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Dichter Boßdorf gerät in Vergessenheit

Wiesenburg Dichter Boßdorf gerät in Vergessenheit

Der Dichter Hermann Boßdorf war schon immer in Norddeutschland bekannter als in seiner Heimat. Immerhin erinnern Straße und Gedenkstein daran, dass er vor 140 Jahren in Wiesenburg geboren wurde. Doch das Werk des Dichters, der plattdeutsch schrieb, gerät mit der Mundart in Vergessenheit.

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Der Schriftsteller Hermann Boßdorf (rechts) mit seinem Freund Hermann Rosenhöft um 1900.
 

Quelle: Andreas Koska

Wiesenburg.  Die Frage, welchen Menschen Hamburg, Hannover, Bremen, Cuxhaven und Wiesenburg gemeinsam haben, dürften die meisten Wiesenburger nicht beantworten können. Anders Hans-Joachim Beckmann. Der 68-Jährige weiß sofort, dass es sich um Hermann Boßdorf handeln muss.

„Er ist hier zwar geboren, aber in ganz Norddeutschland wesentlich bekannter als hier“, meint der Ur-Ur-Ur-Ur-Neffe des plattdeutschen Dichters. Es mag tatsächlich daran liegen, dass es kaum eine größere Kommune in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt, die nicht eine Hermann-Boßdorf-Straße hätte – und das ist die Gemeinsamkeit der Städte mit Wiesenburg, wo er am 29. Oktober 1877 das Licht der Welt erblickt und auch noch die Volksschule besucht hat. Dann zogen die Eltern gen Norden.

Bühnenstücke für das Ohnsorg-Theater

Hermann Boßdorf ist am 29. Oktober 1877 in Wiesenburg geboren. Eingeschult wurde er in Wiesenburg, besuchte nach dem Umzug der Familie eine Schule in Hamburg. Nach dem Schule wurde er zum Telegraphenassistenten ausgebildet. Aufgrund gesundheitlicher Probleme ließ er sich 1917 in den Ruhestand versetzen.

Um 1900 verfasste er erste Gedichte. Er fand Gefallen am Plattdeutschen als Literatursprache. Zugleich wurde er ein kämpferischer Akteur für die Niederdeutsche Bewegung.

Das von Richard Ohnsorg geleitete Amateurtheater in Hamburg verschrieb sich der Aufgabe, niederdeutsches Schauspiel öffentlich durchzusetzen. In schneller Folge verfasste Boßdorf Bühnestücke, von Ohnsorg dazu angeregt und dramaturgisch unterstützt. Seine Werke werden auch heute noch gelegentlich aufgeführt, unter anderem im Ohnsorg-Theater.

Er starb am 24. September 1921 im Alter von 43 Jahren und wurde in Hamburg (Friedhof Ohlsdorf) beigesetzt.

 

Der junge Mann absolvierte dort zunächst eine Ausbildung zum Telegrafenassistenten. Dabei lernte er Dänisch und Schwedisch und Werke nordischer Autoren in den Originalsprachen zu lesen. Zum Glück für seine eigene Inspiration: Die große Heidi Kabel und ihre Tochter Heidi Mahler hätten an „ihrer“ Bühne, dem weit über die Hansestadt hinaus bekannten Hamburger Ohnsorg-Theater, ohne den Mundart-Autor aus der Mark erheblich weniger Erfolgsstücke nur zur Aufführung bringen können. Bühnen-Gründer Richard Ohnsorg animierte ihn geradezu, weil es seinerzeit großen Zuspruch fand.

Hans-Joachim Beckmann  bewahrt Erinnerungen an seine Vorfahren

Hans-Joachim Beckmann bewahrt Erinnerungen an seine Vorfahren.

Quelle: Andreas Koska

Hermann Boßdorfs Erfolg basierte auf den plattdeutschen Dramen und Komödien. Titel wie „ De Fährkrog“, „Ole Klocken“, „De verhexte Karnickelbuck“ oder „De rode Ünnerrock“ entstanden. Doch wurde der in Hamburg-Ohlsdorf beigesetzte Dramatiker nur 43 Jahre alt

Hans-Joachim Beckmann beschäftigt sich eingehend mit dem Schicksal seines Onkels. Es freut ihn, dass vor Ort neben den Straßennamen ein Gedenkstein an den Dichter erinnert. Vor dem Geburtshaus gleich neben der Marienkirche. Aufgestellt aus Anlass des 60. Geburtstags von Boßdorf 1937 ist er nach nunmehr 80 Jahren nochmals aufpoliert worden.

Das Lustspiel „Kramer Kray“ entstand 1920

Das Lustspiel „Kramer Kray“ entstand 1920.

Quelle: Andreas Koska

„Ich bin mir trotzdem sicher, dass die jüngeren Wiesenburger kaum etwas mit dem Namen verbinden“, glaubt Hans-Joachim Beckmann. Zwar gibt es in der Heimatstube auf dem Wiesenburger Schlossturm vier Tafeln zum Leben und Werk des Wahlhamburgers, aber eine größere Schau ist wohl schon viele Jahre her. „Damals hat meine Mutter Caroline eine Ausstellung organisiert“, erinnert sich der Nachfahre. Hans-Joachim Beckmann könnte sich eine ähnliche Veranstaltung in diesem Herbst aus Anlass des 140.Geburtstags des Dichters vorstellen. Lesungen könnten vielleicht zum Programm gehören. Doch genau das ist die Herausforderung.

Hans-Joachim Beckmann weiß darum, wie schwer plattdeutsch hierzulande zu verstehen ist. „Ich habe einiges gelesen und vieles verstanden, aber bei Weitem nicht alles“, gibt er zu. Selbst die Älteren, die noch das früher auch im Hohen Fläming verbreitete Platt kennen, wissen um die Unterschiede, die allein von Ort zu Ort.bestehen.

Es wird also schwer, das Erbe möglichst lebhaft zu bewahren, weiß Hans-Joachim Beckmann. Da auch seine und die Kinder seiner sechs Geschwister sich kaum der Geschichte des Vorfahren widmen, sieht es der Senior als beste Lösung an, das kleine Archiv samt Urkunden und Fotos, an ein Museum weiter zu geben. „Hauptsache es wird erhalten“, sagt er. Kontakt zu einem Niederdeutschen Verein in Hamburg hat er schon aufgenommen.

Von Andreas Koska

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