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Die Früchtchen sind Meister im Zähneputzen

Werder Die Früchtchen sind Meister im Zähneputzen

Die Kita „Werderaner Früchtchen“ ist am Mittwoch mit dem Zertifikat „Kita mit Biss“ ausgezeichnet worden. Damit verpflichtet sich der Kindergarten auf freiwilliger Basis, bestimmten Richtlinien der Zahngesundheit zu folgen. Dazu zählen zuckerfreie Vormittage, tägliche Zahnreinigung und auch der frühzeitige Verzicht von Nuckelflaschen. Die können dem Gebiss nämlich gefährlich werden.

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Die Kindergarten-Kinder Mia (5), Tristan (5) und Leonie (6, v.l.n.r.) putzen ihre Zähne schon vorbildlich.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Werder. Der größte Kindergarten der Stadt, „Werderaner Früchtchen“, hat seit Mittwoch Biss. Denn Zahnpflege wird in dieser Einrichtung so groß geschrieben, dass sie der zahnärztliche Dienst des Landkreises Potsdam-Mittelmark mit dem Zertifikat „Kita mit Biss“ ausgezeichnet hat. Damit ist sie die erste im Werderaner Stadtgebiet. Das Präventionsprogramm verfolgt das Ziel, die Mundgesundheit bei Kindern im Land Brandenburg zu fördern und frühkindliche Karies zu vermeiden. Nicht in jeder Kita steht Zähneputzen überhaupt auf dem Tagesplan. Bei den „Werderaner Früchtchen“ im Hohen Weg 158 ist das ein Muss, wie Leiterin Katrin Weimann berichtet: „Obwohl es organisatorisch nicht immer einfach ist, putzen wir auch nach dem Mittagessen mit den Kindern immer die Zähne.“ Bei den Krippenkindern beginnt es bereits und wenn die Kinder größer sind, laufe es immer besser mit der Motorik und die Zahnpasta kleckert auch nicht mehr.

Agnes Lehmann vom zahnärztlichen Dienst des Landkreises Potsdam-Mittelmark überreicht das Zertifikat an Kita-Leiterin Katrin Weimann

Agnes Lehmann vom zahnärztlichen Dienst des Landkreises Potsdam-Mittelmark überreicht das Zertifikat an Kita-Leiterin Katrin Weimann.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Der zahnärztliche Dienst, seit 2002 in Werder ansässig und seitdem in Kooperation mit der Kita, lobt die langjährige Zusammenarbeit. „Für Zahnhygiene haben die Erzieher hier immer ein offenes Ohr und verfolgen es dann auch mit Taten“, sagte Leiterin Agnes Lehmann, die selbst Zahnärztin ist. Die Handlungsleitlinien zur Zahngesundheit würden in der Kita komplett erfüllt. „Wir freuen uns, dass die Kita dieses Zertifikat erhalten hat. Es sollte auch ein Beispiel sein für die anderen Kitas, schnellstmöglich nachzuziehen“, sagte Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). Potenzial gibt es noch im ganzen Landkreis, denn aktuell sind erst 34 zertifiziert. Landesweit tragen 461 Kitas die Auszeichnung. Von 18 Landkreisen und kreisfreien Städten im Land beteiligen sich 15 an dem Präventionsprogramm.

Eltern müssen für die Zahngesundheit ihrer Kinder sensibilisiert werden

Eingeführt wurde es, als Untersuchungen des zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes Frankfurt (Oder) einen hohen Anteil von Kindern mit frühkindlicher Karies zeigten. Im Jahr 2003 entwickelte man deshalb Präventionsstrategien. Daraus wurde dann die „Kita mit Biss“. Die zahnärztlichen Dienste der Landkreise beraten heute die Kitas zu den Handlungsleitlinien und empfehlen ihnen, sich für das Zertifikat zu bewerben, wenn sie die Kriterien erfüllen. So war es auch bei den „Werderaner Früchtchen“. Regulär kommen Agnes Lehmann und ihre Kollegin einmal jährlich mit dem Krokodil als Maskottchen und setzen einen „Prophylaxe-Impuls“, wie sie es nennen. Denn die Hauptverantwortung liegt immer noch bei den Eltern und die Vorsorgeuntersuchung in der Kita ersetzt nicht den zweimal jährlich empfohlenen Gang zum Zahnarzt.

