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Durchbruch am Hofe des Königs

Treuenbrietzen Durchbruch am Hofe des Königs

Der Komponist Christoph Nichelmann ist vor 300 Jahren in Treuenbrietzen geboren. Am Hofe von Preußenkönig Friedrich dem Großen erlangte er große Bekanntheit. Mit einem Rundgang zu Lebensstätten Treuenbrietzener Künstler will der Kulturverein Rietz am Sonntag an den Geburtstag Nichelmanns erinnern.

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Der Maler Adolf Menzel schuf das berühmte Bild des Flötenkonzerts von König Friedrich dem Großen. Zu dessen Hofkapelle gehörte auch der in Treuenbrietzen geborene Musiker Christoph Nichelmann.

Quelle: Berliner Nationalgalerie

Treuenbrietzen. Still und ohne großes Aufsehen begeht die Stadt Treuenbrietzen am Sonntag den 300. Geburtstag eines ihrer berühmten Söhne. Am 13. August 1717 wurde der Komponist Christoph Nichelmann dort als Sohn eines Tuchmachers geboren. Der Kulturverein Rietz erinnerte mit einem öffentlichen Rundgang in der Stadt an das Jubiläum und weitere Kulturgrößen.

Der schon als Junge für Musik begeisterte Christoph Nichelmann (1717 - 1762) hatte in Leipzig, Hamburg sowie Berlin berühmte Lehrer und entwickelte sich zu einem anerkannten Cembalisten und Komponisten. Das erkannte auch der musikbegeisterte König Friedrich II. von Preußen, der ihn als Cembalisten für seine Hofkapelle verpflichtete. Nichelmann begleitete den König bei dessen Flötenspiel, verfasste musiktheoretische Schriften und glänzte auch mit Kompositionen, die sich stilistisch mehrheitlich an Größen wie Karl Heinrich Graun und Carl Philipp Emanuel Bach anlehnen. Seine größte stilistische Eigenständigkeit erreichte der Mann aus Treuenbrietzen mit seinen Cembalokonzerten. Damit katapultierte er sich in die erste Reihe jener deutschen Komponisten, die für eine Weiterentwicklung des norddeutschen Cembalokonzertes sorgten und so Musikgeschichte schrieben. Das trug ihm auch die Berücksichtigung in „Musik in Geschichte und Gegenwart“ ein, dem aktuellen Standardwerk zur Musikgeschichte.

Als 13-Jähriger an die berühmte Musikschule

Nichelmann wurde am 13. August 1717 in Treuenbrietzen geboren. Die geschichtsträchtige Stadt ist 1208 erstmals urkundlich erwähnt worden und erlangte später als Tuchmacherstadt größere Bekanntheit. Nichelmann hatte offenbar wohlhabende Eltern. Angesichts seines Interesses für Musik ermöglichten sie ihm zunächst eine umfangreiche Unterrichtung in Treuenbrietzen und schickten ihn dann zur weiteren Ausbildung nach Leipzig. Die ersten Lehrer waren die Organisten Andreas Schweinitz und Matthias Christoph Lippe sowie der Kantor Johann Peter Bubel. Dann aber durfte er als Dreizehnjähriger an die Thomas-Schule nach Leipzig wechseln, wo er von Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Wilhelm Friedemann Bach unterrichtet wurde. Dabei wurde er vom Musikgenie auch zur Anfertigung von Anschriften eingespannt. 1733 ging Nichelmann dann nach Hamburg, um sich bei Johannes Mattheson, Georg Philipp Telemann sowie Reinhard Keiser noch zu vervollkommnen.

Christoph Nichelmanns Geburtshaus lag an der Neuen Marktstraße zu Treuenbrietzen

Christoph Nichelmanns Geburtshaus lag an der Neuen Marktstraße zu Treuenbrietzen.

Quelle: Thomas Wachs

1738 kehrte der junge Musiker in seine Heimatstadt Treuenbrietzen zurück. Er war voller Hoffnungen und auf der Suche nach einer Anstellung. Doch in der Vaterstadt blieb er ohne Erfolg. Deshalb war er über eine Sekretärsstelle bei einem Reichsgrafen froh. 1740 änderte sich die Lage. In Berlin trat Friedrich II. die Thronfolge an, der für seine Musikliebe bekannt war und die Hofkapelle neu aufbaute. Nichelmann setzte seine Musikstudien bei Joachim Quantz sowie Carl Heinrich Graun, den musikalischen Vertrauten des Preußenkönigs, fort und befand sich zunächst auf der Warteliste. Doch Quantz und Graun empfahlen ihn wohl. So wurde der Mann aus Treuenbrietzen schließlich nach einem weiteren Intermezzo in Hamburg 1745 Mitglied der königlichen Hofkapelle. Er erhielt mit 500 Talern Gehalt die Stelle von Christoph Schaffrath, musste den König bei dessen Kammermusik begleiten und hatte regelmäßig auch Kompositionen zu liefern. Das war der Durchbruch.

Persönlichkeiten auf der Spur

Zum 300. Geburtstag von Christoph Nichelmann lädt der Kulturverein Rietz für Sonntag zu einem Stadtrundgang in Treuenbrietzen ein.

Vorgestellte werden dabei über den Komponisten hinaus auch weitere Persönlichkeiten des kulturellen Lebens der Stadt.

Treffpunkt für den öffentlichen und kostenfreien Rundgang ist um 10.30 Uhr am Rathausbrunnen. Die Tour dauert bis circa 12 Uhr.

Schon zum Sabinchenfest im Juni hatte die evangelische Kirchengemeinde mit einem Musikprogramm in der Marienkirche an den Komponisten erinnert.

Aber die Arbeitspflichten lagen weit über dem Gehalt. Der junge Musiker mühte sich redlich. Er erfüllte seine Begleitpflichten, komponierte in einer Phase wechselnder musikali scher Stile mit wachsendem Erfolg und konnte sich finanziell kaum über Wasser halten. Dabei gelang ihm kompositorisch eine immer größere Eigenständigkeit, die sich besonders in den mehrstimmig gehaltenen Klavierkonzerten niederschlug. Logisch, dass der Musikus deshalb eine Gehaltserhöhung erwartete. Da es dazu nicht kam, zog Nichelmann die Notbremse. Er kündigte 1756 in der Hoffnung, dass man ihn mit mehr Gehalt halten würde. Diesen voreiligen Schritt bereute er wohl danach.

Zusätzliche Erschwernisse im Krieg

Er war fortan ohne festes Einkommen, musste sich mit Privatunterricht begnügen und erlebte während des Siebenjährigen Krieges zusätzliche Erschwernisse. Trotz seiner Vokalmusik, einiger Bühnenwerke, seiner gefälligen Instrumentalkompositionen und den frühen Arbeiten für die Berliner Liederschule fristete der Musikus ein Hungerdasein. Das zehrte an seiner Gesundheit und untergrub seine Schaffenskraft erheblich. Darüber starb Christoph Nichelmann am 20. Juli 1762 in Berlin, kurz vor seinem 45. Geburtstag.

Von Martin Stolzenau

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