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"Der Wolf rottet das Wild aus"

Jäger berichtet über Erfahrungen in seinem Revier "Der Wolf rottet das Wild aus"

Abenteuer auf dem Ansitz: Adolf Zellmer ist 72 Jahre alt und leidenschaftlicher Jäger. Im MAZ-Interview berichtet er über die Erfahrungen in seinem Revier, Mondphasen und die Rolle des Wolfs.

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Jäger aus Leidenschaft: Adolf Zellmer

Quelle: Norbert Stein

MAZ: Herr Zellmer, haben Sie schon oft einen Bock geschossen?
Adolf Zellmer: Nicht nur einen, sehr viele schon.

Seit wann gehen Sie zur Jagd ?
Zellmer: Seit 1967. Zuvor war ich zwei Jahre Jagdhelfer. Das war damals in der DDR Voraussetzung, um überhaupt eine Jagdprüfung ablegen zu dürfen.

Was musste ein Jagdhelfer alles machen?
Zellmer: Bei Gemeinschaftsjagden wurden wir als Treiber eingeteilt, mussten uns mit der Hege und Pflege des Wildbestandes vertraut machen, aber auch mit jagdlichem Brauchtum.

Wie sind Sie zur Jagd gekommen?
Zellmer : Durch meinen Schwiegervater Werner Schulz aus Stölln. Er war damals Raubzugfänger und kontrollierte für die Jagdgemeinschaft Felder auf Wildschäden.

Ist die Jagd reines Hobby oder mehr?
Zellmer : Eindeutig mehr. Als ich meine Jagderlaubnis erlangt habe, war die Jagd eine gesell-schaftliche Tätigkeit, die selbstverständlich auch zum Hobby tendiert. Sie ist aber auch eine moralische Verpflichtung dem Wild gegenüber.

Jäger sein, bedeutet also Verantwortung übernehmen?
Zellmer : Genauso ist es und das für die Gesamtheit. Für sein eigenes Handeln, für Tiere und Natur.

Wo haben Sie Ihr Revier?
Zellmer : Vor der Wende im Bereich Schönholz, danach bei Görne. Seit 2007 in der Gemarkung Kleßen im Westhavelland.

Kümmern Sie sich alleine um das Revier?
Zellmer : Nein, mit einem Mitpächter und meinem Sohn.

Wie groß ist das Revier?
Zellmer : Zirka 250 Hektar. Ich habe es von einem Saarländer gepachtet.

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit mit den Landwirten ein ?
Zellmer : Sehr gut. Die Landwirte haben für unsere jagdlichen Belange immer ein offenes Ohr. Sie wissen, dass wir mit unserer Arbeit helfen, auf den Feldern Wildschäden in Grenzen zu halten. Gänzlich sind Wildschäden aber nicht vermeidbar.

Wie oft sind Sie im Revier?
Zellmer : Regelmäßig. Jede Woche ein paarmal und das zu jeder Jahreszeit.

Doch sicher nicht nur zur Jagd?
Zellmer : Das ist so. Ich bin dort, um nach der Ordnung zu schauen, aber auch zur Kontrolle von jagdlichen Einrichtungen und um Wildäcker zu bestellen.

Warum werden Wildäcker angelegt?
Zellmer : Damit das Wild Stellen hat, auf denen es Ruhe findet und von den landwirtschaftlichen Flächen abgelenkt wird.

Wäre es da nicht angebracht, gleich Futterstellen einzurichten?
Zellmer : Eine Futterstelle darf nur angelegt werden, wenn die Untere Jagdbehörde in Notzeiten dafür die Erlaubnis erteilt. Zum Beispiel in einer langen und starken Winterzeit. Kirrungen sind dann auch gestattet.

Was ist eine Kirrung?
Zellmer : Zu einer Kirrung darf Getreide oder Mais in geringen Mengen gebracht werden, um das Wild im Wald zu halten.

Das alles gehört sicherlich zur Hege eines Reviers. Was noch?
Zellmer : Krankes oder schwaches Wild vorrangig zu erlegen.

Zu den jagdlichen Einrichtungen gehören Hochsitz und Ansitz. Erklären Sie doch einmal den Unterschied.
Zellmer : Ein Hochsitz ist in der Regel eine geschlossene Kanzel, die dem Jäger Schutz bietet vor Witterungsunbilden. Der Ansitz ist in der Regel eine transportable Einrichtung, die nach Bedarf und ohne großen Aufwand an verschiedenen Stellen aufgestellt werden kann.

