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Der neue Chef der Lehnschulzenhofbühne

Ein Berliner in Viesen Der neue Chef der Lehnschulzenhofbühne

Wolfram Scheller hat sich als waschechter Berliner von der Atmosphäre der Viesener Lehnschulzenhofbühne einfangen lassen. Seit 2014 ist der 40-jährige Schauspieler und Regisseur im Verein, hat im vorigen Jahr die Inszenierung, Produktionsleitung und Regie des Theaterfrühlings übernommen und ist nun der künstlerische Leiter.

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Wolfram Scheller ist der neue Vorsitzende der Lehnschulzenhofbühne.

Quelle: Ina Schidlowski

Viesen. Was Wolfram Scheller an Viesen so reizt? Die Herausforderung. An einem Ort, der nichts mit Theater zu tun hat, eine Inszenierung mit den Mitteln umsetzen, die man hat. Der 40-jährige Schauspieler und Regisseur hat sich als waschechter Berliner von der Atmosphäre der Lehnschulzenhofbühne einfangen lassen. Seit 2014 ist er im Verein, hat im vorigen Jahr die Inszenierung, Produktionsleitung und Regie des Viesener Theaterfrühlings übernommen und ist nun der künstlerische Leiter.

Was vor acht Jahren aus einer spontanen Idee entstand, hat sich im Umland und bis nach Berlin einen Namen gemacht. Theater auf dem Lehnschulzenhof in einem kleinen brandenburgischen Dorf.

Frieseckes Hof in achter Generation

Uwe Friesecke, der heute in Wiesbaden lebt, bekam den Hof nach der Wende wieder übereignet. 1953 war seine Familie in den Westen geflohen. Friesecke war damals vier Jahre alt. Heute führt er ihn in achter Generation, hat den denkmalgeschützten Hof sanieren lassen und Wohnhaus als auch Scheune an Familie Lebelt verpachtet. Friesecke ist Fördermitglied im Verein und hat sich daran erinnert, dass man schon damals mit dem Kindermädchen Theater gespielt habe. Katja Lebelt, Initiatorin und Mitbegründerin der Lehnschulzenhofbühne Viesen hat diesen besonderen Ort wieder mit Theater belebt und in den vergangenen acht Jahren professionelle Schauspieler, Regisseure und Musiker auf den Hof geholt. Seit diesem Jahr ist sie nun künstlerische Leiterin des Brandenburger Theaters und so übernimmt Wolfram Scheller die Organisation der Hofbühne.

Der denkmalgeschützte Lehnschulzenhof

Der denkmalgeschützte Lehnschulzenhof.

Quelle: Dirk Froehlich

„Ich finde es interessant, wie die Künstler sich vor Ort öffnen und verändern“, sagt der Mann mit den braunen Augen, das stecke einfach an. Auch wenn er mit seiner Familie in Berlin wohnt, ist er oft in Viesen. Dann steht ihm unter anderem auch Paul zur Seite. Der große zottelige Hofhund. Gemeinsam gehen sie in die Scheune, die einen typischen Landduft verströmt und nicht im geringsten an Theater erinnert. Durch das Tor öffnet sich der Blick auf die sich anschließende Pferdekoppel. Romantisch inspirierend wirkt das. „Das Gesamte ist eine Inszenierung“, sagt Scheller.

Bei aller Romantik muss er sich aber um Förderanträge, Sponsoren und Kooperationspartner kümmern. Für die Übernachtungsplanung der Schauspieler steht er im Ort auch an der einen oder anderen Tür und klingelt. Dann leben die Künstler für einige Wochen in Viesen. „Sie setzen sich mit dem Ort auseinander“, sagt er und dass dadurch ganz besondere Beziehungen entstehen. „Vor oder nach der Aufführung entspannt einen Wein trinken und mit den Schauspielern ins Gespräch kommen“, das sei das Besondere dieses Theaters.

Theaterfrühling und Hofbühnensommer

Auch wenn die Hofbühne jedes Mal neu hergerichtet werden muss und einer permanenten Baustelle gleicht, wie Scheller sagt, soll ein gewisser Standard gehalten werden. Man arbeitete vornehmlich mit professionellen Künstlern und Mitarbeitern. „Wir wollen im Niveau nicht nachlassen“, betont er. Und er berichtet vom „Kirschgarten“, dem Klassiker, der auch diesmal wieder dabei sei und dass neben den drei Wochenenden des Theaterfrühlings von Mai bis Juni zusätzlich der Hofbühnensommer Ende August und Anfang September angeboten werde.

Nicht nur Theateraufführungen, sondern auch Lesungen, Konzerte und das beliebte „Scheunenflimmern“, die Filmangebote gehören zum Programm. Viele ehrenamtliche Helfer sind am Gelingen beteiligt. Dazu lädt die Hofbühne jedes Jahr zum Aufbaufest ein. Der Kontakt zum Dorf und den Bewohnern ist dem Berliner, der selbst auch schon für ein paar Monate in Viesen gelebt hat, wichtig. Deshalb organisiert er auch das „Café der Erinnerung“ und lauscht bei Kaffee und Kuchen gern den Erzählungen und Geschichten.

Von Ina Schidlowski

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