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Potsdam-Mittelmark Die Hermanns schließen ihren Dorfladen
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Hermanns schließen ihren Dorfladen
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05:20 24.09.2016
Ingeborg und Günther Hermann vor ihrem Deetzer Lebensmittelgschäft. In wenigen Tagen schließen sie den Laden für immer. Quelle: Marion von Imhoff
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Deetz

An der Linde vor ihrem Geschäft sind zwei Todesanzeigen gepinnt. Wie an einem schwarzen Brett. Die Angehörigen, die dort auf das Ableben ihrer Lieben hinweisen wollen, „wissen, dass hier jeder vorbeikommt“, sagt Ingeborg Hermann. „Wir sind hier der Mittelpunkt des Ortes.“ Diesen Mittelpunkt wird Deetz jetzt verlieren. Am 30. September schließen Günther und Ingeborg Hermann ihren Lebensmittelladen. Es ist der einzige in dem 1000-Einwohner-Ort. Rund 60 Kunden täglich kauften dort von der Semmel bis zum Joghurt ein. Erst im Frühjahr hatte das Geschäft sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Vor wenigen Jahren hatte der letzte Bäcker im Ort bereits aufgegeben.

„Wir sind eigentlich seit zwei Jahren in Rente und für einen Nachfolger rentiert es sich nicht“, begründet Ingeborg Hermann ihren Entschluss. Ein Jahr lang hatte ihre Tochter Silke Spitzkat versucht, das Geschäft probeweise zu führen. Damit es sich rentieren würde, hätte die 47-Jährige dringende Investitionen etwa in neue Kühltheken anschieben müssen. Zudem müsste ihre Mutter immer wieder im Laden mithelfen, um die Öffnungszeiten zu gewährleisten. „Wir hätten auf Abruf einspringen müssen. Doch das wollen wir nicht mehr“, sagt die gebürtige Deetzerin.

Der Ausverkauf hat schon begonnen

Wie es ihr jetzt geht, wenige Tage vor der Schließung? „Gefühle lasse ich noch gar nicht zu. Erst mal müssen wir den Alltag noch bewältigen“, sagt Ingeborg Hermann. Der Ausverkauf haltbarer Lebensmittel hat schon begonnen. Im hinteren Ladenbereich sind schon zahlreine Regale leergeräumt. „Eine letzte Lebensmittellieferung bekommen wir noch. Dann ist Schluss.“

Peter Bürger zählt zu den Stammkunden der Hermanns. Ingeborg Hermann ist 50 Jahre lang Verkäuferin gewesen, davon die Hälfte im eigenen Geschäft. Quelle: Marion von Imhoff

Anders als seiner Frau fällt Günther Hermann der Abschied leicht. „Ich bin froh, wenn wir den Stress los sind.“ Dabei fängt für ihn der Stress eigentlich erst an. Bis zum 1. Dezember soll aus dem Ladengeschäft eine Wohngruppe für ältere Menschen entstehen. „In Eigenleistung.“ Der gelernte Gärtner und Kraftfahrer, der mit 25 Jahren doch die längste Zeit seines Arbeitslebens selbstständiger Kaufmann war, hat bereits eine Trennwand hochgezogen. Weitere will Günther Hermann noch Mauern.

Vor 25 Jahren übernahmen die Hermanns den Deetzer HO-Laden

1991 haben die Hermanns den früheren HO-Laden gekauft. Hinzu kamen zwei weitere frühere Konsums in Krielow und Schmergow. Doch die konnte die Kaufmanns-Familie nur bis fünf, sechs Jahre halten. 15 Mitarbeiter und zwei Lehrlinge hatten sie damals. Heute sind sie neben einer angestellten Verkäuferin zu zweit. An der Fleisch- und Wursttheke wirbelt Tochter Silke, Günther Hermann im übrigen Bereich. Die Renner waren all die Jahre die selbst gemachten Salate, Buletten und Schnitzel. Wer einen Kaffee wollte, konnte ihn dort trinken.

So wie an diesem Tag die 78-jährige Inge Fröhlich. „Ich bin aber nicht fröhlich, ich bin traurig“, sagt die 78-Jährige. Alle zwei Tage mindestens schaute sie bisher bei den Hermanns vorbei. „Nächste Woche seid ihr ja noch da?“, fragt sie bang Silke Spitzkat. Die nickt und sucht stückweise mit einer Salatzange Spreewald-Gurken aus einer Porzellan-Schale: „Welche möchtest du?“, fragt sie Inge Fröhlich: „Die oder die?“ Mit dem Finger deutet die Rentnerin auf die einzelnen Gurken. „Hast du einen Beutel mit“, fragt Silke Spitzkat. Dann bugsiert sie die Einkäufe der alten Dame dorthinein.

Auch den Ortsvorsteher bedrückt die Schließung

Silke Spitzkat arbeitet seit 20 Jahren im Geschäft ihrer Eltern mit. Künftig wird sie für die älteren Herrschaften der Senioren-WG kochen.

Die Schließung des kleinen Lebensmittelgeschäftes sei ein großer Verlust für Deetz, sagt Ortsvorsteher Burghard Süring (SPD). „Dass bedeutet künftig, ins fünf Kilometer entfernte Groß Kreutz fahren zu müssen. Da ist für viele Senioren und behinderte Menschen ein selbstständiges Einkaufen nicht mehr möglich.“

Von Marion von Imhoff

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