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Potsdam-Mittelmark Die Glocke war vor der Kirche da
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Glocke war vor der Kirche da
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10:39 06.03.2017
Das Foto zeigt die Wilhelmshorster Kirche in ihrer Anfangszeit. Entworfen hat das Gotteshaus der Architekt Winfried Wendland. Quelle: Verein Ortsgeschichte
Wilhelmshorst

Als Unkundiger muss man schon etwas genauer hinschauen, um das Geburtstagskind zu entdecken. In anderen Orten fällt die Kirche sofort ins Auge, in Wilhelmshorst steht sie abseits am Wegesrand in der Peter-Huchel-Chaussee. Geplant war das freilich anders, wie eine Ausstellung der Freunde und Förderer der Ortsgeschichte zeigt, die am 11. März, 16 Uhr, im Wilhelmshorster Gemeindezentrum eröffnet wird.

Anlass ist ein Jubiläum: Vor 80 Jahren wurde das Gotteshaus erbaut – am falschen Platz. Ortsgründer Wilhelm Mühler hatte in seinem Parzellierungsplan von 1907 den Bau einer Kirche eigentlich auf dem damaligen Kirchplatz (heute Goetheplatz) an zentraler Stelle mitten im Ort vorgesehen. „Diese exponierte Lage erkannten auch die Nazis – und erlaubten keinen Kirchbau auf diesem Platz“, sagt Rainer Paetau, Vorsitzender des Ortsgeschichtsvereins. Sie gestatteten nur den Bau einer bescheidenen Kirche 100 Meter entfernt an einer Stelle, die den Eindruck erweckt, die Erbauer wollten sie damals verstecken. Die kleine Kirche hat freilich eine bemerkenswerte Geschichte, in der sich fast die ganze Dramatik des 20. Jahrhunderts wiederfindet. Erst verursachen Kriegsschulden und Weltwirtschaftskrise eine Inflation, die auch das Geld des Kirchbaufonds in wertloses Papier verwandelt. Dann legen die Nazis Steine in den Weg. Ihren entschlossenen Willen nach einer eigenen Kirche demonstrieren die Wilhelmshorster Christen 1934 dann auf besondere Weise – sie kaufen vorab eine Kirchenglocke. Was aber macht man mit einer Glocke ohne Gotteshaus? Die Bewohner der Waldgemeinde tun das Naheliegende: Sie hängen die Glocke zwischen zwei Kiefernstämme.

Die Bronzeglocke war drei Jahre vor der Kirche da und hing zwischen zwei Kiefern. Quelle: Verein Ortsgeschichte

„Dass die Wilhelmshorster in schwierigen Zeiten doch noch zu einer Kirche kamen, hatten sie nicht zuletzt dem auf Kirchenbau spezialisierten Berliner Architekten Winfried Wendland (1903-1998) zu verdanken“, sagt Paetau. Zur Ausstellungseröffnung am 11. März soll auch Wendland und dessen Vergangenheit als Mitglied der NSDAP eine zentrale Rolle spielen. Auch ein Rätsel wird thematisiert: Wer hat in dem in der Nazi-Zeit von einem NSDAP-Mitglied erbauten Gotteshaus eine These der Bekennenden Kirche über dem Altar angebracht? Dort steht der Spruch: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben...“ Der Wortlaut ist die erste These des Barmer Bekenntnisses von 1934, dem theologischen Fundament der Bekennenden Kirche, die den Nationalsozialisten den Gehorsam verweigerte.

Von Jens Steglich

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