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Drahtziehereien rücken enger zusammen

Wiesenburg und Brielow Drahtziehereien rücken enger zusammen

Die Isaf-Gruppe fasst ihre märkischen Drahtziehereien neuerdings unter Leitung von Axel Schmidtbauer zusammen. Die Produktion selbst bleibt von den Veränderungen unberührt. Doch während Wiesenburg/Mark die Altlastenproblematik vom Unternehmen fernhält, fasst es seinen Sitz in Brielow zusammen. Dort wird Gewerbesteuer entrichtet.

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Produktion in der Wiesenburger Drahtzieherei: Reinhold Huhnstock an der Umspulmaschine.

Quelle: René Gaffron

Wiesenburg. Mit freilich nicht so leicht realisierbaren Innovationen bei den Produkten und Investitionen in die seit über 20 Jahren bestehende Technik wird die Zukunft der Drahtzieherei entschieden. Das sagt Axel Schmidtbauer. Der Werkschef sieht den Standort kurz- bis mittelfristig – überschaubar sind seinen Worten zufolge fünf Jahre – gesichert. Nicht mehr und nicht weniger.

Aktuell ist es vor allem die Gemeinde Wiesenburg/Mark, die Verzicht übt und so knapp 50 Arbeitsplätze stabilisiert. Selbst verzichtet die Kommune auf ihre Gewerbesteuereinnahmen. Denn die zum Air-Liquide-Konzern gehörende Isaf-Gruppe hat den Betriebssitz für ihre beiden – nach Mitarbeiterzahl und Absatz etwa gleich großen – märkischen Niederlassungen neuerdings in Brielow zusammengefasst.

Mithin gibt es ausschließlich noch eine gemeinsame Leitung und Verwaltung. Mit Dietmar Neubert wird demnächst das letzte Urgestein aus der Wiesenburger Betriebsspitze in den Ruhestand wechseln. Aus der „Perle des Flämings“ bleibt vorerst lediglich die blau-gelbe Marke „DZW“ etabliert. Denn dass seit sechs Jahrzehnten Qualitätsware erzeugt wird, steht bei den Nutzern des Schweißdrahtes im In- und Ausland außer Frage.

Ausschlaggebend dafür, dass der Sitz in Brielow gewählt wurde, sind demnach die dort geklärten Besitzverhältnisse. Denn das hiesige Areal ist nicht Eigentum des Unternehmens. Grundsätzlich hatte es jahrelang die Absicht, Grund und Boden zu erwerben. Allerdings lediglich unter der Bedingung, dass es von der Verantwortung für die Altlastenproblematik befreit wird. Unter anderem die unsachgemäße Verwendung von Kupfersulfat zu DDR-Zeiten ist für das Erdreich wohl nicht folgenlos geblieben. Aktuell geht davon keine Gefahr aus und das Risiko gilt als überschaubar.

Ursprung als Nagelhersteller

Der Ursprung der Drahtzieherei Wiesenburg geht auf eine Nagelproduktion der Familie Graap in den 50er-Jahren zurück.

1958 erfolgte die Verstaatlichung. Erst gehörte das Unternehmen zum Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf, dann zum Draht- und Seilwerk Rothenburg (Sachsen-Anhalt) im Qualitäts- und Edelstahl-Kombinat Brandenburg/Havel.

In den 80er-Jahren wurden 360 Mitarbeiter gezählt, die 23 000 Tonnen Schweißdraht (auch für das nichtsozialistische Ausland) herstellten, dazu Konsumgüter wie Maschendrahtzäune, Gartenstühle etc.

Nach der politischen Wende erfolgte 1993 die Reprivatisierung. Von den seinerzeit erfolgten Investitionen unter Geschäftsführung von Uwe Graap profitiert das Unternehmen bis heute.

Infolge einer Insolvenz hat die italienische Isaf-Gruppe 1998 die Traditionsfirma übernommen.

Aktuell werden 46 Beschäftigte gezählt, die im 2-Schicht-System etwa 50 Tonnen pro Tag herstellen.

So jedenfalls die Erkenntnisse der Gemeinde Wiesenburg/Mark. Sie hat die seit der Insolvenz 1998 vom Sequestor verwalteten Flächen erworben, einer eigens dafür vor drei Jahren gegründeten Wirtschaftsfördergesellschaft übertragen, die sie verpachtet, so dass der Nutzer keine Haftung auf Dauer fürchten muss. Axel Schmidtbauer weiß das zu schätzen. „Die Zusammenarbeit funktioniert ausgezeichnet“, sagt er und räumt ein. „In Brielow weiß ich nicht einmal, wer Bürgermeister ist.“

Derweil gilt es im Wettbewerb auf dem Weltmarkt zu bestehen, wie Axel Schmidtbauer bei einem Besuch von Vertretern der Industrie- und Handelskammer Potsdam dieser Tage deutlich gemacht hat. Preisdruck aus Fernost hier und Zertifizierungsansprüche da geben den Rahmen vor, während am Verfahren – Trockenzug in Wiesenburg; Nasszug in Brielow – wenig zu verändern ist, so der Betriebschef. Wie er berichtet, hätte es einige Tests mit verschieden beschichteten Drähten gegeben, die aber noch keine Marktreife erlangt haben.

Immerhin: Nicht zuletzt dank eines vergleichsweise guten Stundenlohnes gibt es wohl keinen Arbeitskräftemangel. In der Regel werden Neulinge jedoch als Quereinsteiger angelernt, obwohl es – neu seit zwei Jahren – wieder den Lehrberuf des Drahtziehers gibt.

Von René Gaffron

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