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Potsdam-Mittelmark Die schweren Feiertage in der Psychiatrie
Lokales Potsdam-Mittelmark Die schweren Feiertage in der Psychiatrie
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18:02 23.12.2015
Die Kunsttherapie beschäftigt sich mit den Feiertagen. Quelle: Saskia Popp
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„Ich muss an Weihnachten nach Hause,“ sagt Daniela Färber*. Glücklich klingt sie dabei nicht. Die zarte Frau mit dem strengen Pferdeschwanz hat in der Kunsttherapie der Psychiatrie des Johanniter-Krankenhauses Treuenbrietzen ein Bild gemalt, das ihre Emotionen einfängt. Es zeigt einen clownesken Weihnachtsmann, umgeben von Geschenken. „Seine Mütze erinnert an eine sich verneigende Frau“, sagt Färber, „sie scheint laufen zu wollen, aber sie wird doch auf die Nase fallen.“

Daniela Färber ist wegen einer psychischen Erkrankung in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in stationärer Behandlung. „Weihnachten ist für unsere Patienten eine schwere Zeit“, sagt Chefarzt Christopher Rommel, „die Tage sind mit Vorstellungen verknüpft, die nur selten zu erfüllen sind. Psychisch Kranke sind sehr sensibel und zudem weniger bereit, sich selbst und andere zu belügen.“

Rund die Hälfte der Psychiatrie-Patienten wird einen Teil der Feiertage außerhalb der Klinik verbringen. „Die einen möchten nach Hause, der Rest fragt, ob er nicht hier bleiben dürfe“, so Oberarzt Jochen Schwarzkopf. Die Ärzte entscheiden dann gemeinsam mit den Patienten, welches Vorgehen das beste ist. „Es gibt Lebensverhältnisse, in die wir während der Behandlung nur sehr ungern jemanden entlassen“, erklärt der Oberarzt, „aber grundsätzlich ist der Kontakt zu den häuslichen, privaten Umständen sehr wichtig, wir wollen ja eine Integration in das normale Leben erreichen.“

Mehr als eine Nacht am Stück dürfen die stationär aufgenommenen Patienten die Klinik allerdings nicht verlassen. „Diese emotionale Zeit muss sorgsam vor- und nachbereitet werden, um ungünstige Auswirkungen zu vermeiden“, so Chefarzt Christopher Rommel.

Psychiatrie Treuenbrietzen

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ist Teil des Johanniter-Krankenhauses Treuenbrietzen.

Sie verfügt über 60 stationäre Behandlungsplätze, zudem gibt es insgesamt 42 tagesklinische Behandlungsplätze an verschiedenen Standorten.

Behandelt werden Patienten mit Psychosen, neurotischen Fehlentwicklungen, Essstörungen, Depressionen, körperlichen Erschöpfungszuständen, Suchterkrankungen, seelischen Störungen und akuten Belastungskrisen.

Die durchschnittliche Dauer der stationären Behandlung beträgt in der Treuenbrietzener Psychiatrie 22 Tage.

Die Krankheitsbilder sind keine Seltenheit: im Jahr 2012 wurden mehr als 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert.

Sie bilden damit die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen.

Der Platz in der Kunsttherapie neben Daniela Färber gehört Silke Pecht. Die Mutter dreier erwachsener Töchter ist erst seit wenigen Tagen in der Klinik, ob sie Weihnachten mit ihrer Familie feiert, hat sie noch nicht entschieden. „Da stehe ich dann den ganzen Tag in der Küche und alle anderen haben es gemütlich und stellen Ansprüche an mich“, so Pecht, „das ist mir ehrlich gesagt zu viel.“

„Innerhalb der Klinik organisiert das Pflegepersonal kleine Weihnachtsfeiern für die Patienten“, sagt Christopher Rommel. Auf den Stationen finden sich die verschiedensten Krankheitsbilder. „Von Suchterkrankungen über Psychosen, Demenz, Depressionen und Anpassungsstörungen haben wir hier alles im Haus“, so Rommel. Eine Zunahme der Einweisungen vor allem älterer Patienten über die Feiertage, wie sie in vielen Krankenhäusern bekannt sind, erlebt das medizinische Personal der Psychiatrie dabei nicht. „Wir kennen Fälle, in denen Angehörige ins Krankenhaus abgeschoben werden, leider auch“, sagt der Chefarzt, „aber hier ist das sehr selten.“ Gerade auf dem Land beobachtet Rommel viel mehr, dass demenzkranke Angehörige über lange Zeiträume liebevoll von ihren Familien gepflegt werden.

„Es gibt eine deutlich erhöhte Anspannung vor den Feiertagen“, beschreibt Doris Wrobel die Stimmung in der Klinik. „Die Besuche sind sehr anstrengend“, so die Kunsttherapeutin. Mit der Therapiegruppe hat Wrobel einen Weihnachtsbaum erstellt, auf dem Weihnachtskugeln stehen die Wünsche der Patienten. „Mit meiner Mutter reden können“, steht auf einer der Kugeln, „nie wieder Treuenbrietzen“ auf einer zweiten. Auf der Kugel, die im Zentrum des Baumes befestigt ist, steht nur ein einziges Wort: „Gesundheit.“

Von Saskia Popp

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