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Potsdam-Mittelmark Die Zeit der Wunder ist vorbei
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14:42 12.09.2016
Das Akademie-Gelände in Wusterwitz steht vor einem Verkauf.  Quelle: Frank Bürstenbinder
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Wusterwitz

 Sie glauben an eine Welt, in der Zeit keine Rolle mehr spielt. Ihr Tag besteht aus Geistesübungen, Probleme sollen abfallen wie Herbstlaub von den Bäumen. Mantras mit dem Master Teacher versprechen eine Auszeit für immer. Über 15 Jahre stand die esoterische Lehre der US-Amerikanerin Helen Schucmann im Mittelpunkt der „Neuen Christlichen Akademie“ (Endeavor Academy), die ihren Sitz in einem ehemaligen Kinderferienlager in der Wusterwitzer Mühlenstraße hat. „In Gott sind alle Dinge möglich“, steht an einem Giebel zu lesen. Für die einen ist die Akademie Sitz einer Sekte, andere sprechen von einer Esoterik-Gruppe. Offiziell handelt es sich bei dem Träger um einen gemeinnützigen Verein.

Doch in letzter Zeit ist es ruhig geworden um die Jünger der „Endeavor Academy“. Das idyllisch gelegene Gelände mit den Flachbauten aus DDR-Zeiten macht einen verwaisten Eindruck. Der Parkplatz ist leer. Die allermeisten Bewohner haben den Ort mit alter Mühle, See und Spielplatz verlassen. Den Nachbarn in Wusterwitz blieb der untergehende Stern des Trainingszentrums nicht verborgen. Spekulationen kommen auf.

Wechselvolle Geschichte

Helen Schucmann (1909 – 1981) war eine US-amerikanische Psychologin, die das spirituelle Werk „Ein Kurs in Wundern“ ihren eigenen Angaben zufolge nach der Durchgabe einer inneren Stimme niederschrieb.

 Die Endeavor Academy gründete sich 1992 in den Vereinigten Staaten. Ziel der Organisation war es, die Lehren Schucmanns in Trainingszentren anzuwenden.

Das Gelände der „Neuen Christlichen Akademie“ in der Wusterwitzer Mühlenstraße geht auf ein Kinderferienlager aus DDR-Zeiten zurück, dass vom Metallurgiehandel betrieben wurde.

Nach der Wende wollte die Firma Thyssen dort ein Schulungszentrum einrichten. Dazu kam es jedoch nicht. Dafür wurde ein Hotelbetrieb eingerichtet. Im Rahmen einer Zwangsversteigerung erwarb die Akademie das Gelände 1998.

 Auf Nachfrage bestätigte die Vereinsvorsitzende, die namentlich nicht genannt werden möchte, dass sich ihre arg geschrumpfte Gemeinschaft auf einschneidende Veränderungen einstellt. „Wir stehen unmittelbar vor einem Verkauf des Geländes. Für die Akademie wird nach einem Neuanfang gesucht. Details sind noch unklar.“ Über den potenziellen Käufer, wollte sie ebenso wenig sprechen , wie über die Gründe, die zur Aufgabe der Akademie führten. Offensichtlich reichen die Eigenmittel der Jünger nicht mehr aus, um die Betriebskosten zu refinanzieren. Gerüchte über eine drohende Pleite weist die Vereinschefin zurück: „Wir sind nicht insolvent. Aber das Gelände ist für uns zu groß geworden.“

Immer weniger Anhänger

Einer, der sich hinter den Kulissen der „Neuen Christlichen Akademie“ auskennt, ist Gerhard Frank. Vor seinem Ausstieg war er lange Jahre im Vorstand der Gruppe. Ein Grund für den Niedergang des Hauses sei das Internet, meint Frank. „Die Leute brauchen nicht mehr nach Wusterwitz zu kommen. Sie klappen ihr Laptop auf. Dort finden sie Gurus rund um die Uhr.“ Mit Beiträgen und Spenden seiner Anhänger finanzierte der Verein das spirituelle Zentrum. Doch mit ausbleibenden Brüdern und Schwestern versiegte die Einnahmequelle. Fünf Jahre betrieb die Akademie in Wusterwitz ein Café, das längst geschlossen ist. Es sei nie als kommerzielles Standbein gedacht gewesen, so die Vereinsvorsitzende.

Im Amt Wusterwitz wird der Rückzug der Endeavor Academy emotionslos zur Kenntnis genommen. „Die Verwaltung hatte nie Ärger mit den Leuten. Ansonsten wissen wir gar nichts“, sagte Amtsdirektorin Gudrun Liebener der MAZ. Nur die Verkaufsabsichten waren durchgesickert. Dafür sorgte ein Österreicher. Johann Hüthmair ist Sanierungsberater aus Vöcklabruck.

Endgültige Entscheidung

 In einem Urheberrechtsstreit über das von Akademie-Vorbild Schucmann geschriebene spirituelle Buch „Ein Kurs in Wundern“ (im Original: A Course in Miracles) - die Lehrgrundlage der Wusterwitzer Jünger – half Hüthmair dem Verein mit 45 000 Euro aus. Jetzt fühlt er sich berufen, der Akademie einen eigenen Sanierungskurs aufzudrängen. Zum Beispiel durch die Aufnahme von christlichen Flüchtlingen aus Syrien. „Als Winterquartier würde das Objekt dutzenden Menschen Platz bieten und für Mieteinnahmen sorgen“, so Hüthmair. Doch die Entscheidung des Vereins ist endgültig. Es wird verkauft. An ein Wunder glaubt niemand mehr.

Von Frank Bürstenbinder

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