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Potsdam-Mittelmark „Die Kastration ist angewandter Tierschutz“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Die Kastration ist angewandter Tierschutz“
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00:18 11.08.2017
Tierärztin Kathleen Schmidt. Quelle: Andreas Koska
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Cammer

Um die steigende Zahl herrenloser Katzen in den Griff zu bekommen, führte die Stadt Paderborn in Nordrhein-Westfalen 2008 als erste Stadt eine Katzen-Verordnung ein. Halter freilaufender Katzen werden dort zur Kastration ihrer Tiere verpflichtet. In Bad Belzig und seinen Ortsteilen trat 2016 eine ähnliche Verordnung in Kraft. Kathleen Schmidt, Tierärztin in Cammer, spricht am heutigen „Welttag der Katze“ über die Vorteile einer solchen Kastrationspflicht.

Wussten Sie, dass es einen „Welttag der Katze“ gibt?

Ja, ich hatte schon davon gehört – erlebe jedoch in diesem Jahr zum ersten Mal bewusst, dass es ein echtes Interesse daran gibt. Das ist erfreulich, denn der Tag bringt sicher viele Menschen dazu, über Katzen und deren Haltung nachzudenken.

Ist das denn notwendig?

Na klar, die Katze ist ein lebendiges Tier, das auch entsprechend behandelt werden sollte. Dazu gehören Tierschutz und artgerechte Haltung, die heutzutage in Stadt und Land regelmäßig in Augenschein genommen werden sollten.

In einigen Kommunen sind in der Vergangenheit Satzungen erlassen worden, nach denen streunende Katzen, die scheinbar niemandem gehören, kastriert werden müssen. Ist eine solche Regelung Ihrer Meinung nach vernünftig?

Auf jeden Fall. Katzen sollten prinzipiell mit dem Eintritt der Geschlechtsreife kastriert werden – wenn sie im Freien unterwegs sein dürfen. Der Mythos, dass eine durchlebte Schwangerschaft für die Katze gut sei, ist wissenschaftlich nicht belegt und ich halte das ehrlich gesagt für Unsinn.

Warum ist eine Kastration für freilaufende Tiere sinnvoll?

Herrenlose Katzen vermehren sich unkontrolliert, so dass aus drei Tieren schnell 30 werden können. Außerdem sind sie anfällig für Seuchen und Krankheiten, die dann an die Jungtiere weitergegeben werden. Die Kastration ist angewandter Tierschutz, sie vermindert das Elend für die Katzen.

Stimmt es denn, dass es immer weniger Streuner gibt?

Ja, ich habe diese Beobachtung gemacht. Die konzentrierten Kastrations-Aktionen zum Beispiel in Bad Belzig und Umgebung der vergangenen zehn Jahre haben gegriffen. Dadurch ist die Vermehrung stark eingegrenzt worden.

Wer trägt die Kosten einer Kastration?

Bei herrenlosen Streunern ist das lokale Ordnungsamt zuständig. Allerdings helfen Bürger und Tierschützer beim Einfangen. Im Normalfall muss der Besitzer die Kosten tragen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Wenn jemand beispielsweise 20 oder mehr Tiere hat und sich die Kastration für alle nicht leisten kann, dann kann das Amt einspringen.

Was kostet so ein Eingriff?

Es gibt eine Gebührenordnung für Tierärzte, in der das genaustens festgelegt ist. Sie ist gerade nach neun Jahren neu erschienen – am 27.Juli. Demnach kann eine Kastration zwischen 95 und 200 Euro kosten. Die neue Gebührenordnung lässt eine Unterschreitung nur im Einzelfall und nur beim Tierschutz zu. Also wenn ehrenamtlich arbeitende Organisationen die Tiere in Obhut genommen haben.


Von Andreas Koska

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