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Die Müllerin vom Beetzsee

Ketzür: Anna Beck wechselte den Beruf Die Müllerin vom Beetzsee

Anna Beck hat noch einmal den Beruf gewechselt. Die gelernte Chemisch-Technische Assistentin studierte Philosophie und Kunstgeschichte, durchlief eine Weiterbildung zur psychologischen Beraterin und zur Traumatherapeutin. Jetzt darf sie sich Müllerin nennen. Und zwar mit Brief und Siegel ihrer Ausbildungsstätte – der Britzer Mühle.

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Anna Beck vor der Ketzuürer Bockwindmühle.

Quelle: Foto: Volkmar Maloszyk

Ketzür. Anna Beck hat noch einmal den Beruf gewechselt. Die gelernte Chemisch-Technische Assistentin studierte Philosophie und Kunstgeschichte, durchlief eine Weiterbildung zur psychologischen Beraterin und Traumatherapeutin. Jetzt darf sie sich Müllerin nennen. Und zwar mit Brief und Siegel ihrer Ausbildungsstätte – der Britzer Mühle. Die dortige Holländer Mühle gehört zu den wenigen betriebsfähigen und arbeitenden Windmühlen in Deutschland.

Warum sich die Ketzürerin zweieinhalb Jahre auf die Schulbank setzte, ist schnell erzählt. Über Langeweile kann Anna Beck auf ihrem denkmalgeschützten Vierseitenhof jedenfalls nicht klagen. Dafür wollte sie wissen, was eine Mühle im Innersten zusammenhält. In der Ketzürer Bockwindmühle eines Tages wieder Getreide zu Mehl mahlen - das ist der große Traum von Anna Beck, die auch Vorsitzende des Ketzürer Mühlenvereins ist.

Bis jetzt stützen sich die Mühlenfreunde bei den sonntäglichen Führungen vor allem auf den gebürtigen Holländer und diplomierten Windmüller Jan Dijkstal, der jede Frage zur Bockwindmühle beantworten und mit Anekdoten würzen kann. „Der Verein hält es für klug, die Arbeit langsam auf breitere Schultern zu verteilen. Deshalb kam es mir in den Sinn selbst den Müllerberuf zu erlernen. Der Familienrat spielte mit. Also habe ich es angepackt“, berichtet die frisch gebackene Müllerin.

Von Bornim nach Ketzür

Die Bockwindmühle Ketzür auf dem Mühlenberg ist die letzte von ehemals drei am Ort vorhandenen Mühlen und die letzte Bockwindmühle, die im Altkreis Brandenburg erhalten geblieben ist.

Ursprünglich stand die Mühle in Bornim bei Potsdam. 1862 wurde sie in Ketzür neu aufgebaut. In den 1920er-Jahren erfolgte eine Nachrüstung mit einem elektrischen Walzenstuhl.

Bis 1955 war die Mühle in Betrieb. Besichtigungen sind von Ostern bis Mitte Oktober immer sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie nach Absprache möglich. Anmeldungen unter 01788542412.

Zweimal die Woche fuhr Anna Beck nach Britz, um sich Theorie und Praxis der Müllerei anzueignen. Zwar dreht sich bei der Holländermühle im Gegensatz zur Bockwindmühle nur die Turmhaube und es gibt Unterschiede in der Kraftübertragung, doch erklären kann die Müllerin die letzte im Altkreis Brandenburg verbliebene Bockwindmühle wie aus der Pistole geschossen. Vor allem Schülergruppen zieht es immer wieder nach Ketzür, die am technischen Denkmal Anschauungsunterricht in mühlenbetriebene Fertigungsprozesse bekommen.

Allerdings mit einem Wermutstropfen. Zwar wurde die Bockwindmühle 2005/07 unter denkmalschützerischen Gesichtspunkten restauriert. Doch funktionieren tut nur ein elektrisch betriebener Walzstuhl. Was der Wind kann, lässt sich leider wegen des nicht funktionsfähigen Steinmahlganges nicht vorführen. Was Anna Beck und ihre Vorstandskolleginnen Martina Gotto und Kerstin Spittka vom Mühlenverein mehr als schade finden. Für sie steht fest: „Eine Mühle ist eigentlich kein Museum, sondern eine Maschine, die arbeiten muss. Sonst steht sie sich kaputt.“

Die Gefahr besteht schon jetzt. Fast zehn Jahre nach der letzten Sanierung gibt es schon wieder Reparaturbedarf. Balken reißen, die Brettchen an den Flügeln verrotten, durch die Holzverkleidung des Mühlenkastens pfeift der Wind. Ein aufgestellter Sanierungsplan weist einen Finanzbedarf von rund 100 000 Euro auf, um die Mühle wieder komplett betriebsfähig zu machen. Viel Geld für einen kleinen Verein, die Gemeinde Beetzseeheide als Eigentümerin ist ebenso klamm. Wann Anna Beck den ersten Sack Ketzürer Mehl zu einem Bäcker bringen kann, steht deshalb in den Sternen.

Von Frank Bürstenbinder

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