Wie ist der Wildbestand in Ihrem Revier?
Zellmer: Aufgrund der Vegetationszeiten unterschiedlich. Im Sommer zieht das Wild auf Felder, die mit Getreide, Raps oder Mais bestellt sind. Im Winter in den Wald. Wir haben vor allem Rehwild, Schwarzwild und Rotwild. Die Tendenz ist rückläufig.

Warum rückläufig?
Zellmer : Weil gegen Vernunft und Vorgabe zu viel weibliches Wild erlegt wird.

Wann gehen Sie zur Jagd?
Zellmer : Morgens, abends und, wenn es die Lichtverhältnisse in der Vollmondphase erlauben, auch in der Nacht.

Wann legen Sie das Gewehr an?
Zellmer : Ich habe Geduld und übe den Grundsatz der Zurückhaltung. Des Jägers oberstes Gebot ist: Was ich nicht erkenne, schieße ich nicht. Damit ist alles gesagt.

Sind Sie ein guter Schütze?
Zellmer : Ein Jäger wird fast automatisch zum guten Schützen, wenn er mit Verantwortung einen Schuss abgibt. Das ist mein Grundsatz.

Wann haben Sie das letzte Mal Weidmanns Dank sagen können?
Zellmer : Vor zwei Wochen habe ich ein Stück Rehwild erlegt.

Führen Sie Statistik über erlegtes Wild?
Zellmer : Dazu bin ich als Jäger verpflichtet.

Wie viele Stücken Wild haben Sie im vorigen Jagdjahr erlegt?
Zellmer : Einschließlich Raubwild 27 Stück.

Was machen Sie mit dem erlegten Wild?
Zellmer : Es wird aufgebrochen und kommt auf meinen Hof in eine Kühlzelle. 95 Prozent des Wildes verkaufe ich an einen Großhändler. Der Rest ist Eigenverbrauch.

Was war Ihr bisher wertvollster Abschuss?
Zellmer : Ein Hirsch der Altersklasse 4. Ein ungerader 18- Ender mit 8,6 Kilogramm Geweihgewicht. Erlegt habe ich ihn im August 2012. Auf der Landestrophäenschau 2013 in Paaren gab es eine Silbermedaille dafür.

Beruflich kommen Sie aus der Kfz- Branche. Ziehen Sie doch einmal einen Vergleich?
Zellmer : Einen ungeraden 18- Ender Hirsch kann man mit einem Mittelklassewagen der oberen Kategorie vergleichen.

Wie lange sind Sie abends in Ihrem Revier unterwegs?
Zellmer : Das ist von den Lichtverhältnissen abhängig, aber auch von möglich aufkommender Müdigkeit.

Spielt der Mond eine Rolle?
Zellmer: Eine große Rolle. Schwarzwild zum Beispiel ist nachtaktiv. Folglich hat man in längeren Mondphasen gute Chancen auf Schwarzwild zu treffen.

Sind Sie schon einmal auf dem Hochsitz eingeschlafen?
Zellmer : Ja, bin ich und danach aufgeschreckt.

Haben Sie auch schon Amüsantes im Wald erlebt?
Zellmer : Als ich einmal zu einer Kirre Walnüsse gebracht habe. Danach konnte ich einen Fuchs beobachten, wie er Walnüsse aufbrach und die Frucht verspeiste. Sie müssen ihm gut geschmeckt haben. Anschließend hat er sich noch einige als Vorrat vergraben.

Was ärgert Sie?
Zellmer : Die permanente Störung des Wildes durch Fahrzeuge auf Waldwegen am Abend und in der Nacht ärgert mich. Kein Respekt vor Eigentum anderer, wie zum Beispiel die Zerstörung jagdlicher Anlagen ist auch verwerflich.

Kommt es in Ihrem Revier häufig zu Wildunfällen?
Zellmer : Nein. Durch das Revier führt keine Bundes,- Landes- oder Kreisstraße.

In letzter Zeit wird viel über den Wolf diskutiert. Wie ist Ihre Meinung?
Zellmer : Nicht wohlwollend. Der Wolf kommt, andere Wildarten werden dadurch stark dezimiert oder sogar ausgerottet, wie zum Beispiel Muffelwild im Süden Brandenburgs.

Haben Sie in Ihrem Revier schon Wolfsspuren gesehen?
Zellmer : Jawohl, die habe ich gesehen und fotografiert. Auch ein vermutlich vom Wolf gerissenes Stück Rehwild habe ich gefunden und im Bild festgehalten. Gesehen habe ich im März dieses Jahres einen Wolf, zirka einen Kilometer entfernt von meinem Revier.

Interview: Norbert Stein

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