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Potsdam-Mittelmark Die Stippekohls und Süßemilchs
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Stippekohls und Süßemilchs
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15:57 27.09.2017
Jetzt ist er Ehrenmitglied: Heimatvereinsvorsitzender Peter Jaeckel (r.) überraschte Autor Frank-Jürgen Seider mit der Auszeichnung. Quelle: Jürgen Stich
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Teltow

Frank-Jürgen Seider ist ein ernsthafter Mann. Doch man kann sich leicht vorstellen, dass der Teltower Heimatforscher bei seinem Aktenstudium im Teltower Kirchenarchiv in den vergangenen acht Jahren das ein oder andere Mal lächeln musste. So lange hat die Arbeit an seinem „Familienbuch Teltow 1500 bis 1900“ gedauert und amüsiert hat sich Seider sicherlich über zum Teil kuriose Teltower Familiennamen, die er ausgegraben hat: Beutenteufel, Querhammel, Stippekohl und Süßemilch – das sind nur einige Beispiele.

Im Bürgerhaus am Altstadtmarkt haben Seider und der Teltower Heimatverein am Dienstag das Familienbuch erstmals präsentiert. „Die beiden Bände haben so viele Seiten wie die Bibel“, rechnete der Vorsitzende des Heimatvereins, Peter Jaeckel, den Gästen vor. Auf den 1276 Blättern sind nach Angaben des Autors mehr als 10 000 Namen und damit Teltower Familien verzeichnet, außerdem kommen rund 800 Orte vor, zu denen Teltow in Beziehung stand. „Das ist ein wahrer Schatz für die Stadt und ihre Geschichtsforschung“, so Jaeckel. „Das Leben, das Leiden und die Freuden der Teltower sind herauslesbar.“

Die zwei Bände des Teltower Familienbuches haben 1276 Seiten, die Bibel kommt auf 1400 Seiten. Es ist also keine Übertreibung, Seiders Werk als Teltower Familienbibel zu bezeichnen. Quelle: Jürgen Stich

Der von Jaeckel als „Schriftgelehrte“ titulierte Frank-Jürgen Seider schilderte in einem kurzen Vortrag seine Arbeitsweise. „Ich habe die Teltower Bürgerrolle, Visitationsprotokolle aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und vor allem die gut erhaltenen Kirchenbücher ausgewertet.“ Was auf den ersten Blick laut Seider wie „eine ziemlich trockene Sache“ aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen – vor allem auf die fundierten Anmerkungen – als eine Fundgrube für die Teltower Alltagsgeschichte früherer Zeiten.

Allein 500 Berufe, die es heute zum großen Teil nicht mehr gibt, lassen sich aus dem Familienbuch rekonstruieren. Das Wüten der Pest in den Jahren 1631 bis 1635 wird in seinem Schrecken deutlich. So kann Seider nachweisen, dass zum Beispiel die vielköpfige Familie des Teltower Ratsdieners Behrend durch die Krankheit „vollständig ausgerottet“ wurde.

Ein Bild aus großen Zeiten: Das Landratsamt war bis 1871 in Teltow angesiedelt. Leider klafft an dieser Stelle in der Ritterstraße jetzt eine Baulücke. Quelle: Jürgen Stich

Der gesamte Erkenntnisgewinn dieser außergewöhnlichen wissenschaftlichen Arbeit lässt sich an dieser Stelle nicht annähernd beschreiben. Interessierte Teltower können die zwei Bände aber einsehen oder käuflich erwerben, um sich darin zu vertiefen. Die Anerkennung der Stadt und ihrer Bürger ist Frank-Jürgen Seider nicht nur gewiss, sie ist bereits am Dienstag sichtbar geworden. Zur Überraschung des Autors ernannte ihn der Heimatverein zum Ehrenmitglied – unter großem Applaus nahm Frank-Jürgen Seider Blumen und Urkunde in Empfang.

Vom Familienbuch gibt es nur 50 Exemplare

Das „Familienbuch Teltow 1500 bis 1900“ erscheint in der Reihe Mitteldeutsche Ortsfamilienbücher. Herausgeberin ist die Arbeitsgemeinschaft für Mitteldeutsche Ortsfamilienbücher, Autor ist Frank-Jürgen Seider.

Einsehbar sind die beiden Bände zukünftig in der Teltower Stadtbibliothek, beim Heimatverein und im Stadtarchiv. Für 75 Euro ist das Familienbuch auch käuflich zu erwerben.

Lediglich 50 Exemplare des Familienbuchs sind gedruckt worden. Es ist also schon jetzt eine Rarität.

Von Jürgen Stich

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