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Potsdam-Mittelmark Die Krügermühle ist seit drei Jahren dicht
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Krügermühle ist seit drei Jahren dicht
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10:57 28.06.2016
Die Krügermühle Bücknitz am rauschenden Bach ist für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Quelle: Marion von Imhoff
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Bücknitz

Auf einem Kopfsteinpflasterweg rechts rein von der Ortsdurchfahrt, da steht sie, die Kürgermühle Bücknitz. Ein Industriedenkmal. Ehrwürdig in dunkler Backsteingotik von 1905. Sehenswürdig – aber nur von außen zu besichtigen. Seit drei Jahren schon gibt es für das öffentlich geförderte Gebäude keine Besichtigung mehr. Die Türen sind verschlossen. Spinnweben wuchern an ihnen.

Rolf Czapiewski ist Vorsitzender des Vereins, dem das Bauwerk gehört: Industriedenkmal Krügermühle Bücknitz. Der gebürtige Hamburger scheint mit seinem Latein am Ende zu sein: „Es hat keiner im Verein mehr Zeit, die Arbeit ist zum Erliegen gekommen“, so Czapiewski. Zuletzt 2013 öffneten sich die Türen zum jährlichen Mühlentag. Doch die 2000 Quadratmeter Fläche sei verstaubt, es müsse von Handwerkern die Mühlentechnik überarbeitet werden, doch dafür fehle das Geld. Dabei flossen schon nach Angaben Czapiewskis 400.000 Euro Fördergelder in das Gebäude.

Blick durch das Fenster der Krügermühle Bücknitz. Quelle: Marion von Imhoff

Als Grund für den Niedergang nennt der Vereinsvorsitzende, beruflich in der Immobilienbranche tätig, „die gesunkene Arbeitslosigkeit. Die Leute haben Arbeit gefunden und keine Zeit mehr, sich für die Krügermühle zu engagieren.“ Von 40 Vereinsmitgliedern 2003 seien nur noch drei Aktive übrig geblieben. Diese seien damit zeitlich überfordert, die Mühle in Schuss zu halten. Offen spricht Czapiewski über einen möglichen Verkauf: „Wenn jemand kommt und ein Angebot macht“, ja, dann würde der Verein verkaufen. „Aber es ist nichts geplant.“

Zuletzt am Mühlentag 2013 aktiv

Der Krügermühlen-Verein hat zuletzt 2013 an einem Mühlentag teilgenommen, organisiert von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg mit Sitz in Potsdam. „Das ließ sich wohl nicht vermeiden“, heißt es dort unter vorgehaltener Hand. Nicht eben glücklich ist die Vereinigung der Mühlenbesitzer im Land über das Gebaren des Bücknitzer Vereins.

Die Schafe an der Bücknitzer Mühle. Quelle: Marion von Imhoff

„Es ist bedauerlich, dass so ein öffentliche gefördertes technisches Denkmal seit langem nicht mehr öffentlich zugänglich ist. Drei Jahre sind eine lange Zeit“, sagt Torsten Rüdinger, Vorstandsmitglied der Mühlenvereinigung und Museumsleiter der Historischen Mühle von Sanssouci. Er selbst habe sich die Krügermühle angeschaut vor Jahren: „Wir bekamen eine technische Mühlenanlage präsentiert, die man hätte aus Sicherheitsgründen sofort stilllegen müssen. Das, was sich dort bewegte, war kreuzgefährlich, hatte mit Mühlentechnik kaum etwas zu tun und war eigentlich nur „Klamauk““, so Rüdinger im Rückblick. Wenn es dem Verein nicht mehr möglich sei, die Mühle zu betreiben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sei ein Verkauf nur konsequent.

