren. „Bei einem Ansatz von 250 000 Euro für Haus und Grundstück ist von einer Investition privater Bauherren in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro auszugehen“, so Klaus-Peter Meißner von der HPG. „Wenn man einen Investor wie Klaus-Peter-Meißner hat, der gleich selbst in sein Entwicklungsgebiet zieht, sich um die Belebung des neuen Quartiers kümmert und noch ein Buch über dessen Geschichte schreibt, kann in Sachen Identifikation nicht viel schiefgehen“, sagt Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) auf MAZ-Anfrage.

In den Havelauen stimme aus ihrer Sicht die Mischung aus Gewerbe, Wohnen und Handel. „Die Verkehrsanbindung ist zumindest gut angelegt, es fehlt noch der Tunnel, der vom Land jetzt hoffentlich mal in Angriff genommen wird“, so Saß. Seitens der Stadt ist zudem noch das Versprechen offen, dass am Zernsee einmal ein Bad eröffnet wird. „Richtig fertig sind die Havelauen, wenn die schönen Gärten ein paar Jahre älter sind und die Vögel überall in den großen Kirschbäumen zwitschern“, sagt die Bürgermeisterin. Denn als eine grüne Gartenstadt wurde sie einst geplant.

Steffen Lehmann, der mit seinem Büro Bauprojekt seit Anfang an dabei ist, wünscht sich für die Zukunft der Havelauen, dass heimische Anbieter in dem Regionalmarkt, der voraussichtlich im Spätsommer fertig sein soll, verkaufen. „Wir suchen noch Mieter, die die Markthalle beleben“, berichtet er. Das 2011 eröffnete Fachmarktzentrum habe sich gut etabliert. Der neue Markt soll das bestehende Angebot ergänzen. Bislang gelten die Havelauen als ein Viertel für „Besserverdiener“. In der Wohnanlage Havelterrassen betragen die Quadratmeter-Mieten Saß zufolge zwischen 6,70 Euro und 10,50 Euro und liegen folglich ungefähr beim Durchschnittswert.

Kaum noch Bauland in Werder

„Ob die Havelauen der Ort für günstigere Wohnungen sind, entscheidet letztlich der Markt“ sagt Saß. Grundsätzlich bestehe in Werder das Problem, dass es eine sehr große Nachfrage nach Wohnraum gebe und kaum noch Bauland. „Da setzt uns der Landesentwicklungsplan aus meiner Sicht zu enge Grenzen und das schlägt sich auf Dauer natürlich auch bei den Mieten durch“, so die Stadt-Chefin.

Allein in den Havelauen leben 3000 Einwohner

Die Kernstadt Werder zählt ohne Orts- und Gemeindeteile laut städtischem Melderegister 16338 Einwohner.

Die Frauen sind in der Mehrzahl: 8343 Werderanerinnen stehen 8004 Werderanern gegenüber.

Allein in den Havelauen leben laut Bürgermeisterin Manuela Saß derzeit etwa 3000 Menschen – 1700 waren es noch vor einem Jahr.

Zahlreiche Firmen wie der Hermes-Versand, die Beelitzer Verkehrs- und Servicegesellschaft oder die Abfallwirtschaft Potsdam-Mittelmark haben sich in den Havelauen niedergelassen.

Der Stadtteil verfügt unter anderem über zwei Kitas, ein Einkaufszentrum mit verschiedenen Einzelhändlern, eine Tankstelle, eine Tierarztpraxis, Restaurants, eine Boutique und einen Eisladen direkt an der Hafenpromenade.

Eine Brücke über den Stichkanal verbindet seit 2015 die Eigenheimsiedlungen mit den Stadtwohnungen.

Von Luise Fröhlich

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