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Potsdam-Mittelmark Die Spargelfreunde von Schlunkendorf
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Spargelfreunde von Schlunkendorf
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19:30 02.05.2016
Freunde an der Sortiermaschine: Bernhard Falkenthal, Milan Machajda und Adam Nowak (v.l.). Quelle: J. Steglich
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Schlunkendorf

Durch seine Hände geht sämtlicher Spargel, der auf den Feldern des Märkerland-Hofes geerntet wird. Am Ende einer Saison sind das 70 Tonnen, die er als Chef-Aufleger aufs Band der Sortiermaschine legt. Milan, von dem hier die Rede ist, wird im September 70 Jahre alt, arbeitet aber wie ein Dreißigjähriger. Anders als viele junge Leute hat Milan keine Rückenprobleme, sagt die Spargelverkäuferin im Hofladen.

Seit 1999 reist Milan Machajda jedes Jahr nach Schlunkendorf, um Stangen zu stechen oder an der Sortiermaschine den Takt vorzugeben. Das Geld, das er dabei verdient, sei inzwischen nicht mehr so wichtig. „Ich liebe Spargel. Es ist eine Super-Arbeit hier“, sagt Milan und meint das ernst. Der Pole, der vor seiner Rente eine Baubrigade führte, hat in Schlunkendorf auch etwas gefunden, was man auf deutschen Spargelfeldern nicht vermutet: Einen guten Freund, den er jedes Jahr im April wiedersieht – den Chef des Märkerland-Hofes, Bernhard Falkenthal. „Milan gehört zu denen, die früher kommen und länger bleiben“, sagt Falkenthal: „Er ist gut für die Atmosphäre im Betrieb.“ Den ruhigen, zurückhaltenden Mann hat der Chef in einer Notlage schätzen gelernt – in einer Zeit, als das Klima unter den Saisonarbeitern nicht stimmte. Auch unter Spargelstechern entwickeln sich oft Hierarchien. Damals führte auf den Märkerland-Feldern ein Mann das Kommando, „der ein Super-Arbeiter war, aber mit Menschen nicht umgehen konnte“, erzählt Falkenthal. Er fragte ihn, ob es Probleme gibt und bekam zur Antwort: „Keine Probleme.“ Dann fragte er die ganze Truppe und Milan sagte frei heraus: Der Mann, der auf den Feldern das Kommando führt, „ist ein schlechter Mensch“. Für Falkenthal war der Satz das Signal, die Dinge zu ändern. „Wir sind jetzt ein eingespieltes Team. Wir müssen morgens auch niemanden wecken. Wenn wir kommen, sind unsere Arbeiter schon wach und bei der Arbeit. Das läuft von allein.“

Manchmal, sagt der Spargelbauer, „habe ich den Eindruck, Milan versteht mich auch ohne Dolmetscher“. Inzwischen halten die Beiden auch abseits der Spargelsaison Kontakt. Milan, der zwei Kinder und zwei Enkel hat, bekommt von den Falkenthals immer zu Weihnachten ein Päckchen „mit Stollen von unserem Hausbäcker“. Wenn Milan nach Schlunkendorf kommt, bringt er Kuchen von seiner Frau mit.

Spargelhof Märkerland

Der Spargelhof Märkerland in Schlunkendorf ist 1992 gegründet worden.

Chef Bernhard Falkenthal hat schon zu DDR-Zeiten mit vier Leuten, darunter Spargelvereinschef Manfred Schmidt, das Edelgemüse angebaut – auf einer Fläche von einem halben Hektar.

Zu DDR-Zeiten, sagt Falkenthal, war Spargel nach Ost- und Westmark die dritte Währung und ein richtiger Türöffner – zum Beispiel, wenn man Fließen brauchte. „Mit Spargel konnte man damals bei der Autobestellung auch die Wartefrist aufs Auto verkürzen.“

Angefangen hat alles 1999 mit einer Zeitungsannonce: In Schlunkendorf wurden Spargelstecher gesucht. Seitdem ist der Ort ein Teil seines Lebens und Milan ein Teil des Spargelhofes. „Wenn er nicht mehr käme, würde uns etwas fehlen“, sagt Falkenthal. Die Chancen, dass Milan zur Stange hält, stehen bestens. „Sein Herz ist gut“, sagt Adam, der als Dolmetscher für Verständigung sorgt. Der Satz vom guten Herzen ist doppeldeutig gemeint: „Milan ist nie krank und Sportsmann.“ Früher war er Judoka und Langstreckenläufer. Das bekamen zwei Burschen zu spüren, die ihm das hart erarbeitete Geld stehlen wollten. „Milan saß im Zug nach Hause und hatte die Scheine, die er bei uns verdient hatte, in den Strumpf gesteckt“, so Falkenthal. Der Pole schlief ein, die jungen Männer sahen die Beule im Strumpf, nahmen bei der Ankunft am Bahnhof das Geld und liefen weg. „Sie haben nicht damit gerechnet, dass Milan so gut rennen kann“, sagt sein Freund und fügt stolz hinzu: „Er hat sie eingeholt, zu Fall gebracht und sich das Geld zurückgeholt.“

Von Jens Steglich

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