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Ecstasy und Crystal Meth auf dem Vormarsch

Drogen im Fläming Ecstasy und Crystal Meth auf dem Vormarsch

In Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) können sich Drogenabhängige im Johanniter-Krankenhaus behandeln lassen. Die meisten Patienten dort haben schon einmal Crystal Meth konsumiert. Die MAZ hat mit einem Oberarzt der Klinik gesprochen und Einblick in den Alltag und die Arbeit des Krankenhauses bekommen.

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N-Methylamphetamin, umgangssprachlich als Meth oder Crystal Meth abgekürzt, hier von der Polizei sichergestellt.

Quelle: dpa

Treuenbrietzen. Charlene Schulze war 16, als sie angefangen hat, Heroin zu nehmen. Sie habe auch noch andere Drogen ausprobiert, erzählt die junge Frau, die lieber anonym bleiben möchte. Ihre Lehre habe sie wegen der Sucht nicht abgeschlossen. Und auch sonst sei im Elternhaus einiges kaputt gegangen, erinnert sich die heute 23-Jährige. Den Auslöser, mit den Drogen aufzuhören, habe aber eine andere Situation in ihrem Leben gegeben: Als Charlene im siebten Monat schwanger war, verlor sie ihr Kind.

Hilfe für ein Leben ohne Heroin finden Menschen wie Charlene im Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen, genauer in der Klinik für Psychiatrie. Das Thema Drogen stand auch im Mittelpunkt der jüngsten Veranstaltung von „Psychiatrie verständlich erklärt“. Die Informationsreihe findet an jedem ersten Mittwoch im Monat statt.

Vor allem 15- bis 30-Jährige betroffen

Patienten mit Heroinsucht seien im Fläming eher die Ausnahme, erklärt Jochen Schwarzkopf, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Die Drogen, die hierzulande am meisten konsumiert werden, seien Ecstasy und Crystal Meth – eine synthetische Droge, die hauptsächlich über Osteuropa nach Deutschland kommt.

Oberarzt Jochen Schwarzkopf

Oberarzt Jochen Schwarzkopf.

Quelle: Josephine Mühln

Die Verbreitung von Crystal nehme zu, „weil sie zu den interessantesten Drogen gehört“, sagt Schwarzkopf. Von den Patienten, die sich in der Klinik vorstellen, hätten Dreiviertel mit dem Metamphetamin zu tun, würden aber auch noch andere Drogen kennen. Der Konsum der Rauschgifte konzentriere sich stark auf die jüngere Generation der 15- bis 30-Jährigen.

Rückfallquote wird als sehr hoch eingeschätzt

Die Ursachen, warum jemand mit dem Konsum von Drogen anfange, seien sehr unterschiedlich, weiß Oberarzt Schwarzkopf. „Bei den einen ist es das zerrüttete Elternhaus, andere wollten nur mal was ausprobieren oder sind in die falschen Kreise geraten.“ Nach erfolgreicher Therapie zurück ins Heimatdorf zu gehen, sei für viele seiner Patienten schwierig. Zu groß sei die Gefahr erneut Drogen zu nehmen, wenn der alte Freundeskreis wieder täglich um einen rum ist.

Entgiftung innerhalb von zwei Wochen

Wer sich für eine Behandlung in Treuenbrietzen entscheidet, muss sich zunächst einem Vorgespräch unterziehen. Geprüft wird, wie ernsthaft es der potenzielle Patient mit dem Entzug meint.

Bei der Aufnahme werden Drogenscreenings und Urintests durchgeführt, die während der zweiwöchigen Entgiftung in unregelmäßigen Abständen wiederholt werden. Jeder Rückfall führt zur Entlassung.

Bei der Entlassung wird geprüft, welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten es für den Patienten gibt. Ist er motiviert, auch nach seinem Aufenthalt in Treuenbrietzen ein drogenfreies Leben zu führen? Wenn ja, wird derjenige an die Sozialstation des Krankenhauses vermittelt.

Eine stationäre Behandlung dort dauert noch einmal 24 Wochen. Ambulant bis zu einem Jahr.

Hilfe finden drogen- und alkoholgefährdete Menschen auch beim Verein „Scarabäus Hoher Fläming“ in Schmerwitz. Die stationäre Einrichtung hat 30 Plätze, die Aufenthaltsdauer kann bis zu 18 Monate betragen. Infos unter: www.scarabaeus-schmerwitz.de.

„Genaue Zahlen gibt es nicht, aber ich schätze die Rückfallquote als sehr hoch ein“, sagt Schwarzkopf. „Dass jemand wirklich überhaupt nichts mehr nimmt, ist sehr selten.“ Dennoch schätzt der Mediziner die Treuenbrietzener Therapie in 50 Prozent aller Fälle als erfolgreich ein. „Viele nehmen nach den zwei Wochen bei uns zumindest weniger und sind sensibilisiert dafür, wie sie ihren Körper mit den Drogen kaputt machen.“

Schwerpunkt für Drogenkriminalität in Brandenburg an der Havel

Insgesamt hat die Drogenkriminalität in Brandenburg in den vergangenen Jahren zugenommen, wie aus der Kriminalitätsentwicklung der Polizeiinspektion Brandenburg von 2015 hervorgeht. Wurden im Jahr 2013 noch 502 Fälle registriert, erhöhte sich die Zahl 2014 bereits auf 546 und 2015 auf 576 Fälle. Die Aufklärungsquote war mit 91 Prozent in 2014 am höchsten. 2015 lag sie bei 89 Prozent, 2013 bei 88.

Als Ursache für den Anstieg nannte Polizeisprecherin Jana Birnbaum auch die sogenannten Zufallsfunde während des alltäglichen Dienstes. Örtlicher Schwerpunkt sei Brandenburg an der Havel. Der Bereich des Bad Belziger Reviers stelle bei Drogenkriminalität eher eine untergeordnete Rolle dar. Den größten Teil der Verdächtigen machen Männer aus.

Von Josephine Mühln

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