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Potsdam-Mittelmark Ehepaar steht auf Ehrenamt
Lokales Potsdam-Mittelmark Ehepaar steht auf Ehrenamt
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17:23 19.08.2016
Annerose und Hans-Jürgen Seifert daheim im Teltower Garten. Quelle: C. Krause
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Teltow

Gemütlich haben’s die Seiferts in ihrem Garten. Aber die Ruhe nach dem Frühstück täuscht, denn Annerose (70) und Hans-Jürgen (69) Seifert sind im Un-Ruhestand. Die beiden diplomierten Sozialpädagogen aus Berlin, die seit 16 Jahren „vollet Rohr“ zu Hause in Teltow sind, wollten auch als Rentner weiter aktiv sein. „Ich dachte, man weiß ja noch so viel von der Arbeit, und da wollte ich helfen, mich noch einbringen“, sagt sie.

Also ging Annerose Seifert gezielt los. „Ich wurde im Juli 2011 Rentnerin und bin gleich im September ins Teltower Jugendamt marschiert und habe gefragt, ’gibt’s was zu tun für mich?’“, erzählt die fitte Frau. Jahrzehnte lang hat sie im Jugend- und im Gesundheitsamt bei der Arbeit mit Eltern und Kindern ab 2. Lebensjahr Erfahrungen gesammelt. 40 bis 50 Hausbesuche habe sie einst monatlich in Berlin gemacht. Sie hat Eltern nach der Geburt der Kinder beraten, „intensiv betreut“, Gerichtsdinge geregelt, bei Kindeswohlgefährdung ist sie eingeschritten.

Die Kollegin im Teltower Amt rief damals zwar freudig aus „Sie schickt uns der Himmel!“, aber an den von Annerose Seifert vorgeschlagenen Elternbesuchen nach Entbindungen bestand kein Interesse. „Der Bürgermeister sieht keinen Bedarf“, hieß es. Aber der Hinweis aufs Philantow, dem Familienzentrum, reichte. Dort engagiert sich die Rentnerin seit Anfang 2012 für Eltern, die mit ihren Säuglingen zum Freitagsfrühstück kommen. Wer zum ersten Mal dabei ist, erhält das Frühstück vom selbst zubereiteten Büffet gratis und dazu eine selbst genähte Tasche mit allerlei Infomaterial aus der Region und dem Landkreis zu Angeboten für Familien. 30 bis 40 Mütter würden dieses Angebot wöchentlich nutzen. Nicht jede Frau freilich, macht sich da gleich Luft, aber gelernt ist gelernt: „Ich gehe von Tisch zu Tisch, frage nach der Gesundheit des Babys, der Mutter und ob zu Hause alles soweit klappt“, erzählt die Rentnerin. Sie dränge sich nicht auf, will behutsam eine Vertrauensbasis schaffen. „Ich bin selbst Mutter und keine Amtsperson – das macht was aus bei den Frauen“, weiß sie. Und dass der Buschfunk funktioniert. Denn mit dem Rat „geh mal zu Annerose, die weiß Bescheid“ fanden schon etliche Frauen den Weg zu einer persönlichen Beratung. Mal geht es um Sorgerechtsstreitereien, mal um knappe Kassen, um das schreiende Kind oder die viele Zeit allein zu Haus, während der Mann außerhalb arbeitet. Aber Erfahrungen sind das eine, Fachwissen das andere. „Doch ich bin nicht vom alten Eisen“, betont die Ehrenamtlerin. Annerose Seifert ist in sämtliche Teamberatungen und Fachgespräche beim Philantow einbezogen, wird sogar zu den Fortbildungen der Angestellten mit angemeldet.

Während der dreiwöchigen Sommerschließzeit des Philantow sitzt die Frau jetzt nicht etwa nur im heimischen Garten, sondern geht mit dem Moskitow-Mobil auf Tour zu den sechs kommunalen Spielplätzen. Von Montag bis Freitag, immer 14.30 bis 18 Uhr. Während sich die anderen Kollegen mit Spiel- und Kreativangeboten um die Kleinen kümmern, ist Seifert dort Ansprechpartnerin für die Mütter. Diese sozialpädagogische Arbeit begann sie vor drei Jahren ehrenamtlich. Inzwischen bekommt sie eine Aufwandsentschädigung.

Die fitte Senioren (l.) auf dem Spielplatz in der Nuthestraße, wo sie mit Eltern ins Gespräch kommen möchte, die vielleicht zu Hause Sorgen haben. Aber manchmal wird auch einfach nur gehopst auf dem Trampolin. Quelle: C. Krause

Und Ehemann Hans-Jürgen immer allein zu Haus? Mitnichten. Als Annerose im Philantow merkte, dass Andy in der Holzwerkstatt die Laubsägearbeiten mit den Kindern nicht mehr schaffte, schickte sie kurzerhand ihren Mann vorbei. Der stärkt Andy nun seit zwei Jahren immer montags von 15 bis 18 Uhr den Rücken. Als gelernter Buchdrucker hat Seifert auch den Siebdruck als Hobby wieder belebt. So weiht er Erzieher und Kinder in die Technik ein. In Stahnsdorf hat er beim internationalen Jugendcamp gerade den Übungsleiter für Siebdruck gemacht – „auf englisch – das war eine tolle Sache“, freut er sich. Neben der Arbeit mit Kindern engagiert er sich seit 2010 im Verein „Teltow gegen Fluglärm“, der fast 500 Mitglieder zählt. Als Vorstandsmitglied hat er viel zu tun.

Den Ruhestand vermisst das Paar nicht wirklich. „Für mich ist die Tätigkeit im Philantow wie ein Sahnehäubchen“, sagt sie. Und er: „Durch den Verein haben wir so viele Teltower kennengelernt, dass wir hier angekommen und rundum zufrieden sind.“ Für das Philantow sind die Seiferts und all die anderen Ehrenamtler „die Stärke“ des Hauses: „Ohne sie wären unsere Angebote so nicht möglich“, bekennt Leiterin Nadine Ganzert. Pro Woche nutzen etwa 600 Menschen das Familienzentrum.

Philantow Teltow

Das Familienzentrum und Mehrgenerationenhaus Philantow (Fantasiewort aus Philantrop (Menschenfreund und Teltow) ist ein Ort mit Angeboten für Kinder und Erwachsene jeden Alters. Träger ist der Eigenbetrieb der Stadt Teltow „Menschenskinder“.

Herz-Stück des Hauses ist das Café. Für Familien sind das dazugehörige Spielzimmer und der Spielplatz attraktiver Anziehungspunkt.

Es gibt Sport- und Kreativangebote für Kinder und Erwachsene – gemeinsam oder jede Altersgruppe für sich.

Bei der Bewältigung von Alltagsproblemen oder schwierigen Lebensphasen helfen Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen.

Das Philantow hat seinen Sitz in der Mahlower Straße 139, Telefon: (03328) 47 01 40.

Die dreiwöchige Sommerschließzeit des Philantow dauert bis 4. September 2016.

Von Claudia Krause

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