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Diskussion: So hat der Krieg Leben verändert

Bad Belzig Diskussion: So hat der Krieg Leben verändert

Doris Schmidt aus Bad Belzig hat ihren Vater durch den zweiten Weltkrieg verloren. Alles was von ihm blieb, sind Erinnerungen, ein paar Bilder und wenige Briefe. Lange hatte sie auf seine Rückkehr gehofft, richtige Gewissheit über sein Ableben gab es nie. Wenn am Mittwoch im Bad Belziger Hofgarten-Kino ein Film über Frauen wie Doris läuft, wird sie dabei sein.

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Fotos, Dokumente und Erinnerungen sind alles, was vom Vater der Bad Belzigerin Doris Schmidt blieb.

Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. Die 79-jährige Doris Schmidt ist kriegsbedingt ohne ihren Vater aufgewachsen - wie viele Frauen in ihrem Alter. „Ein Jahr vor meiner Einschulung wurde er eingezogen“, erzählt die Ruheständlerin. Der Dokumentarfilm „Töchter ohne Väter“, der am 28. Juni 2017 im Bad Belziger „Hofgarten“ Kino läuft, berichtet über das Leben von Frauen wie Doris Schmidt.

Neun Protagonistinnen hat Regisseur Andreas Fischer für den Film mit der Kamera besucht. Als oft einzige Erinnerung an den ihnen fremd gebliebenen Mann hüten sie vergilbte Fotografien. Die Väter starben an der Front, in der Kriegsgefangenschaft oder gelten seit Kriegstagen als vermisst. Die Leben der Töchter, die kurz vor oder während des Krieges geboren wurden, sind vom Verlust geprägt – bis zum heutigen Tag. Im Film sprechen sie über Gedanken, Gefühle und Erfahrungen.

Doris Schmidt aus Bad Belzig hat den Kinotermin bereits in ihrem Kalender vermerkt. Den Film möchte sie unbedingt ansehen. Die Feldpostbriefe und wenigen Fotografien, die sie von ihrem Vater besitzt, hat sie zwischenzeitlich wieder herausgekramt. „Hier, dass ist er.“ Die 79-Jährige zeigt mit dem Finger auf einen jungen Mann in Uniform. „Es ist das letzte Bild, dass ihn lebend zeigt.“

Noch während des Zweiten Weltkrieges in Gefangenschaft geraten, nährte sich nach Kriegsende in ihrer Familie die Hoffnung, dass er bald nach Hause käme. Als der Vater ihrer besten Freundin aus der Gefangenschaft entlassen wird, teilt sie mit ihr dieses Glück. „Er wurde später ein väterlicher Freund für mich“, blickt Doris Schmidt zurück. 1947 gab es für sie die Hiobsbotschaft: ihr Vater war in ein Arbeitslager nach Russland gekommen. Seine knappen Nachrichten hören bald vollkommen auf.

„Töchter ohne Väter“

Die Sonderveranstaltung „Töchter ohne Väter“ findet am 28. Juni 2017 um 14 Uhr im Hofgarten Kino Bad Belzig statt.

Der Film dokumentiert das Leben verschiedener Frauen, die ihre Väter im Krieg verloren haben.

Im Anschluss ist eine Gesprächsrunde mit Filmemacher Andreas Fischer geplant, die bei Kaffee und Kuchen ausklingen soll.

Die Veranstalter bitten um telefonische Ticketreservierung für den Film und um Anmeldung zur Kaffeetafel bis zum 26. Juni 2017 unter Kino „Hofgarten“ Telefon 033841/380888 (täglich ab 15 Uhr).

Doch ihre Mutter lässt nichts unversucht, etwas über seinen Verbleib herauszubekommen. Später erfährt sie, dass er aus dem Arbeitslager in ein Lazarett kam, wo sich seine Spur verliert. Anfang der 1950er Jahre erhält die Familie die Nachricht, dass der Vater dort gestorben sein könnte. „Gewissheit gab es jedoch nie“, bemerkt Doris Schmidt.

Immer wieder wurde die heutige Seniorin mit ihrem Vater verglichen. Sie sei wie er. Aber wie war er? „In meiner Erinnerung war er immer lustig.“ Freude am Singen, Malen und Theaterspielen hatte er. Ein künstlerischer Typ. Oft malte sich Doris in der Schule aus, dass er ihr hätte helfen können, als sie etwas nicht konnte. „Das hätte er sicher getan“, sagt sie und blickt noch einmal auf das Foto. Dann legt sie die Erinnerungen an den ihr fremd gewordenen Mann, der eigentlich ihr Vater ist, wieder zur Seite.

Die Filmankündigung in Bad Belzig hat sie emotional aufgewühlt. Deshalb wird Doris Schmidt nicht nur den 90-minütigen Dokumentationsfilm ansehen, sondern sich auch an der sich anschließenden Gesprächsrunde mit Regisseur Andreas Fischer beteiligen – im Austausch über Erinnerungen und Verlust.

Von Christiane Sommer

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