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Potsdam-Mittelmark Die Unglückshäuser von Lütte
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Unglückshäuser von Lütte
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15:32 06.07.2016
Der Blick aus dem Fenster der Gruhles zeigt: hier ist Land unter, wenn es regnet Quelle: privat
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Lütte

Im Bad Belziger Ortsteil Lütte bringt Regen nicht nur Segen, sondern macht einigen Anwohnern regelmäßig schwer zu schaffen. „Bei jedem Starkregen steht bei uns das Haus unter Wasser“, sagt Karin Gruhle. Ihrer Nachbarin Marion Block geht es genauso: „Unser Grundstück wird bei jedem stärkeren Regen geflutet“, sagt Block, „ein absolut unhaltbarer Zustand.“

Beim Unwetter Ende Mai war es wieder so weit, Karin Gruhle zeigt, wie hoch am Eingang zur Fleischerei im Erdgeschoss des Hauses das Wasser stand: gute 15 Zentimeter hoch ist die dichtbare Kante, hier war Land unter. „Und natürlich nicht nur an der Tür“, sagt Gruhle, „sondern auch im Laden, im Hof, im Garten.“ Für sie und Ehemann Joachim eine Katastrophe.

Ernte zerstört, Gewächsgaus beschädigt

Die technischen Geräte der Fleischerei seien versichert, aber die Bausubstanz nimmt bei jeder neuen Überflutung Schaden. Mittlerweile sorgen die Gruhles vor, selbst gebaute Planken sollen das Schlimmste verhindern. Der Starkregen am 15. Juni konnte so weitgehend aus dem haus gehalten werden, doch eine Lösung könne das nicht sein, findet Karin Gruhle.

So hoch stand das Wasser Ende Mai Quelle: Saskia Popp

Erst im letzten Jahr wurde die gesamte Ernte im Garten zerstört, das Gewächshaus schwer beschädigt. Dazu kommen die Verunreinigungen. „Es ist ja nicht einfach nur Wasser, was da runterkommt. Sondern Dreck, Schlamm!“, sagt Karin Gruhle. Bei Nachbarin Marion Block trifft es auch den Keller. „Wenn so etwas alle paar Jahre mal passiert, ist es ein Unglück“, sagt Joachim Gruhle, „aber hier trauen wir uns am Wochenende kaum noch, mal wegzufahren, aus Angst um unser Lebenswerk.“

Dass die beiden Häuser bei jedem heftigeren Regenguss geflutet werden, ist kein Zufall. Sie liegen am tiefsten Punkt des kleinen Ortsteils. Ihnen gegenüber liegt der Achtrutenweg, der bergan zu einem Wald führt. „Bei extremen Wetterlagen kommt es vor, dass der Regen Schwemmsand und das, was so im Wald herumliegt, mitnimmt und nach unten treibt“, erklärt Christoph Grund, der Leiter der Bad Belziger Bauverwaltung.

Mitgeschwemmter Sand und Pflanzenteile sind verantwortlich für die häufigen Überschwemmungen Quelle: privat

Sand, und Pflanzenteile verstopfen die Gullys, das Wasser bahnt sich ungehindert seinen weg in Richtung der Häuser Gruohle und Block. „Man kann da richtig zugucken“, sagt Fleischer Joachim Gruhle, „wenn es anfängt stärker zu regnen, gehen die Abläufe nach und nach zu.“ Wenn man sich dann nicht beeile, stünde das Wasser schon an der Tür.

Ortsvorsteher setzt sich ein

„Da muss unbedingt eine Lösung her“, sagt Lüttes Ortsvorsteher René Zarbock. Früher habe es derartige Überschwemmungen an dieser Stelle nicht gegeben: „Seitdem die Bundesstraße, an der die betroffenen Familien wohnen, 102 neu gemacht wurde, tritt dieses Problem auf.“ Das Wasser könne seitdem nicht mehr versickern, zudem seien bestehende Ablaufbecken unterhalb des Waldes entfernt worden, als dort neue Häuser entstanden. „Wir müssen die Leute unbedingt entlasten“, fordert Ortsvorsteher Zarbock.

Was versteht man unter Starkregen?

Meteorologisch betrachtet ist Starkregen eine große Menge Regen, die in kurzer Zeit fällt. Er kann wenige Minuten, aber auch einige Stunden dauern.

Fünf Liter Wasser, die in fünf Minuten auf einen Quadratmeter Boden fallen, werden als Starkregen definiert. Wenn der Regen länger dauert, werden 17 Liter Niederschlag in der Stunde pro Quadratmeter als Starkregen definiert

Solche Wetterlagen können auch wesentlich heftiger ausfallen. Die letzten Unwetter in Bayern und Baden-Württemberg, bei denen auch Tote zu beklagen waren, sind auf Starkregen zurückzuführen.

Der Deutsche Wetterdienst informiert auf seiner Homepage www.dwd.de kurzfristig über Unwetterwarnungen in der Region. Die Warnkriterien sind mit dem Katastrophenschutz abgestimmt, die Prognosen werden durch Niederschlagsmessungen und Wetterradar gestützt.

Dafür zuständig ist die Bad Belziger Bauverwaltung. Deren Chef Christoph Grund macht den Lüttern Hoffnung. „Wir wollen noch in diesem Jahr untersuchen, wie da Abhilfe geschaffen werden kann“, sagt Grund. Vorstellbar wären neue Auffangbecken für den Schwemmsand, um den Wasserabfluss besser gewährleisten zu können. „In der Haushaltsplanung 2017 werden wir dann schon wissen, was investiert werden muss“, verspricht Grund.

Karin und Joachim Gruhle hoffen auf Hilfe. Quelle: Saskia Popp

Für Joachim und Karin Gruhle und ihre Nachbarin Marion Block ist das ein Hoffnungsschimmer. Mit selbstgebauten Planken versuchen sie, ihr Hab und gut zu schützen. Doch so lange kein neues Becken installiert ist, müssen sie vor allem auf wenig Regen hoffen – und auf freiwillige Helfer, die ihnen notfalls beim Aufräumen zur Hand gehen. „Wenn hier Unwetter ist, wird ja auch noch die Feuerwehr woanders gebraucht“, sagt Karin Gruhle, „wir sind da ziemlich auf uns allein gestellt.“

Von Saskia Popp

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