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In den Werkstätten wird nicht nur gebastelt

Jubiläum im Diakonissenhaus In den Werkstätten wird nicht nur gebastelt

Sie schreddern streng vertrauliche Akten oder fertigen Teile für die Autoindustrie, die Beschäftigten der Diakonischen Werkstätten in Werder. Im zehnten Jahr der Einrichtung ist zwar der Umsatz gestiegen, aber die Ausbildung im Unternehmen wird vom Land Brandenburg noch immer nicht anerkannt.

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Werkstattleiter Joachim Kettner (l.) gibt Alexander Weickert Tipps für die Fertigung der Telekom-Stecker.

Quelle: Gartenschläger.

Werder . Die Schreddermaschine steht still. Das Insektenhotel ist längst fertiggebaut. Die vielen Glückwunschkarten für den Kunden können auch noch später kuvertiert werden. Auf dem Hof klatschen die Mitarbeiter zur Musik der Band „Artgerecht“. Es spielen Musiker mit und ohne Behinderung, zum zehnjährigen Bestehen der Diakonischen Werkstätten in Werder. Mittendrin Werkstattleiter Joachim Kettner, der die Einrichtung seit vielen Jahren leitet. „Aber bei uns wird nicht nur gebastelt“, stellt er gleich klar. „Es ist uns wichtig, den Menschen mit Behinderung an Normalität orientierte Arbeit zu ermöglichen. Dabei berücksichtigen wir individuelle Besonderheiten der Menschen und geben spezifische Unterstützung. Wir verstehen uns durchaus als mittelständiges Unternehmen.“ Und das hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Haus der ehemaligen Defa-Kita in der Damaschkestraße tüchtig gemausert.

Die Kreisbehörde Potsdam-Mittelmark hatte damals den Bedarf solcher Werkstätten für Menschen mit Handicap deutlich gemacht und das Evangelischen Diakonissenhaus Teltow die Herausforderung angenommen. 250 000 Euro wurden vor dem Einzug in das flache Gebäude an der Havel investiert und mit der Stadt Werder als Eigentümer des Geländes ein Pachtvertrag abgeschlossen.

Annähernd 50 Frauen und Männer zwischen 17 und 65 Jahre, ein Teil von ihnen mit erheblichen Beeinträchtigungen, arbeiten gegenwärtig in der Einrichtung, werden entsprechend betreut und gefördert. Sechs Beschäftigte lernen einen Beruf. „Doch der Abschluss wird vom Bildungsministerium nicht anerkannt“, beklagt Kettner. Er wünscht sich, dass mehr größere Betriebe Aufträge an die Werkstatt geben und dafür die Schwerbehindertenabgabe einsparen.

Auch wenn der Betrieb in den vergangenen Jahren Aufträge abgeben musste, weil die einstigen Firmen heute günstig in Osteuropa produzieren, haben Kettner und seine Mitstreiter neue Partner gesucht und gefunden. Die Telekom dagegen wird seit Jahren mit speziellen Telefonsteckern beliefert, die Autoindustrie mit Zündkerzenstecker. Verlage lassen Karten falten und kuvertieren, Ärzte und Rechtsanwälte streng vertrauliche Unterlagen schreddern. „Wir konnten den Umsatz auf gut eine halbe Million Euro steigern“, sagt Kettner. Wer sich auf dem Betriebsgelände umschaut, staunt, was die Frauen und Männer trotz der notwendigen Hilfe leisten können. „Leider zugenommen hat der Anteil der Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Wenn es uns gelingt, sie nach der Reha wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, haben wir wirklich viel erreicht“, sagt Kettner.

Von Regine Greiner

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