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Potsdam-Mittelmark Durstige Maurer und ein Mord
Lokales Potsdam-Mittelmark Durstige Maurer und ein Mord
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21:42 22.08.2016
Das geplante Büchlein soll mit historischen Fotos bebildert werden. Auf diesem Bild ist ein Paar aus Schäpe an der Dorfstraße um 1900 zu sehen. Quelle: Privat
Schäpe

Wenn die Überlieferung stimmt, dann sind im Turm der Schäper Schinkelkirche zwei leere Flaschen eingemauert. Dass sie leer sind, war freilich nicht im Sinne des Erfinders. Bei der Grundsteinlegung für den Bau des Kirchturms am 3. Juli 1863 waren sie noch voll.

Der damalige Bürgermeister Bellin brachte eine Flasche Cognac und eine Flasche Rotwein mit, weiß Hartwig Remy. Zur Feier des Tages sollten sie mit einigen Metzen Getreide als Beigabe in Löchern von der Größe kleiner Wassereimer eingemauert werden. Die Maurer hatten die Anweisung, an allen vier Turmwänden solche Löcher zu lassen, um sie dann mit den Beigaben zu verschließen. Das taten die Maurer auch – bei den Löchern, in denen Cognac und Rotwein standen, allerdings nur halbherzig. Im Dorf ging später das Gerede um, die Maurer hätten diese Löcher wieder geöffnet und den Cognac und den Rotwein ausgetrunken, erzählt Remy. Nicht nur er vermutet: Die leeren Flaschen sind wohl noch drin.

Hartwig Remy sammelt solche Geschichten aus dem Heimatort, der heute zu Beelitz gehört, und will daraus ein Büchlein machen. Bis 2018 soll es fertig sein – „in dem Jahr, in dem hoffentlich auch das Sanierungswerk an der Schinkelkirche vollbracht ist“, sagt er. Der gebürtige Berliner, der 1997 in den Ort kam, ist Vorsitzender des Fördervereins, der seit 2010 Geld für Erhalt und Sanierung der Schinkel-Kirche sammelt.

Begebenheiten fürs Büchlein hat er schon einige zusammen – lustige und traurige. Gefunden hat er sie im Nachlass von Otto Grohmann  (1901-1985), der vor ihm das Geschehen in und um Schäpe festhielt – in Sütterlinschrift. „Die Texte mussten erst übersetzt werden.“ Zum Vorschein kam dabei etwa die Geschichte des Dienstmädchens Charlotte Lüttge, die aus Schlesien stammte und in Schäpe auf tragische Weise ums Leben kam. Lehrer Friedrich Stärke, der im Dorf von 1845 bis 1872 unterrichtete und auch Landwirtschaft betrieb, brauchte Hilfe. Ein Stellenvermittler schickte ihm Charlotte Lüttge. Mit ihr im Zug saß noch ein anderes Mädchen, das im benachbarten Salzbrunn ihre Dienste verrichten sollte. „Ein junger Bursche aus Schäpe soll sich in Charlotte verguckt haben. Sie wollte aber nichts von ihm wissen“, erzählt Remy. An einem Sonntag machte sich Charlotte auf den Weg nach Salzbrunn zu ihrer Freundin. Der Bursche lief ihr hinterher. „Er wollte sie begleiten, was sie ablehnte.“ Der Schäper Junge wurde wütend, zog ein Taschenmesser und stach ihr in die Brust. Das Mädchen soll verblutet sein. Ihre letzte Ruhe fand Charlotte fern der Heimat und ohne den Beistand der Angehörigen auf dem Schäper Friedhof. Von Mädchen im Dorf wurde das Grab aber gepflegt, und einige Jungs aus Schäpe setzten einen Feldstein aufs Grab – in Gedenken an sie. Der Stein, der 1956 vor die Kirchhofsmauer gebracht wurde, ist nicht mehr auffindbar, sagt Remy.

In seinem Büchlein werden auch Geschichten zum Schmunzeln Platz finden. Etwa die von einem Scherenschleifer, der mit Familie durch die Gegend zog und die Messer und Scheren der Leute schärfte. Dann kam sein drittes Kind zur Welt. Es wurde im Geburtsort getauft wie der ortsansässige Nachwuchs auch. Der Pastor suchte Paten unter Geschäftsleuten. Und dann gab es ein Taufessen: Erbsbrei, Kartoffeln und Rotkohl mit einem Stück Pökelfleisch. „Das war damals ein Festessen“, so Remy. Der Scherenschleifer kam durch die Zeremonie auf den Geschmack und wollte mehr davon haben. Er ließ immer ein, zwei Orte aus. Kam er dann in ein Dorf mit einem anderen Pfarrer, meldete er sein Kind wieder zur Taufe an. „So wurde es vier oder fünf Mal getauft.“

Schäpes Schinkel-Kirche

Weil das Geld nicht reichte, stand die 1827 errichtete Kirche die ersten 37 Jahre ohne Turm da. Damit die Schäper trotzdem Glocken läuten konnten, bauten sie einen Glockenschauer, der nach dem Turmbau nicht mehr nötig war.

Heute gibt es wieder einen Glockenschauer – für die alten Glocken, die 1964 durch neue ersetzt wurden. Dass die alten Glocken danach als Blumenkübel dienten, stellte man erst vor ein paar Jahren fest, als die vermeintlichen Kübel ausgegraben wurden und unverhofft Glocken zum Vorschein kamen.

Von Jens Steglich

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