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Die alte „Kö“ darf wieder rattern

Bad Belziger Eisenbahnfreunde Die alte „Kö“ darf wieder rattern

Beinahe wäre die Fahrt mit dem lokomotiven Oldtimer zum Seddiner Bahnhofsfest geplatzt. Unbekannte hatten mit Steinen die Scheiben eingeworfen und den Blick nach vorn getrübt. Denn Ersatzteile gibt es für betagte Lok keine mehr. Nun fanden sie nicht nur unerwartete, sondern auch großzügige Hilfe.

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Quelle: U. Klemens

Bad Belzig. Welcher Knabe hätte nicht irgendwann einmal davon geträumt, aus der Frontscheibe einer Lokomotive zu schauen oder auf ähnliche Weise beruflich mit der Eisenbahn zu tun zu haben? Das Gros der Mitglieder der Eisenbahnfreunde Hoher Fläming hat sich diesen Traum erfüllt. Sieben der derzeit acht Vereinsmitglieder sind oder waren Eisenbahner. Vier davon sitzen als Lokführer täglich in der ersten Reihe.

Wochenlang war die Sicht nach vorn getrübt. Unbekannte hatten im Frühjahr mit Steinen die Scheiben ihrer heiß geliebten „Kö“ eingeworfen – einer schwarz-rot lackierten Kleinlok aus dem Baujahr 1934. So klein die Lok, so groß waren Ärger und Wut und die Sorge, ab die betagte Dame bis zum kommenden Wochenende wieder fahrtauglich werden würde. Denn die Eisenbahnfreunde sind eingeladen, mit ein paar Fahrzeugen aus ihrem Bestand am kommenden Sonnabend beim Familienfest auf dem Rangierbahnhof Seddin mit dabei zu sein. Alle Eisenbahner, die hier arbeiten oder einmal gearbeitet haben, sind mit ihren Familien dorthin eingeladen.

Seh’n  nicht nur aus wie neu, sondern sind es auch

Seh’n nicht nur aus wie neu, sondern sind es auch: Die handgefertigten Scheiben im lokomotiven Oldtimer.

Quelle: Uwe Klemens

Mit schwerem Gerät Getriebe, Fahrgestelle und Aufbauten in Stand zu setzen, hat die Eisenbahnfreunde noch nie geschreckt. Aber Sicherheitsglas sachgerecht einzubauen? „Einbauen an sich wäre vielleicht noch gegangen, aber originale Scheiben für diese Baureihe waren einfach nirgendwo mehr aufzutreiben“, sagt Vereinschef Frank Wieland. Nun war guter Rat teuer.

In der Bad Belziger Glaserei Gauruhn GmbH, stießen sie nicht nur auf die versierten Hände von Glasermeister Jörg Gauruhn, sondern letztlich auch auf einen Lehrmeister und Sponsor. Die ersten, von Gauruhn angefertigten Scheiben gingen beim Einbauversuch zu Bruch. Warum, fand der Fachmann schnell heraus. „Für das Anfertigen von Scheiben aus Sicherheitsglas muss vorher ein exaktes Modell aus Pappe anfertigt werden. Wird beim Modell nicht millimetergenau gearbeitet, bekommen sie die Scheibe hinterher auch nicht rein.“

Freie Fahrt voraus

Freie Fahrt voraus. Frank Wieland im Führerstand der alten Lok.

Quelle: Uwe Klemens

Auch Hobby-Glaser müssen eben Lehrgeld zahlen. Die zweiten Modelle waren exakt und nach einem Einbaugrundlehrgang bei Jörg Gauruhn saßen die beiden Frontscheiben wieder perfekt. Beim Bezahlen winkte Jörg Gauruhn ab. Zusammen mit seiner Geschäftsführerin war er sich einig: „Wenn ein so kleiner Verein so viel Pech hat, dann muss man ihm ein bisschen unter die Arme greifen.“ Sechs Stunden hatte er alleine schon für das Herstellen der beiden Frontscheiben benötigt. „Handwerklich schwierig ist das nicht, aber Sicherheitsglas muss von beiden Seiten geschnitten und geschliffen werden, was besonders bei runden ’Ecken’ eben sehr zeitaufwendig, ist.“ Mit ungetrübtem Blick kann’s nun am Sonnabend mit der Kö nach Seddin gehen.

Von Uwe Klemens

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