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Die Welt aus der Sicht von Werner Reister

Künstler aus Westbrandenburg Die Welt aus der Sicht von Werner Reister

Die Arbeiten des Malers Werner Reister (74) sind häufig doppeldeutig. Vor 13 Jahren hat es den Künstler aus Berlin auf das Land verschlagen, nach Baitz, wo er sich heimisch fühlt. Er hat nie aufgehört, politisch aktiv zu sein und sich zu engagieren. Das strahlen viele Arbeiten aus.

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Werner Reister (74) hat auch mit der Schmuckgestaltung noch viel zu tun.

Quelle: Andreas Koska

Baitz. Eigentlich wollte Werner Reister nicht aufs Dorf ziehen. Er stammte vom Lande und fühlte sich in der Großstadt, in Berlin-Charlottenburg, wohl. Doch seine Liebe bat darum. Und nun lebt Werner Reister seit mehr 13 Jahren in Baitz bei Brück im Hohen Fläming. Man sagt, der erste Eindruck wiegt schwer: „Wir waren im November zum ersten mal hier, da war alles so trist, allerdings sah Baitz vom Weiten sehr idyllisch und schön aus“, erinnert sich der 74-Jährige. Seine Frau wollte unbedingt aufs Land.

Sein Atelier hat er in einer ehemaligen Stallung. Hier kann er ganze Tage verbringen, so sehr fühlt er sich wohl in dieser Umgebung. Gerade ist eine neue Bilderserie entstanden. Ihr Titel: „Fabelhaft“. „Das kann man sehr positiv aussprechen, aber auch so, dass Zweifel oder gar Missmut artikuliert werden“, sagt Reister. Bei ihm eher das Zweite, denn die Serie ist eine Replik auf die Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten.

Sommeridylle am Wiesenburger Schloss

Sommeridylle am Wiesenburger Schloss: So sieht Werner Reister den bekannten Parkk.

Quelle: Andreas Koska

Reister hat ursprünglich Goldschmied, damals in Pforzheim gelernt. Da war ihm schon klar, dass er Malerei studiert. Um jedoch an der Hochschule angenommen zu werden, musste man einen Beruf haben oder eben das Abitur. Reister absolvierte sechs Semester an einer Werkkunstschule, war drei Jahre als Geselle aktiv und verdiente später sein Geld als Werbegraphiker.

Zahlreiche Ausstellungen

Mittlerweile kann Werner Reister auf sehr viele Einzelausstellungen zurück blicken.

In der Jungen Galerie in Hannover stellte er 1968 aus. Mehrere Ausstellungen bestritt er in West-Berlin, so 1972 und 1974.

Er zeigte Arbeiten etwa in Aachen (1979), Nürnberg (1980), Klagenfurt (1983) sowie Aschaffenburg (1988).

Im brasilianischen Institut in Berlin zeigte er 1997 „Sertão“ – Eine freie Betrachtung.

Im Kunstverein Hoher Fläming in Bad Belzig stellt er des Öfteren aus.

Mehr unter www.werner-reister.de

1965 ging er nach Berlin an die Hochschule der Künste in Charlottenburg. Sechs Jahre dauerte das Studium. Reister war Meisterschüler bei Gerhard Bergmann.

Mit anderen Künstlern hob Reister die KWARZ-Gruppe aus der Taufe und eröffnete in Charlottenburg am Savignyplatz eine Galerie, eine „Selbsthilfegalerie“. Es folgte eine Galerie in Steglitz und dann am Charlottenburger Klausenerplatz, wo er der K-19 Gruppe angehörte. Daneben war er viel für das Goethe-Institut unterwegs. Bereiste Brasilien, wo er Workshops gab. So in Rio de Janeiro und Salvador/Bahia. War mehrfach im Senegal, in Dakar, im indischen Kalkutta und im slowenischen Ljubliana.

Bild aus der Reihe „fabelhaft“

Bild aus der Reihe „fabelhaft“

Quelle: Andreas Koska

Überall knüpfte er Kontakte, hatte Mitstreiter für gemeinsamen Ausstellungen und Projekte. Im Jahr 1980 erhielt er den Preis des Deutschen Kunsthandwerks, denn seine handwerklichen Fähigkeiten hat er nie verloren, bis heute werden kleine Kunstobjekte geformt aber auch Ringe und Schmuck gefertigt.

Seine Gemälde und Bilder sind häufig doppeldeutig oder wie er selbst sagt von „spielerischen Witz und Stacheln der Ironie“ durchzogen. Er benutzt Mischtechniken, so dass sogar Grashalme den Weg auf die Leinwand finden. Die Themen und die Bildersprache, die Reister in den 70-er Jahren entwickelt hat, sind auch heute noch von verblüffender Aktualität. Titel wie „Mein schöner gelber Garten“, „Mein kleines Gartenhaus“ oder „Drei Tage bevor“ sind auf Bütten gemalt, täuschen Idylle vor, jedoch sind die Blumen mit Teer gemalt. „Das Kind und seine Dichter“ erinnert daran. Es ist den Poeten Lateinamerikas und Afrikas gewidmet, aber auch den Kindern, die diese nie lesen werden, weil sie keine Bildung bekommen.

„Schiff“ heißt diese Arbeit von Werner Reister

„Schiff“ heißt diese Arbeit von Werner Reister.

Quelle: Andreas Koska

Werner Reister hat nie aufgehört ein politischer Mensch zu sein. 2008 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des „Kunstvereins Hoher Fläming“ und gründete mit anderen die KHF-Galerie in Bad Belzig. Er beteiligt sich regelmäßig an Ausstellungen und lobt den freundlichen Umgang der Künstler untereinander im Hohen Fläming – jenseits des hauptstädtischen Kunstbetriebs, wo die Ateliermieten immer mehr steigen.

Eine weitere Arbeit aus der „Fabelhaft“-Reihe

Eine weitere Arbeit aus der „Fabelhaft“-Reihe.

Quelle: Andreas Koska

Über seine Art, an die Arbeit heranzugehen, sagt er: „Ich weiß nicht, was ich tue, es entwickelt sich wie von selbst.“ Er glaubt er an eine Eigendynamik der künstlerischen Arbeit, die bei ihm auch von der aktuellen politischen Ereignissen beeinflusst sein kann. Unter einigen kleinen Formaten hängen kleine Schlüssel. „Damit soll man die Bildaussage aufbrechen, um Geheimnisse zu lüften, die Bilder für sich zu öffnen, um eigene Gedanken hinein zutun oder gar die Gedanken des Künstlers heraus zu nehmen“, erklärt Reister.

Seine Söhne sind Ärzte, und Reister freut sich, dass ihm das jetzt im fortgeschrittenem Alter durchaus auch hilft. Vorerst jedoch wird er in Baitz weiter arbeiten. „Mein Vermieter ist ebenfalls Künstler, das verbindet“, glaubt er noch lange, in Baitz leben zu können.

Von Andreas Koska

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