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Der erste Stolperstein in Bad Belzig

Erinnerung an Dagobert Bornheim Der erste Stolperstein in Bad Belzig

75 Jahre nach dem Tod eines einst angesehenen Kaufmanns der Stadt erhält Bad Belzig jetzt einen ersten offiziellen Stolperstein. Künstler Gunter Demnig wird ihn am Freitag zur Erinnerung an Dagobert Bornheim vor dessen einstigem Wohnhaus in den Bürgersteig setzen.

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Foto vom 1.Mai 1933: Vorne links läuft Dagobert Bornheim als Fahnenbegleiter beim Belziger Schützenverein.

Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. Am 1. Oktober 1942 wurde Dagobert Bornheim, ein jüdischer Bürger Belzigs von der Gestapo abgeholt. Am 15. Dezember 1942 starb er im Alter von 72 Jahren im Konzentrationslager Auschwitz. Aus Anlass seines 75. Todestages erinnern die Stadt Bad Belzig und die Projektgruppe „Jüdisches Leben im Raum Bad Belzig“ im Verein Belziger Forum am Freitag an den von Nationalsozialisten ermordeten Mann. Der europaweit aktive Künstler Gunter Demnig wird für Dagobert Bornheim vor seinem ehemaligen Haus in der heutigen Straße der Einheit einen Stolperstein setzen.

Dagobert Bornheim zog 1902 aus der Gegend um Düsseldorf nach Belzig. Sechs Jahre später eröffnete er in der Brandenburger Straße 59 – heute Straße der Einheit 8 – ein Kaufhaus. Die Belziger gingen im Laden bald ein und aus. Bot Bornheim vom modischen Schick bis zur Alltags- und Arbeitsbekleidung doch eine riesige Warenpalette zu bezahlbaren Preisen.

Es dauerte nicht lange und der Kaufmann war, obwohl zugezogen, ein angesehenes Mitglied der örtlichen Gesellschaft. Dass er zum Fahnenträger im Belziger Schützenverein berufen wurde, kann als deutliches Zeichen dafür gewertet werden. Dass er Jude war, störte niemanden – bis zur Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933.

75 Jahre nach dem Tod eines einst angesehenen Kaufmanns der Stadt erhält Bad Belzig jetzt einen ersten offiziellen Stolperstein

75 Jahre nach dem Tod eines einst angesehenen Kaufmanns der Stadt erhält Bad Belzig jetzt einen ersten offiziellen Stolperstein.

Quelle: Christiane Sommer

Eine Fotografie die im Museum auf der Burg Eisenhardt aufbewahrt wird, zeigt Dagobert Bornheim mit Orden behangen als Fahnenbegleiter in der Uniform der Belziger Schützen. Dieses Foto, das am 1. Mai 1933 entstand, ist zugleich das letzte Bild, dass Bornheim im öffentlichen Leben der Stadt zeigt. Noch im gleichen Jahr drohte die Einziehung seines Vermögens. In letzter Minute gelang es ihm, den Besitz an seine Ehefrau zu überschreiben.

Neun Jahre später wird der Ehemann und Vater von der Staatspolizei der Nazis abgeholt. Vom Gestapo-Gefängnis in Potsdam kommt er in das Konzentrationslager Auschwitz, wo er am 15. Dezember 1942 im Alter von 72 Jahren stirbt. Weil seine Ehefrau keine Jüdin war, wurde ein Totenschein ausgestellt, die Todesursache auf dem Papier jedoch nicht genannt.

Europaweite Aktion der Erinnerung

Die Idee der Stolpersteine geht auf den Künstler Gunter Demnig (70) zurück. Er erinnert europaweit mit kleinen Steinen aus Messing, die in Gehwege und Plätze eingelassen werden, an Opfer des Nationalsozialismus.

Seit 2004 hat Demnig knapp 61 000 Steine in nahezu 1100 Orten Deutschlands und in 20 Ländern Europas verlegt.

In Bad Belzig wird der Dagobert Bornheim gewidmete Stolperstein aus Messing der erste seiner Art sein.

Die Kosten für die Verlegung in Höhe von 120 Euro übernimmt Initiator Wolf Thieme aus Werbig.

Die Gedenkaktion mit Künstler Gunter Demnig in Bad Belzig findet statt am 1. Dezember, 11.30 Uhr, in der Straße der Einheit 8.

75 Jahre nach seinem Tod wird der Künstler Gunter Demnig am Freitag nun zur Erinnerung an Dagobert Bornheim einen Stolperstein vor seinem Wohnhaus in der heutigen Straße der Einheit 8 setzen.

Das einstige Kaufhaus Dagobert Bornheims liegt heute in der Straße der Einheit 8

Das einstige Kaufhaus Dagobert Bornheims liegt heute in der Straße der Einheit 8.

Quelle: Christiane Sommer

Im Vorfeld hatten die Stadtverordneten den diesbezüglich von Wolf Thieme aus dem Ortsteil Werbig gestellten Antrag einstimmig beschlossen. Seit gut zwei Jahren forscht eine siebenköpfige Projektgruppe um Thieme und Benjamin Stamer vom Belziger Forum zum Thema „Jüdisches Leben in Belzig“. „Das ist kein Stochern in der Vergangenheit, sondern Aufarbeitung der Geschichte“, erklärt der Werbiger Initiator.

Benjamin Stamer wiederum erläutert, dass Bornheims Schicksal kein Einzelfall in der Stadt war. Rund 25 Biografien von jüdischen Menschen in Bad Belzig und Umgebung gehe die Projektgruppe derzeit nach. Ihr Ziel: Lücken in der Geschichtsschreibung zu schließen. „Im kommenden Jahr planen wir eine Ausstellung. Der Stolperstein für Dagobert Bornheim kann eigentlich als Auftakt dafür angesehen werden“, sagt Benjamin Stamer weiter. Mehr wolle und könne er zu den laufenden Forschungen noch nicht sagen.

An den Juden Herbert Loewy, der 1924 nach Belzig kam und 1926 zum Richter am hiesigen Amtsgericht berufen wurde, erinnert bereits seit 2011 in Senftenberg ein Stolperstein. Loewy wurde 1933 an das Senftenberger Amtsgericht zwangsversetzt und später deportiert.

In Bad Belzig war 2005 auf dem Areal des Zentrums für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (Zegg) ein Stein zum Gedenken an Emma Pohl verlegt werden. Sie war 1944 von dort ebenfalls nach Auschwitz deportiert und getötet worden. Doch war das ihr gewidmete Andenken nur den Stolperstein-Aktionen von Gunter Demnig nachempfunden. Daher ist diese nicht im offiziellen Stiftungsregister enthalten.

Anders in Reetz, wo seit 2006 an Israel Rabinowitsch sowie in Treuenbrietzen, wo seit 2005 an Paul und Gertrud Slotowski erinnert wird.

Von Christiane Sommer

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