Vor dem blauen Juni-Himmel, das Industriedenkmal Krügermühle in Bücknitz. Quelle: Marion von Imhoff

In Bücknitz selbst winken einige ab, wenn das Gespräch auf die Krügermühle kommt. Eine 57 Jahre alte Bücknitzerin bringt jeden Tag Küchenreste zu den zehn Schafen, die auf dem Vereinsgelände an der Buckau weiden. Die Tiere kennen sie, zutraulich kommen sie an den Zaun, sobald sie die Bücknitzerin lockt. Alle paar Tage kommt nach Angaben Czapiewskis auch ein Vereinsmitglied und schaut nach den Tieren, was die Bücknitzerin bestätigt. Ein 53-jähriger Dorfbewohner schüttelt genervt den Kopf, auf die Krügermühle angesprochen: „Naja, immerhin: Das Dach hat der Verein in Ordnung gebracht, aber alles andere....“ Der Mann verdreht die Augen.

Zu Mühlentagen waren früher mehr als hundert Menschen gekommen, um die Anlage von innen besichtigen zu können. 2003 kaufte der Verein die Mühle für einen symbolischen Euro. Das Innere wandelte sich zu einem Museum, ergänzt 2007 mit einem Kinosaal und die historische Ladeneinrichtung eines Friseurs. Ein-Euro-Jobber arbeiteten in der Mühle. „Von Montag bis Freitag waren 15 Leute ständig dabei“, erinnert sich Vereinschef Czapiewski.

Als die Mühle noch am rauschenden Bach klapperte

Mit einigem Enthusiasmus erzählt der 43-Jährige von damals, als die Mühle noch klapperte am rauschenden Bach. „30 Leute haben bis 1942 in der Mühle gearbeitet.“ Der Müller floh schließlich 1946, weil er nicht mehr das Mindestsoll an Mehl habe abliefern können und „dafür ins Gefängnis sollte“. Das Brot sei von der zugehörigen Bäckerei bis nach Berlin geliefert worden.

Diese Tür an der Krügermühle wurde schon länger nicht mehr geöffnet und steht als Sinnbild für das Industriedenkmal. Quelle: Marion von Imhoff

Es gab sogar vor zwei, drei Jahren offenbar den Versuch des Vereins, die Immobilie wieder an die Stadt Ziesar zurückzuverkaufen. Übertrug diese das Denkmal 2003 für einen symbolischen Euro an den Verein, hätte es die Stadt nun nach Angaben von Bürgermeister Dieter Sehm für knapp 150 000 Euro zurückkaufen können.

Mittlerweile hegt Czapieski offensichtlich fast Groll auf die Stadt Ziesar. „Die wollen uns hier draußen nicht, die wollen Touristen in Ziesar haben. Bücknitz ist ihnen zu weit weg“, sagt er.

Ziesars Bürgermeister Dieter Sehm ist ratlos

Ziesars Bürgermeister Dieter Sehm indes singt das hohe Lied auf die Vereine. Die seien wichtig für das kulturelle und gesellschaftliche Leben. „Wir als Stadt können aber kein Personal stellen für die Mühle. Wir wüssten doch gar nicht, wie wir die Mühle betreiben sollten.“ Mit ein „paar Euro“ könne man den Verein unterstützen, vielleicht ein Zuschuss von 200 Euro, sagt Sehm. „Das wichtigste ist die Burg Ziesar als touristischer Anziehungspunkt, aber die Krügermühle ist als Industriedenkmal von herausgehobener Bedeutung.“ Wie es mit der Krügermühle weitergehen könnte? Sehm ist ratlos.

In Bücknitz hingegen sagen Anwohner: Künstlerwohnungen könnten dort hinein, Ateliers. „Wichtig ist der Erhalt als ortsbildprägendes Gebäudeensembles“, sagt Rüdinger von der Mühlenvereinigung. Die Mühlentechnik auszubauen und andernorts zu zeigen und das Gebäude innen umzunutzen, dagegen spräche nichts. Ziel müsse sein, das Industriedenkmal wieder mit Leben zu füllen. Das müsste im Interesse auch der Bücknitzer sein.

Von Marion von Imhoff

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