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Potsdam-Mittelmark Die vergessenen Sturmopfer
Lokales Potsdam-Mittelmark Die vergessenen Sturmopfer
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10:21 11.10.2017
Matthias Esselbach an einem abgeknickten Baum, der die oberirdische Telefonleitung heruntergerissen hat. Mit seinem Laptop muss er nach Wilhelmshorst, um E-Mails zu versenden. Quelle: Jens Steglich
Langerwisch

Wer Matthias Esselbach erreichen will, hat nur eine Chance: Er muss sich ins Auto setzen und zu ihm in den Tannenhof fahren. In die abgelegene Siedlung, die zu Langerwisch gehört, gelangt man nur noch auf herkömmliche Weise über tief ausgefahrene Waldwege. Die Telefon- und Internetverbindungen sind hingegen seit sechs Tagen gekappt. Eine Kommunikation mit der Außenwelt ist nahezu unmöglich.

Im Tannenhof fühlen sie sich wie die vergessenen Opfer von Sturm Xavier, die offenbar niemand auf dem Schirm hat. „Es ist der sechste Tag, an dem nichts passiert und wir keine Informationen bekommen, wie es weiter geht“, sagt Esselbach und fügt hinzu: „Wir sind kein weißer Fleck, sondern ein großes schwarzes Loch – es gibt uns nicht mehr.“ Er musste am Dienstag nach Wilhelmshorst fahren, um per Handy so etwas wie einen Notruf an die MAZ absetzen und damit auf die prekäre Situation aufmerksam machen zu können. Bei seinem Internet-Anbieter DNS-Net hatte er zuvor keinen Erfolg. Dort verwies man auf die Telekom, der die Oberleitungen gehören, die durch einen Wald in Richtung Tannenhof führen oder besser: geführt haben. „Weil ich kein Telekom-Kunde bin, kann ich auch keine Störung bei der Telekom melden“, sagt er.

Sturm Xavier hatte im Wald rund um die Tannenhof-Siedlung reihenweise Bäume umgeknickt, einige fielen auf die Telefonleitungen und rissen sie auf einer Länge von mindestens 100  Metern herunter. „Wir haben hier auch ältere Menschen, die im Ernstfall nicht einmal mehr einen Notruf absetzen können“, sagt Esselbach. Etwa 47 Leute leben in der Siedlung. Auch die Straße Im Gehege in Langerwisch ist betroffen. Insgesamt sind es etwa 60 Menschen, schätzt Esselbach, der auch mit dem Handy nicht mehr telefonieren kann. Das liegt nicht an Sturm Xavier. „Früher“, sagt er, „hatte ich als E-Plus-Kunde das beste Netz“. E-Plus gehört inzwischen zu O2 – seit dem Frühjahr 2017 sei das Mobilfunk-Netz im Tannenhof deutlich schlechter geworden, so Esselbach. An den meisten Stellen reiche das Netz nicht mehr zum Telefonieren. Nach dem Sturm ist auch seine Festnetz- und die Internet-Leitung tot. „Für mich ist die Situation existenzgefährdend“, sagt er. Esselbach ist selbstständiger Mediengestalter, stellt etwa Druckvorlagen für Bücher, Broschüren und Kataloge her und wartet und erstellt Webseiten. Er hat zum Beispiel auch die Chronik von Borkwalde gestaltet, ein aufwendiges 360-Seiten-Werk. „Jeder Tag ohne Telefon und ohne Internet ist ein Tag ohne Verdienst, an dem mir Aufträge verloren gehen, weil ich für Kunden nicht erreichbar bin“, sagt er. Und: „Wir sind hier im Tannenhof schon schlecht versorgt, und das bisschen, was bisher ankam, fehlt jetzt auch noch.“

Die Deutsche Telekom teilte gestern auf Anfrage mit, dass die Techniker des Unternehmens in der Region in der Tat noch mit den Sturmschäden zu kämpfen haben. Sie arbeiten unter anderem – auch mit Feuerwehren vor Ort – daran, „den Zugang zu den oberirdischen Leitungen zu bekommen, um diese schnellstmöglich zu entstören“. Konkretere Angaben zur Lage in der Tannenhof-Siedlung waren am Dienstag nicht zu erhalten.

Von Jens Steglich

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