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Die kalte Sophie macht Bauern nicht heiß

Landwirtschaft Die kalte Sophie macht Bauern nicht heiß

Die Eisheiligen beginnen am heutigen 11. Mai. Mancher Landwirt kann die kalte Sophie und die anderen vier Eisheiligen noch beim Namen nennen. Wie stellen sich die Bauern und Kleingärtner in Bad Belzig auf die Zeit mit möglichen Nachtfrösten ein?

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Mit Ive auf dem Beifahrersitz fährt Herbert Grüneberg auf den Acker. Der Landwirt schaut zuversichtlich auf die kommende Ernte.

Quelle: Christiane Sommer

Lütte. „Kartoffeln lege ich nie vor dem 1. Mai“, sagt Herbert Grüneberg (68) aus Bad Belzigs Ortsteil Lütte. In diesem Jahr hat er die Knollen erst am 6. Mai gelegt. Angst, dass die ersten Keime dann noch den Eisheiligen zum Opfer fallen könnten, hat er nicht. „Nur wer sie früher legt muss damit rechnen, dass sie erfrieren“, sagt der 68-Jährige. „Darauf hat schon mein Vater geachtet. Weil man die Spätfröste nicht unterschätzen darf. Auch nicht in diesem Jahr, wo der April bereits für einen Kälteeinbruch sorgte.“

Die Spätfröste nennt er beim Namen. Es sind Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie - besser bekannt als „die Eisheiligen“. In alten Kalendern sind die frostigen fünf jeweils noch vom 11. bis 15. Mai ausgewiesen - obwohl sie seit Einführung des gregorianischen Kalenders in der Mitte des 16. Jahrhunderts erst etwa zehn Tage später, also zwischen dem 21. und 25. Mai, auftreten können.

Bauernregeln für die zwölf Monate

Die alten Bauernregeln entstanden bereits vor Jahrhunderten. Grundlage waren Wetter- und Tierbeobachtungen.

Januar: Januar muss vor Kälte knacken, wenn die Ernte gut soll sacken.

Februar: Wenn im Februar die Mücken schwärmen, muss man im März die Ohren wärmen.

März: Legst du mich (Kartoffel) im März, treibst du mit mir Scherz; Legst du mich im April, komm ich, wann ich will.

April: Wer an Christian (3.) säet Lein, bringt schönen Flachs in seinen Schrein.

Mai: Wer seine Schafe schert vor Bonifaz, dem ist die Woll lieber als das Schaf.

Juni: Wenn der Kuckuck noch lag nach Johanni (24.) schreit, ruft er Misswachs und teure Zeit.

Juli: Regen am Margaretentage (13.), ist Wochen Regenplage.

August: Hitze um St. Domenicus (4.), ein strenger Winter kommen muss.

September: Septemberregen kommt Bauer und Winzer gelegen.

Oktober: Ist im Herbst das Wetter hell, so bringt er Wind und Winter schnell.

November: Wenn die Gänse zu Martini (11.) auf dem Eise stehn, müssen sie zu Weihnachten im Kote gehn.

Dezember: Weihnacht im Schnee, Ostern im Klee.

Ob uns die Eisheiligen auch in diesem Jahr noch bevorstehen? Grüneberg zuckt die Schultern und hat eine alte Bauernregel parat: „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bis Sophie vorüber ist.“ Bis seine Kartoffel keimen, dürfte die Gefahr gebannt sein. „An den alten Wetterregeln ist etwas wahres dran. Aber sie passen irgendwie nicht mehr so wie früher.“ Grund dafür ist nach seiner Ansicht der fortschreitende Klimawandel, der auch in hiesigen Gefilden mit Starkregenereignissen, langen Trockenperioden und schweren Stürmen einen Vorgeschmack auf noch schwerere Wetterunbilden gegeben hat.

Für den Wonnemonat Mai hofft Herbert Grüneberg auf milde Temperaturen mit sanften Regenschauern. Ideal in der Zusammensetzung, wie sie die diese alte Wetterregel benennt: „Maimond nicht zu kühl und nicht zu nass, füllt dem Bauer Scheu’n und Fass.“

Die kalten Nächte und die Trockenheit im April

„Die Scheune muss ja nicht gleich voll werden, aber die Kartoffeln sollten über den Winter reichen“, sagt Grüneberg und lacht. Die kalten Nächte und die Trockenheit im April haben auch den Wachstumsschub des Wiesengrases ausgehebelt. Dabei wird gewöhnlich schon im Juni die erste Grasmahd erledigt, um bald darauf Heu einzufahren.

Schon hat er die nächste Wetterregel parat: „Trockener April ist nicht des Bauern Will. Aprilregen kommt ihm gelegen.“ Er hofft für den weiteren Jahreslauf auf wenig Wetterkapriolen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass der April schon einmal so viele Tage mit Bodenfrost hatte“, bemerkt Grüneberg und widmet sich danach wieder den Kartoffeln.

Junge Pflanzen gerettet

Auch erfahrene Kleingärtner haben den kalten Aprilnächten Tribut zahlen müssen und machen keinen Hehl daraus, dass sie den Eisheiligen respektvoll entgegen sehen. Im Kleingartenverein „Erholung“ in Bad Belzig setzten eine ganze Reihe von Gartenfreunden unter anderem auf Teelichter in den Gewächshäusern. Einigen gelang es die junge Pflanzen vor der Kälte zu schützen, anderen nicht.

Mit Blick auf die Obstgehölze sagt Udo Franke, der kurzem Leiter Gartenvorstandes: „Die Süßkirschen sind fast vollkommen erfroren. Streckenweise auch die Sauerkirschen.“ Dass die Blüte von Pfirsich-, Apfel- und Birnenbäumen keinen Schaden nahm, sieht er als kleinen Trost für die Gartenfreunde.

Von Christiane Sommer

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