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Dringender Appell an Hundehalter in Teltow

Freilaufende Hunde sind eine Gefahr für Wildtiere Dringender Appell an Hundehalter in Teltow

Vor allem jetzt, zur Brut- und Setzzeit, droht Wildtieren Gefahr durch freilaufende Hunde. Der Teltower Stadtjäger appelliert deshalb an die Hundebesitzer, die Leinenpflicht zu beachten. Der Mann hat schon viel Schlimmes gesehen, doch Hundehalter sind oftmals wenig einsichtig.

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Der Hund stammt vom Wolf ab und bei großen Hunden ist der Jagdtrieb immer noch vorhanden.

Quelle: Privat

Teltow. Ein Rehkitz, tot auf einer Wiese – Opfer eines Hundeangriffs. Vergangene Woche gab es wieder so einen Fall in Teltow, nahe der Lichterfelder Allee. Die Besitzer des Hundes waren aber am Ort geblieben. „Das muss man ihnen hoch anrechnen“, sagt Stadtjäger Torsten Kroll. In aller Regel machen sich die Halter mit ihren Hunden auf und davon. Mit vier angegriffenen Rehen hatte es Kroll in diesem Jahr bereits zu tun. Zwei von ihnen waren nicht totgebissen, aber schwer verletzt. Der Jäger musste sie von ihren Qualen erlösen.

Der Teltower Stadtjäger Torsten Kroll

Der Teltower Stadtjäger Torsten Kroll.

Quelle: Laude

Solche Vorfälle sind deutschlandweit nicht selten. „Sie sind ein großes Problem“, sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes. Eine offizielle Statistik darüber gebe es aber nicht. Die Regelungen zur Leinenpflicht sind in Deutschland sehr unterschiedlich.

In Teltow müssen auch abseits von Wohngebieten und vielgenutzten Grünanlagen – zum Beispiel auf den Ruhlsdorfer Wiesen – Hunde wegen des Wildes an die Leine. Von April bis Ende Juni dauert die sogenannte Brut- und Setzzeit – jene Zeit, in der die wildlebenden Vögel brüten und das Haarwild Junge bekommt. Damit stehen Hundebesitzer besonders in der Pflicht, die Tiere anzuleinen. Hochträchtige Rehe, Rehkitze, junge Hasen oder Vogelküken sind bei weitem nicht schnell genug, um vor Hunden flüchten zu können. Sie werden gehetzt und gerissen. „Mein Hund tut das nicht“ – solche Erklärungen muss sich Torsten Kroll anhören, wenn er Spaziergänger mit Hunden bittet, die Tiere an die Leine zu nehmen.

Teltower Stadtordnung

Die Teltower Stadtordnung definiert, dass in bestimmten Wohngebieten ein genereller Leinenzwang für alle Hunderassen gilt. Gleichfalls erstreckt sich der Leinenzwang auf die Landschaftsschutzgebiete „Kanalaue“, „Buschwiesen“ und dem Landschaftsschutzbestand „Altkiefernwäldchen“.

Für Fragen oder Hinweise steht der Teltower Stadtjäger zur Verfügung: 03328/4 14 20.

Aber der Hund stammt vom Wolf ab, bei großen Hunden ist der Jagdtrieb immer noch vorhanden. „Die sind relativ schnell und ausdauernd. Ein junges Reh wird da leicht zur Beute“, sagt Kroll, der zusammen mit einem Kollegen 1900 Hektar Fläche in Teltow gepachtet hat, von denen 451 Hektar jagdbar sind. Die Hunde neigen dazu, ihre Beute zu verstecken, indem sie sie eingraben. Bei der Hatz auf Schwarzwild besteht auch für die Hunde Gefahr. „Bachen verteidigen ihren Nachwuchs“, so Kroll. Auch für die Halter kann die Begegnung schmerzhafte Folgen haben – übrigens auch für Menschen, die versuchen, Wildschweine aus ihrem Garten zu vertreiben. Wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, muss damit gerechnet werden, dass sie sich wehren.

Die Opfer der Hetzjagden von Hunden werden eher zufällig von Spaziergängern entdeckt. Nicht nur heftige Übergriffe richten erheblichen Schaden an. Oft reiche allein die Berührung eines Hundes mit einem Wildjungtier aus, um die Elterntiere derart zu irritieren, dass der Nachwuchs verstoßen werde, so Kroll. Gebiete, in denen sich Rehe befinden, neben den Ruhlsdorfer Wiesen zum Beispiel auch die Hollandwiesen oder die Staedlersiedlung, sollten während der Brut- und Setzzeit am besten gemieden werden, fügt der Stadtjäger, der hauptamtlich Feuerwehrmann ist, hinzu. Außerdem seien Hundebesitzer angehalten, sich nur auf ausgewiesenen Wegen aufzuhalten. Auch wenn es erstaunlich ist: Das Wild merkt, ob Menschen oder Hunde auf Wegen unterwegs sind oder nicht. Das ist durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt worden. „Beim Verlassen der Wege geht bei den Tieren, die sich in der Nähe aufhalten, der Herzschlag hoch. Da herrscht Panik pur“, sagt Reinwald. Nach seinen Angaben mehren sich die Fälle, bei denen Hundehalter aufgestöberte, aber noch lebende junge Rehe einfangen, um sie in eine Tierauffangstation zu bringen. Dabei sei die Mutter oft nur 100 oder 200 Meter entfernt. „Anfassen macht das Tier zum Waisen“, so Reinwald.

Torsten Kroll geht es bei seinem Appell an die Hundehalter nicht um Schuldzuweisungen. „Vielmehr“, betont der Stadtjäger, „möchte ich die Hundehalter sensibilisieren, verantwortungsvoll Gassi zu gehen.“

Von Stephan Laude

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