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Die Fronten im Tongrubenstreit weichen auf

Niemegk Die Fronten im Tongrubenstreit weichen auf

In die zuletzt stark umstrittene Rekultivierung der Niemegker Tongruben und des Bauschuttberges auf dem privaten Gelände am Stadtrand kommt jetzt Bewegung. Unter Vermittlung der Amtsverwaltung hatte es dazu Gespräche zwischen der Betreiberfirma Siba und dem Landesbergamt gegeben. Dabei seien verhärtete Fronten aufgeweicht worden.

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Unternehmer Ulrich Pietrucha im Jahr 2014 auf dem Berg Bauschutt im Niemegker Tonabbaugebiet. Inzwischen ist der Hügel grün bewachsen.

Quelle: Greulich

Niemegk. Nach jahrelangem Stillstand und juristischen Streitigkeiten kann nun wieder Bewegung in die Rekultivierung des früheren Tonabbaugebietes am Ortsrand von Niemegk kommen. Höher als von der Kommune erklärtermaßen erwünscht und von Bergbaubehörden genehmigt, ist dort ein Hügel mit Bauschutt immer weiter in den Himmel gewachsen. Dann verhängte das Landesamt für Bergbau Geologie und Rohstoffe (LBGR) im Juli 2013 einen Annahmestopp. Seither ruht der Betrieb am Mont Klamott, wie der knapp 20 Meter hohe Berg im Volksmund schon genannt wird. Es folgten Gerichtsprozesse.

Wie Amtsdirektor Thomas Hemmerling jetzt in der Sitzung des kommunalen Ausschusses für die Rekultivierung der Tontagebaue informierte, habe sich nach den zuletzt „verhärteten Fronten“ zwischen dem LBGR und der Niemegker Siba-Gesellschaft für Kultivierung, Erschließung und Verwaltung von Industriegeländen mbH (Siba) die Situation nun entspannt. Die Siba ist gemeinsam mit der Chris-Cat GmbH – ebensfall im Firmenverbund der Familie Pietrucha – für die Tongruben zuständig.

„Beide Seiten reden nicht mehr nur noch über Anwälte und Gerichte miteinander“, erklärte der Verwaltungschef. Unter anderem fanden unter seiner Moderation Anfang Juli im Niemegker Rathaus Verhandlungen zwischen Bergamt- und Firmenvertretern statt. Über mehrere Stunden seien fachliche Belange ausgetauscht und Kompromisse erzielt worden.

Streitpunkt war zuletzt unter anderem die aus Sicht der Firma Siba zu hohe Qualität des Mutterbodens, die das Landesbergamt zur zwei Meter starken Abdeckung des Berges von Bauschutt gefordert hatte. Nun werden die Qualität „Z 0“, was reinstem Mutterboden entspricht, nur noch für eine 50 Zentimeter starke Deckschicht und darunter 1,5 Meter der Güte Z 1.1. favorisiert.

Chris-Cat-Geschäftsführer Christian Pietrucha sieht damit die Voraussetzungen gegeben, um nun mit einem qualifizierten Planungsbüro den Abschlussbetriebsplan für das gesamte Gelände auf den Weg zu bringen. Das teilte er der Kommune mit.

Mit der Stadt wollen sich die Firmen um Christian Pietrucha und dessen Vater, Ulrich Pietrucha, als Besitzer der einstigen Tongruben nun über die Höhe der Berges verständigen. Dazu gab es ein Gespräch mit dem Amtsdirektor. Jedoch sei die derzeitige Höhe des Berges noch nicht ausreichend, um die erwogenen touristischen Höhepunkte zu realisieren, teilte die Firma in einem Brief vom August dem Rathaus mit.

Verschiedene Firmen beteiligt

Das Tonabbaugebiet Niemegk umfasst drei Restlöcher und Seen auf einer Fläche von 45 Hektar.

Die Chris-Cat-GmbH Niemegk, ein Unternehmen der Familie Pietrucha, ist seit Januar 2008 Betreiberin des Tonabbaugebietes.

Zwischenzeitlich hatte die Siba-Gesellschaft für Kultivierung, Erschließung und Verwaltung von Industriegeländen mbH (Siba) unter Leitung von Tongrubenbesitzer Ulrich Pietrucha das Areal bewirtschaftet.

Ursprünglich hatte die Niemegker Grundstücksverwaltungs GmbH – so hieß die erste Unternehmung von Ulrich Pietrucha – das Bergbaugelände von der Treuhand erworben.

Im Besitz des Niemegker Unternehmers ist zudem ein zweites ehemaliges Tonabbaugebiet in der Marienthaler Trottheide im Landkreis Oberhavel, nördlich von Berlin. Wegen langjähriger Gerichtsverfahren liegt auch dies brach.

Für die Nachnutzung des Areals gab es diverse Ideen. Sie reichten von Wohnbebauung über Ferienhäuser bis zu einem Campingplatz und gar einer Skistrecke. Nun könnten sich die Betreiber auch vorstellen, den Berg im Rahmen der angestrebten Rekultivierung nicht mehr wesentlich wachsen zu lassen.

Diesen Wunsch äußert auch die Kommune als offizielle Stellungnahme. Das beschlossen der Sonderausschuss und am Mittwochabend auch die Stadtverordnetenversammlung. Demnach sollen lediglich noch bis zu zwei Meter Erdboden als Deckschicht gebilligt werden. Bauschutt sollte unterdessen nur noch zur Stabilisierung einer Böschung eingebracht werden dürfen.

Bürgermeister Hans-Joachim Linthe (SPD) hatte angeregt, für die noch nötige Profilierung und Sicherung, vorhandenes Schuttmaterial von der Bergkuppe abzuschieben. Immerhin sei dieser ja bereits deutlich über die vorgesehene Höhe von 83 Metern über Meeresspiegel auf rund 99 Meter gewachsen, erinnerte auch Eberhard Pulz (SPD). „Statt eine Rücklage zur Rekultivierung zu bilden, hat die Firma die Annahme von Bauschutt nur auf maximalen Gewinn gefahren“, so Linthe.

Bärbel Schüler von der Fraktion BVB/FW plädierte allerdings dafür, der Firma Siba keine zusätzlichen Kosten aufzubürden. Immerhin habe das Unternehmen seine Gewinne aus den Tongruben auch in der Stadt in Immobilien investiert und damit zur Entwicklung Niemegks beigetragen. Hans-Dieter Scherz (WG ZN) sprach sich dafür aus, „die Sache nun endlich zu einem guten Ende zu bringen“.

Doch ist die Position der Stadt Niemegk, ohnehin nur „periphere Formsache“, sagte Amtsdirektor Thomas Hemmerling. Details der Rekultivierung bestimmt das Brandenburgische Bergamt. Erst wenn das auf dem Gelände lastende Bergrecht nach Abschluss der Rekultivierung ausläuft, habe die Kommune wieder Einfluss über Flächennutzungs- und Bauleitpläne.

Von Thomas Wachs

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