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Potsdam-Mittelmark Die Powerfrau aus dem Winkel
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Powerfrau aus dem Winkel
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15:49 15.09.2017
Franziska Strencioch leitet seit Juni den Verein „Belziger Forum“. Quelle: Christin Iffert
Bad Belzig

Franziska Strencioch steht hinter dem Tresen im Infocafé „Der Winkel“ in Bad Belzig. Sie spricht mit den Besuchern, dann schallt ein freundliches Lachen durch den Raum. Die Stimmung ist herzlich. „Es sind die Menschen, die die Atmosphäre hier ausmachen“, sagt sie später. Individuell seien die Leute, manchmal auch speziell. Das Infocafé ist ein Treffpunkt, in dem jeder willkommen ist. Es wird unter den Menschen vermittelt – gleich welcher Kultur.

Strencioch steht seit einigen Monaten an der Spitze des Vereins Belziger Forum gegen Rechtsextremismus und Gewalt, der den „Winkel“ betreibt und trat damit die Nachfolge der Bad Belzigerin Lisa Vogel an. Sie war im September des vergangenen Jahres zurückgetreten und ließ sich Anfang 2017 aus dem Vereinsregister streichen. Viele Mitglieder des Vereins, der inzwischen über 60 zählt, wollten die 27-Jährige an der Spitze und sicherten Unterstützung zu, nachdem zunächst die Frage im Raum stand, wer sich überhaupt in der Lage fühlt, diese Verantwortung zu übernehmen.

Veränderungen im Vorstand bringen stärkere Meinungsvielfalt

Mit der Neuwahl ändert sich nun auch die Taktik. Seit dem Juni gibt es fünf Vorstandsmitglieder, nicht wie sonst drei. „Wir wollen den Fokus stärker auf das Team setzen und mehr zusammen entscheiden.“ Fünf Entscheidungsträger – das heißt auch fünf unterschiedliche Meinungen. Dass die mitunter festgefahren sein können, weiß die Vereinsvorsitzende. „Allerdings heißt das auch Vielfalt und man kann sich besser auf einen Konsens einigen, mit dem alle zufrieden sind“, glaubt die Ehrenamtlerin. Dabei müsse man sich gegenseitig akzeptieren und respektieren.

„Der Winkel“ in Bad Belzig ist eine Begegnungsstätte. Immer mittendrin: „Seelenfreund“ Theo, ein Hund. Quelle: Christin Iffert

Weil es an diesem Respekt zuvor mangelte, hatte Lisa Vogel die Reißleine gezogen. „Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Vorstand fehlte“, sagt die 51-Jährige. So gern sie die Vereinsarbeit hatte, als wichtige Entscheidungen ohne ihr Wissen getroffen wurden, wollte sie die Verantwortung nach zwei Jahren nicht mehr übernehmen. Ihre Nachfolgerin bedauert, dass sie nicht mehr im Verein ist. „Sie hat gute Arbeit geleistet und es wird schwierig, die ganzen Projektgelder so zu beantragen, wie sie es getan hat“, sagt Franziska Strencioch.

Die Arbeit mit Menschen ist eine Lebenseinstellung

Künftig wird sie diese Funktion inne haben, sich um die allgemeinen Befindlichkeiten der Mitglieder kümmern und Projekte leiten. „Das ist beinahe ein Vollzeit-Job“, meint sie. Dabei leitet Strencioch im Berufsalltag einen Jugendclub in Schönefeld (Dahme-Spreewald). Dort lebte die Sozialarbeiterin, bevor sie vor vier Jahren der Liebe wegen in die Kur- und Kreisstadt Bad Belzig zog. Nebenbei betreibt die junge Frau als gelernte Forstwirtin noch einen kleinen Forstbetrieb, engagiert sich in der Freiwilligen Feuerwehr. Zwölf Jahre ist sie bereits Feuerwehrfrau. „Es braucht Struktur“, wenn man alles zusammenbringen möchte. Doch die Arbeit mit Menschen ist für sie Spaß, eine Lebenseinstellung – „vor allen Dingen mit jenen, die außergewöhnlich sind, die Hilfe brauchen oder Projekte starten wollen.“

Lisa Vogel trat im vergangenen Jahr vom Vorsitz zurück, weil es an Respekt für den Vorstand mangelte. Sie engagiert sich dafür für Flüchtlingsarbeit in der Kirchengemeinde. Quelle: Christin Iffert

