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„Den Dörfern fehlt die Lobby“

Landfreunde wollen Dörfer-Tag nach Zauchwitz und Körzin holen „Den Dörfern fehlt die Lobby“

In den vergangenen 25 Jahren haben die Dörfer zwar an Schönheit gewonnen, aber auch einiges verloren: den Einkaufsladen oder die Post etwa. Auch Linienbusse halten nur noch selten. Den Aderlass zu stoppen und die Dörfer zu stärken, ist das Ziel einer Gruppe von Landfreunden, die den Brandenburger Dörfer-Tag nach Zauchwitz und Körzin holen wollen.

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Lebendiges Dorf: Marianne Lehmann betreibt das Körziner Gasthaus „Zum Kirschbaum“, kocht Hausmannskost und schenkt Bier aus.

Quelle: JST

Körzin/Zauchwitz. Eine Gruppe von Landfreunden will den Brandenburger Dörfer-Tag im nächsten Jahr nach Zauchwitz und Körzin holen. Im Doppel-Dorf sollen sich im Oktober 2016 lokale Akteure, Wissenschaftler und Unternehmer aus den Regionen treffen, um miteinander Dorf-Probleme, Lösungsstrategien und Zukunftsperspektiven zu diskutieren. Die Zauchwitzer und Körziner haben harte Konkurrenz. Brandenburgs 9. Tag der Dörfer will auch Himmelpfort, ein Ortsteil der Stadt Fürstenberg/Havel, ausrichten.

„Wir haben das interessantere Konzept“, sagt Klaus Hänel, der in Zauchwitz ein Reisemuseum betreibt. Zu den Mitstreitern gehören unter anderem Spargelbauer Karl-Ludwig Syring, die Wirtin der Körziner Gaststätte „Zum Kirschbaum“, Marianne Lehmann, und Helmut Krüger, ein Sammler von alten Landwirtschaftsgeräten.

Auch der Ortsbeirat Zauchwitz stimmte diese Woche für eine Bewerbung des Doppel-Ortes, der zu Beelitz gehört. Von dort kommt ebenfalls Unterstützung. „Ich begrüße das. Mit dem Votum des Ortsbeirats können sie auch mit der Unterstützung der Stadt rechnen“, sagte der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth. Während der Deutsche Städte-Tag bekannt ist, gibt es Dörfer-Tage derzeit nur im Land Brandenburg. Hinter der Veranstaltung steckt indes mehr als ein jährliches Treffen. Dahinter steht eine breite Bewegung, die dafür kämpft, dass die Dörfer wieder die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Teil der Bewegung ist etwa die AG „Lebendige Dörfer“, die seit 2007 den Brandenburger Tag der Dörfer organisiert.

In den vergangenen 25 Jahren ist vielen kleinen Orten im ländlichen Raum trotz neu sanierter Straßen und Gehwege einiges verloren gegangen: der Einkaufsladen und die Post zum Beispiel. Linien-Busse halten oft auch nicht mehr. Wenn die Ökonomie den Maßstab setzt, haben es Dörfer schwer. Ihnen fehlt die nötige Zahl an kaufkräftigen Konsumenten.

Arbeitsgemeinschaft „Lebendige Dörfer“

Die Arbeitsgemeinschaft „Lebendige Dörfer“ organisiert den Brandenburger Tag der Dörfer, um landesweite Begegnungen von lokalen Akteuren aus allen ländlichen Regionen zu ermöglichen.

Am 6. Oktober 2007 fand der Dörfer-Tag das erste Mal öffentlichkeitswirksam in Frauendorf (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) statt.

Der Kampf für lebendige Dörfer geht in Europa bis in die 1970er Jahre zurück, als sich in kleinen Orten Finnlands „Dorf-Aktionsgruppen“ bildeten.

Bewohner finnischer Orte schlossen sich damals zusammen, um vor dem Hintergrund eines Bedeutungsverlustes und der Abwanderung der Jugend die Geschicke ihres Dorfes in die eigenen Hände zu nehmen.

 

„Es geht um das Bündeln von Kräften und um die Frage, wie man gegensteuern und die Potenziale aufdecken und entwickeln kann“, sagt Spargelbauer Karl-Ludwig Syring. Den Dörfern, so der Befund, fehlt eine starke Lobby, um eigene Interessen zu vertreten und wahrgenommen zu werden. Klaus Hänel kann sich vorstellen, dass aus dem Dörfer-Tag eine feste Institution wird, eine Art ländliches Parlament. Der Dörfer-Tag sei ein guter Weg, um die Aktiven und Kreativen in den Dörfern zusammenzubringen. „Die Landflucht muss gestoppt werden.“ Es brauche auch mehr Selbstbewusstsein – Hänels Credo: „Ohne Land keine Stadt!“

In der Landwirtschaftsscheune der Krügers in Körzin

In der Landwirtschaftsscheune der Krügers in Körzin: Spargelbauer Karl-Ludwig Syring, Helmut Krüger, Wirtin Marianne Lehmann und Klaus Hänel, der in Zauchwitz ein Reisemuseum betreibt. l

Quelle: Jst

Syring plädiert auch dafür, sich den Zeitgeist zunutze zu machen – den medialen Trend etwa, das schöne Landleben zu preisen und es ein bisschen als heile Welt darzustellen. Das könne man nutzen, um Leute anzulocken und „dann das dörfliche Leben als solches darzustellen“. Er nennt das „mit dem Zeitgeist reiten“, dabei aber die eigenen Interessen wahrzunehmen. „Es sind die kleinen Dinge, die nicht auf der Titelseite stehen, die das Dorfleben ausmachen“, so Hänel. Auf dem Land, sagt er, „gibt es jahrhundertealte Erfahrungen und gute Leute“. Da ist zum Beispiel Helmut Krüger aus Körzin, der Landwirtschaftsgeräte sammelt. Er würde das Wort „Museum“ nicht in den Mund nehmen und hat doch faktisch eins geschaffen, auch wenn nicht viele davon wissen. Marianne Lehmann betreibt einen Steinwurf entfernt seit fast 25 Jahren die Gaststätte „Zum Kirschbaum“. Derzeit managt sie werktags alles allein. Der Gast bekommt bei ihr deftige Hausmannskost und im Sommer kann er im Biergarten auf die freie, unverbaute Natur schauen.

Von Jens Steglich

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