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Potsdam-Mittelmark Die ältesten Damen der Dorfstraße
Lokales Potsdam-Mittelmark Die ältesten Damen der Dorfstraße
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00:16 15.03.2016
Anneliese Wolter (links) und Marianne Klunter. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Woltersdorf

Ihre Beine tragen sie nicht mehr durch die Woltersdorfer Dorfstraße. Höchstens bis zur Kirche. Während Anneliese Wolter (bald 85) mit der Familie ihres jüngsten Sohnes Eckard gleich nebenan wohnt und Buch über die Ankunft der Störche führt, hat es die 86-jährige Marianne Klunter ein Stückchen weiter. Sie ist die Älteste in dieser Straße. In ihrem 1865 gebauten Elternhaus lebt sie mit ihrer Tochter Angelika Nehmer. Sohn Karl-Heinz starb 1969 bei einem Badeunfall.

Die beiden älteren Damen sind befreundet, besuchen sich aber nur noch zu Geburtstagen. Als sie jünger waren, feierten sie viel gemeinsam und spielten reihum Karten. „ Ein halbes Dutzend Ehepaare waren wir damals“, erzählen sie. Die Männer sind tot. Ingrid Hünicke, Lieselotte Klunter und Hildegard Wolter _ die Älteste vom Alten Kanal _ sind inzwischen im Heim. Einsam sind beide nicht. Sie haben ihre Kinder, Enkel, Urenkel, Kontakt zu Nachbarn. Hinzugezogenen wünscht man guten Tag und guten Weg.

Die Gemeinschaft ist nicht mehr so wie früher

„Die Alten halten zusammen, aber die Dorfgemeinschaft ist nicht mehr so wie früher“, bedauern sie ein bisschen. „Die Frauen plauschten nach Feierabend auf dem Tritt, die Männer tranken ein Bierchen.“ Es gab einen Gemischten Chor, der in den 80er Jahren einschlief, die Feuerwehr schon eher. Das Dorfstraßenfest, das letzten Sommer ausgefallen ist, sollte erhalten bleiben, wünschen sie sich.

Anneliese Wolter und Marianne Klunter sind in der Kirche, gehen aber nur noch an großen Feiertagen zur Andacht. Die 2011 sanierte Dorfkirche finden sie schön. „Vorigen Herbst wurde die Apsis noch mal gestrichen“, berichten sie. „Wenn man den Turm von Weitem leuchten sieht, weiß man, dass man zu Hause ist.“ 1977 sollte das baufällige Gotteshaus abgerissen werden, was die Kirchenältesten durch Eigeninitiative verhinderten. Ihre Männer gehörten dazu.

Mit der Landwirtschaft aufgewachsen

Beide Frauen sind mit der Landwirtschaft aufgewachsen. Ihre Eltern und die ihrer Männer hatten Höfe. Während Marianne und ihr Karl vis- à- vis wohnten und im Dorf zur Schule gingen, heiratete die aus Knoblauch stammende Anneliese 1955 in Woltersdorf ein. Als später alle Bauern in die LPG mussten, gingen die Frauen mit und blieben bis zur Rente, die mit der Wende zusammenfiel. Anneliese war im Feldbau und ihr Gerhard als Brigadier der Pflanzenproduktion ihr Chef. Marianne arbeitete im Schweinestall. Inzwischen ist die leer stehende Anlage an der B 1 dem langsamen Verfall preisgegeben. „Ich war nie wieder da.“

Einen traurigen Anblick bietet in Richtung Wusterwitz auch das „Wolters Inn“, das nach der Wende von einem Berliner als Pub betrieben wurde. „Wem es gehört, wissen wir nicht.“ Früher war es die Gaststätte von Wilhelm Wolter. „Der Bruder des Großvaters meines Mannes“, erklärt Anneliese. Nach dem Krieg bis in die 50er Jahre habe sie das Ehepaar Wenzlau geführt. Zu DDR-Zeiten war ein Ferienlager drin, später konnte im Saal gefeiert werden. „Wir hatten dort unsere Silberhochzeit“, erzählt Marianne Klunter. Wenn sie heute Geselligkeit sucht, geht sie zum Kaffeenachmittag der Volkssolidarität. Das jetzige Dorfgemeinschaftshaus wurde 1936 als Gerätehaus gebaut als ihr Vater Franz Thiele Feuerwehrhauptmann und Bürgermeister war. „Er wurde 1945 von den Russen abgeholt und starb im Lager in Buchenwald“, sagt sie.

„Hier sind wir verwurzelt“

Nach der Aufgabe der HO hat sich nach der Wende am anderen Ende ihrer Straße Norma angesiedelt. Vier neue Doppelhäuser stehen im Heideweg. Die großartigen Pläne eines Investors für einen Wohnpark an der B 1 blieben ein Luftschloss. Im Rahmen der Dorferneuerung sind die Dorfstraße und die am Alten Kanal neu gepflastert und vorher alle Medien hineingelegt worden. „Als wir noch Kopfsteinpflaster und einen sandigen Pferdeweg hatten, wurde der jedes Wochenende geharkt“, erzählen Marianne Klunter und Anneliese Wolter. Beide wollen in dem 369 Seelen zählenden Bensdorfer Ortsteil wohnen bleiben solange es geht. „Es lebt sich schön in Woltersdorf“, sagen sie. „Hier sind wir verwurzelt.“

Von Claudia Nack

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