Projekte, die sich bewährt haben und angelaufen sind, werden im Belziger Forum weitergeführt, so wie das Fest im Klinkengrund. Bald sollen weitere hinzukommen. Noch wird ausgelotet, was möglich ist und wo die personellen Kompetenzen liegen. Ein Fokus ist die Aufarbeitung des Antisemitismus in der Stadt Bad Belzig. Regelmäßig stöbert eine kleine Gruppe dazu in den Archiven. Auch dem Thema Toleranz soll ein großer Stellenwert beigemessen werden – ob nun im Kontext Homosexualität oder Flüchtlinge. „Alle wollen tolerant sein, aber ich habe das Gefühl, dass wir vor Jahren schon weiter waren.“ Im Forum wolle man deshalb verstärkt auf die Menschen zugehen.

Verein unterstützt Menschen, wenn sie Hilfe benötigen

Dabei ist Strencioch wichtig, dass der Verein nicht in Schubladen gesteckt wird. Sie seien nicht „die bösen Linken“ und auch keine Willkommensinitiative, sondern eine Begegnungsstätte. Geholfen wird bei Anträgen oder bei privaten Problemen. Übernommen werden mitunter Aufgaben von klassischen Sozialarbeitern. „Anderswo wird man dafür bezahlt, hier machen wir das aus Leidenschaft.“ Vergleichen könne man die ehrenamtliche Arbeit im Belziger Forum mit dem Wirken der Feuerwehr. „Wenn es brennt, muss man jemanden holen können, der einem hilft.“ Vier Mitarbeiter gibt es dazu in Festanstellung – unter anderem finanziert durch den Landkreis und den Verein selbst.

Unikate wie Seifen oder Schmuck gibt es gegen eine Spende. Auf Instagram wird unter anderem dafür geworben und sorgt für einen größeren Bekanntheitsgrad des Infocafés. Quelle: Christin Iffert

Damit das Geld reinkommt, werden auch Spenden benötigt. Einige Euro gibt es durch das Kreativangebot. In einer kleinen Gruppe werden meist dienstags Unikate geschaffen – Seifen, Schmuck, Wollmützen. Wer etwas davon haben möchte, gibt, was er kann. Geworben wird dafür in sozialen Netzwerken im Internet. Dadurch wird der Verein nach Außen stärker wahrgenommen.

Überhaupt müsse der Verein künftig verstärkt an seiner Professionalität arbeiten, glaubt die neue Vorsitzende. Eben weil die Menschen speziell und individuell sind, müsse man sich oft auf Rationalität besinnen, weniger auf Emotionen. Und Franziska Strencioch, die ist „irgendwo ein bisschen Mutti und ein bisschen professioneller Kumpel, um untereinander zu vermitteln. Denn manchmal muss man daran erinnern, dass das Konstrukt zusammenbricht, wenn man nicht fest zusammenhält.“

Klinken-Fest am Sonnabend

Der gemeinnützige Verein Belziger Forum ist am kommenden Wochenende außerhalb des Infocafés „Der Winkel“ im Einsatz.

Für Sonnabend, 12 bis 18 Uhr, lädt er zum ersten Klinken-Fest ein und organisiert Information und Begegnung rund um den Stadtteiltreff in der Hans-Marchwitza-Straße 1.

Vor allem geht es dabei zum Sommerausklang um Spiel und Spaß mit der Kindertagesstätte „Tausendfüßler“, dem Sportbund und weiteren Partnern bei Kreativ- und Aktivangeboten, Musik und Tanz für Jung und Alt.

Außerdem locken Speis und Trank aus der internationalen Küche.

Innerhalb der Initiative „Soziale Stadt“ im Wohngebiet Klinkengrund präsentieren sich soziale Vereine, Selbsthilfegruppen, Kirchen, Polizei, und Institutionen wie das Netzwerk „Gesunde Kinder“. Sie wollen ihre Arbeit vorstellen und Erfahrungen auszutauschen. Darüber hinaus suchen sie zusätzliche Mitstreiter.

Unter dem Motto „Demokratie leben“ wollen eine Woche vor der Bundestagswahl Vertreter der CDU, FDP, SPD, Linkspartei, Bündnis 90/Die Grünen, Piraten und Freie Wählergemeinschaft Bad Belzig auf dem Festgelände sein. Eventuell stellen die Parteien ihre Kandidaten und deren Ziele vor.

Von Christin Iffert

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