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„Drei Schwestern“ auf dem Traktoranhänger

Lehnschulzenbühne Viesen „Drei Schwestern“ auf dem Traktoranhänger

Nach neun Jahren endet in dieser Saison das Theaterspektakel auf dem Lehnschulzenhof in Viesen (Potsdam-Mittelmark). Am Donnerstagabend feierte Tschechows „Drei Schwestern“ Premiere und damit wieder ein klassisches Theaterstück, modern entkernt.

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Die Schauspielerinnen Elena Pilar Nyffeler, Lisa Hofer und Anna Eger spielen die Schwestern in Tschechows Drama.

Quelle: Mathias Rümmler.

Viesen. Was für eine Aufregung unterm Scheunendach. Es dauerte lange, bis in dem Theatersaal in der Scheune auf dem Lehnschulzenhof in Viesen Ruhe einkehrte. Aber irgendwann war das aufgeregte Zwitschern der Vögel, die in einer Nische des Dachstuhls hoch über den Köpfen der Zuschauer nisten, verstummt.

Das Ambiente ist typisch für die Aufführungen der Lehnschulzenhofbühne. In der Theatersaal-Scheune ist es staubig, es riecht würzig nach Heu. Und es ist Theaterfrühling, zum neunten und leider zum letzten Mal. Die Besucher am Donnerstagabend erlebten die Premiere des Stückes „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow in einer Bearbeitung von Jens Bluhm, der auch Regie geführt hat.

Es ist sozusagen eine „Spezialität“ der Lehnschulzenhofbühne, klassische Stücke auf ihre Kernaussage zu reduzieren und mit ganz wenigen Schauspielern mitreißendes Theater zu präsentieren. „Der zerbrochene Krug“ im vergangenen Jahr, „Der Kirschgarten“, der sogar in zwei Spielzeiten gezeigt wurde. Und ganz und gar unvergleichlich und unvergesslich: „Jedermann“. Die Lehnschulzenhofbühne hat also mehrfach und erfolgreich bewiesen, dass man Stücke entkernen kann und dass das Ergebnis ein beeindruckendes Theatererlebnis sein kann.

Drei Schwestern

„Drei Schwestern“ von Anton Tschechow (1860-1904) feierte im Jahre 1901 in Moskau Premiere.

Verfasst hat Tschechow das Stück auf der Krim-Halbinsel, wohin er wegen seiner Tuberkulose gezogen war.

Er fühlte sich damals isoliert vom künstlerischen Leben der Metropolen. Auch die drei Schwestern in dem Stück vermissen ihr aufregendes Leben in Moskau.

Der 9. Viesener Theaterfrühling endet am 25. Juni. Kartenvorverkauf in der MAZ-Ticketeria in der Sankt-Annen-Galerie in Brandenburg und in der Touristen-Information des Amtes Wusterwitz.

Weitere Infos unter www.lehnschulzenhofbuehne.de

Die Zuschauer am Donnerstagabend erlebten solide Schauspielkunst von Elena Pilar Nyffeler (Irina/Leutnant), Lisa Hofer (Mascha/Soldat) und Anna Eger (Olga/Arzt). Doch ihr Spiel zündete nicht. Der Funke sprang nicht über. Das war auch gar nicht möglich. Denn Tschechow hat sein Stück so angelegt, dass die Dialoge keinen Höhepunkt erreichen. Es handelt sich eher um Monologe, die keine neuen Erkenntnisse vermitteln. Vielmehr dreht sich das Gesagte im Kreis, wiederholt sich, überlappt sich und verebbt irgendwann, irgendwie.

Dazu hat der Musiker Matthias Waldthaler Musik - gleichförmige Klangfolgen – geschrieben, die sehr gut zu diesem Stück passt und hat die Darstellerinnen auf der Gitarre begleitet.

Gespielt wird auf der Ladefläche eines Traktor-Anhängers, der in die Scheune geschoben wurde. Weitere Requisiten sind drei Klappstühle, die die drei Schwestern ständig mit sich herumtragen, wenn sie nicht darauf sitzen. An Irinas Stuhl ist ein roter Luftballon befestigt. Weil sie Geburtstag hat?

Im Original treten dreizehn verschiedene Charaktere auf, die sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden, wie beispielsweise die temperamentvolle Natalja, die Schwägerin der drei Schwestern.

Jens Bluhm hat die Anzahl der Personen reduziert auf die drei Schwestern, sowie auf die drei Soldaten, die sich im Originalstück gemeinsam mit den Schwestern langweilen. Sie werden in einer Doppelrolle von den Darstellerinnen der Schwestern gespielt. Das wirkt ziemlich albern.

Ort der Handlung ist ein Provinzkaff, in dem absolut nichts passiert. Hier sind die Schwestern gelandet, weil ihr Vater, ein Militär, dorthin versetzt wurde. Die Schwestern glorifizieren die Zukunft („Eine gewaltige Zeit kommt auf uns zu“, sagt Mascha). Und sie verherrlichen die Vergangenheit. Seit dem Tod des Vaters vor einem Jahr träumen sie von einer Rückkehr nach Moskau, wo sie sich lebendig fühlten. Doch außer darüber zu reden unternehmen sie nichts, um diesen Traum wahr werden zu lassen. Irgendwann resignieren sie. Gemeinsam singen sie „Es ist alles egal. Völlig absolut egal.“

Aufführungen sind am heutigen Samstag und am 23., 24, Juni jeweils 20 Uhr, 25. Juni, 18 Uhr, in der Viesener Dorfstraße 45, Rosenau.

Von Ann Brünink

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