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Potsdam-Mittelmark Die Schwaben sind da
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Schwaben sind da
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11:35 31.05.2017
Pfarrer Jürgen Kaiser und die Diakone Claus Jesch, Dieter Hödl und Martin Allmendinger (von links) übernehmen Gottesdienste in Garrey. Quelle: Christin Iffert
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Garrey

Die Schwaben sind da. Garrey beherbergt anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums bis zum 10. September Gäste des Evangelischen Medienhauses Stuttgarts. Das bringt nicht nur frischen Wind in den kleinen Ort, sondern auch zahlreiche Gottesdienste. Denn seit Jahren findet der nun erstmals jeden Sonntag um 10 Uhr statt.

„Wir haben uns in diese kleine Kirche in Garrey sofort verliebt“, schwärmt der Geschäftsführer des Medienhauses, Jürgen Kaiser. Als klar war, dass die Schwaben über Monate ein Quartier in Garrey haben, wandten sie sich an das zuständige Pfarramt in Niemegk. Die aktiven Christen, die größtenteils aus Stuttgart stammen, sind wöchentliche Gottesdienste gewöhnt. „Die erste Frage war natürlich, wie wir uns am besten in die Kirchengemeinde einbringen können“, sagt der 64-Jährige.

Gottesdienst mal anders

Pfarrer Daniel Geißler sah darin eine Chance. „Ein Pfarrer und drei Diakone greifen uns unter die Arme. Sie sind eine große Hilfe, vor allem für die Verkündungslandschaft in den Gemeinden.“ Die unterschiedlichen Gesichter bringen zudem Abwechslung. Viele Menschen haben die vergangenen Gottesdienste bereits besucht, einige wohl auch aus Neugier. Die nächsten Gelegenheiten gibt es am Pfingstsonntag. Insgesamt vier Dienste haben die Schwaben übernommen.

Jürgen Kaiser ist der Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses in Stuttgart. Quelle: Christin Iffert

Das Evangelische Medienhaus repräsentiert die Württembergische Landeskirche seit dem 20. Mai offiziell unter dem Motto „Württemberg in Wittenberg“. In der Lutherstadt haben die Schwaben eine alte Schmiede gemietet und sie zur „Württemberger Halle“ umgebaut. Bis 10. September kann sie besucht werden – und eben mindestens so lange verweilen die Stuttgarter in Garrey. In der Regel sind 20 Menschen vor Ort. Neben einem kleinen, festen Team wechseln die Akteure. So übernachten auch Künstler im Dorf. Gabriele Eissenberger, Eigentümerin der Pension „Zum weißen Raben“, hatte Garrey schon vor zwei Jahren beim Organisationsteam des Reformationsjubiläums ins Spiel gebracht. Jürgen Kaiser bekam vom Team den entscheidenden Tipp. „Als es hieß, dass wir unsere Landeskirche während der Reformation repräsentieren, war gleich klar, hier geht es nicht um ein verlängertes Wochenende.“

Eis bricht nur, wenn Kontakt persönlich gesucht wird

In Wittenberg seien die Unterkünfte auch mit Blick auf den Kirchentag und andere Veranstaltungen, entweder nicht durchgängig verfügbar oder schlicht zu teuer gewesen. In Garrey habe alles gepasst. „Wenn man den ganzen Tag den Trubel in Wittenberg hat, vermittelt jeder Meter, den man nach Garrey rausfährt das Gefühl, etwas mehr anzukommen“, sieht sich Kaiser bestätigt. Seit Anfang Mai sind die Schwaben vor Ort. „Wir sind positiv überrascht, wie offen die Württemberger auf uns zugehen“, sagt Ortsvorsteher Andreas Grünthal. Er sieht die Gäste als Bereicherung, auch weil sie sich in die Gemeinschaft einbringen.

Zwischen den Einheimischen und den Gästen aus dem Schwäbischen gibt es einen regen, intensiven Austausch. Quelle: Christin Iffert

So gab es jetzt ein großes Kennenlernen mit Spanferkel, Freibier und württembergischem Wein. Das Medienhaus hatte zur gemütlichen Runde auf Lehmanns Hof geladen. „Wir wollten von Anfang an die Leute kennenlernen“, sagt Kaiser. „Das Eis kann nur brechen, wenn direkte Kontakte entstehen“, ergänzt Martin Allmendinger. Der Diakon war kurz nach seiner Ankunft in Garrey, Zixdorf und Wüstemark von Tür zu Tür gegangen, um sich und das Medienhaus vorzustellen und die Bewohner zum Fest einzuladen.

Gabriele Eissenberger (rechts) hat die Kinder beim Kennenlernen zwischen Schwaben und Garreyern mit Spielzeug unterhalten. Quelle: Christin Iffert

Unterschied zwischen Brandenburgern und Schwaben

Schwierigkeiten mit den Brandenburgern sieht Allmendinger nicht. Nur wenige hätten sich abgewandt. Allerdings seien die Brandenburger zu Beginn etwas zurückhaltender. Ist der erste Schritt getan, „sind die Menschen hier sehr zugewandt und freundlich“. In Württemberg seien viele eher kühler und verschlossen. Und die Sprache? „Die ist von beiden Seiten manchmal gewöhnungsbedürftig“, sagt er und lacht. Man bemühe sich in Gesprächen um Hochdeutsch.

Nach dem Aufenthalt ist zwischen dem Medienhaus, Garrey und dem Pfarramt Niemegk vorerst keine Kooperation geplant. „Ich hoffe sehr stark, dass das Band, das jetzt geknüpft wird, über 2017 hinaus bestehen bleibt“, sagt Niemegks Pfarrer Geißler. Auch wenn dann natürlich nicht jedes Wochenende ein Geistlicher zum Gottesdienst nach Garrey fahren kann.

Von Christin Iffert

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