Agnes Lehmann untersucht die Zähne der Kinder bis zum 12. Lebensjahr und hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Hauszahnärzten. „Wir sind immer die Guten, weil wir nicht bohren“, erzählt sie. Fällt der Ärztin etwas an den Zähnen auf, erfahren es die Eltern über einen Serienbrief. Um die Eltern mehr zu sensibilisieren, bietet der zahnärztliche Dienst auch Infoabende zum Thema Zahn- und Mundgesundheit an.

Zähneputzen in der Kita bewährt sich

Anhand der Kariesrate lasse sich erkennen, dass es einen Unterschied macht, ob die Kita beim Zähneputzen hinterher ist oder nicht. „Man sieht es nicht sofort, aber spätestens wenn die Kinder ins Schulalter kommen“, sagt Agnes Lehmann. In der Kita werde es den Kindern nicht nur früh vermittelt, sondern auch in der Gruppe, was für die Kleinen einfacher sei.

Was der Begriff „Handlungsleitlinien“ etwas sperrig beschreibt, sind im Prinzip feste Rituale. Dazu zählen zum Beispiel zuckerfreie Vormittage, an denen anstatt Schokolade Obst aufgeschnitten wird oder an dem darauf geachtet wird, dass die Kinder möglichst zuckerfreie Getränke zu sich nehmen. „Strikte Verbote gibt es aber nicht, das würde nicht funktionieren. Wir machen das behutsam“, sagt Kita-Leiterin Katrin Weimann. Das gilt auch für Nuckel oder Trinklerngefäße. „Verzicht auf Nuckel ist ein großes Thema“, erklärt Agnes Lehmann. Nach dem dritten Geburtstag sollten sie der Expertin zufolge spätestens zur Seite gelegt werden, denn die Lutschgewohnheiten schädigen das Gebiss. „Den Kindern droht ein offener Biss oder ein Stufenbiss. Deshalb sagen wir zum Beispiel auch, dass das Kind, sobald es eine Tasse allein halten kann, auch daraus trinken sollte“, so die Zahnärztin weiter. Auch die Sprachentwicklung kann unter einer Fehlstellung der Zähne leiden.

Die Mehrzahl hat gesunde Zähne

Die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe im Land Brandenburg ist ein Maßnahmenpaket zur Erkennung und Verhütung von Zahnerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Die „Kita mit Biss“ ist ein Programm dieser Gruppenprophylaxe. Beteiligte Kindergärten können das Zertifikat im Eingang aufhängen.

Im Schuljahr 2015/2016 haben die drei Teams des zahnärztlichen Dienstes im Landkreis Potsdam-Mittelmark 96 Kitas besucht. Sie kümmerten sich bei ihren Stippvisiten um Gruppenprophylaxe und die zahnärztliche Untersuchung von 5779 Jungen und Mädchen.

Von denen besaßen 86 Prozent gesunde Zähne. 279 Kinder hatten bereits Plomben, das entspricht fünf Prozent. Fast doppelt so viele Kinder, nämlich 528, mussten dringend zum Zahnarzt.

Die Teams bestehen aus Zahnärztinnen, Zahnarzthelferinnen und einer Sozialarbeiterin.

Seit 16 Jahren schon kommt der zahnärztliche Dienst einmal im Jahr in die Kita „Werderaner Früchtchen“.

Die Kita im Hohen Weg 158 beherbergt derzeit 220 Kinder im Alter von zehn Monaten bis zum Schuleintritt. Damit ist die Einrichtung, wie alle anderen in Werder, voll ausgelastet.

Sogenannten „Nuckelflaschenkaries“ sieht Lehmann auch immer wieder. Der entsteht, wenn die Milchzähne förmlich in zuckerhaltigen Getränken baden. Nehmen die Kinder einen Schluck aus dem Glas sinkt diese Gefahr erheblich. All das seien Dinge, die vielen Eltern nicht bewusst sind. Als „Kita mit Biss“ kann die Einrichtung den Eltern nun auch Flyer mitgeben, die auf solche Probleme hinweisen. Der Landkreis stattet die „Werderaner Früchtchen“ mit altergerechten Zahnbürsten und einer fluoridhaltigen Zahnpasta aus. Auch am Mittwoch hatte das Team des zahnärztlichen Dienstes wieder einen vollen Beutel dabei. „Wir wollen uns jetzt natürlich weiter an die Richtlinien halten“, sagte die Kita-Leiterin.

Von Luise Fröhlich

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