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Ein Bauerngarten in dritter Generation

Rieben (Potsdam-Mittelmark) Ein Bauerngarten in dritter Generation

Die Liebe von Karin Isecke zur Gartenarbeit kam nur langsam ins Rollen. Inzwischen kann die 64-jährige Riebenerin nicht mehr ohne die bunten Blumen und frisches Obst aus dem Garten, den sie mit ihrem Ehemann in dritter Generation bewirtschaftet. Das 6000 Quadratmeter große Areal mit all der Arbeit, die darin steckt, öffnet das Paar regelmäßig für Besucher.

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Karin Isecke genießt den Ausblick vom Garten auf die sanierte Dorfkirche. Hund Ben ist immer an ihrer Seite.

Quelle: Victoria Barnack

Rieben. Alles fing mit Kartoffeln an. Karin Isecke und ihrem Mann Holger schmeckten die Knollen aus dem Supermarkt irgendwann nicht mehr. So begann das Paar vor mehr als zehn Jahren, sie in ihrem Garten selbst anzupflanzen. 4000 Quadratmeter sind aus dem einen Kartoffelfeld inzwischen geworden. An der Scheune, die den Garten vom Hof trennt, ranken Kletterpflanzen. Im Garten sehen die Besucher als erstes die großen Nadelbäume, zwei Mammutbäume und einen Affenbaum. Auf dem Areal verteilt stehen zahlreiche Obstbäume und Sträucher fast aller Art von Apfel bis Aronia. Späte Tulpen setzen Farbtupfer in dem Garten, der erst in den nächsten Monaten seine ganze Farbpracht entfalten wird. Nur der Rhabarber und die ersten Kräuter können schon geerntet werden.

Dass Karin Isecke den Bauerngarten ihrer Eltern einmal selbst hegen und pflegen würde, konnte sie sich als junges Mädchen noch nicht vorstellen. „Erst nach meiner Jugend, als der Druck mitzuarbeiten weg war, hat mir die Gartenarbeit zum ersten Mal Spaß gemacht“, sagt sie. Die heute 64-Jährige ist auf dem Grundstück in Rieben aufgewachsen. Ihr Mann stammt aus Düren in Nordrhein-Westfalen, ist aber vor 20 Jahren zu ihr nach Brandenburg gezogen. Das Paar ist die dritte Generation auf dem Hof. Schon vor vielen Jahrzehnten wurde der heutige Garten als Acker in erster Linie landwirtschaftlich genutzt. An Kartoffeln, Zwiebeln und Spargel aus Eigenanbau kann sich Karin Isecke noch erinnern. Auch Schweine wurden auf dem Hof gehalten.

„Nach der Wende kam das alles erst einmal weg“, sagt die Riebenerin. Bis schließlich die Geschichte mit den Kartoffeln kam und im Garten die Blumen plötzlich von selbst blühten. „Zum Wegschmeißen waren sie mir zu schade“, sagt Karin Isecke. So fing sie mit dem Straßenverkauf an. Schnell kamen Eier hinzu. Auch heute steht ein kleiner Verkaufsstand aus Holz vor dem Hoftor in der Riebener Dorfstraße 19. Dort bietet Karin Isecke mittlerweile sogar selbstgemachte Marmelade an. Die ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen wie Apfel-Aronia, Kürbis mit Banane oder Quittengelee kocht sie selbst ein.

Das Grundstück von Familie Isecke befindet sich im Naturpark Nuthe-Nieplitz

Das Grundstück von Familie Isecke befindet sich im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Naturschutz wird hier groß geschrieben.

Quelle: Victoria Barnack

Wo sie die ganze Zeit hernimmt, um sich um jeden der insgesamt 6000 Quadratmeter auf ihrem Hof und im Garten zu kümmern? „Mein Mann und ich machen alles gemeinsam am Abend oder an den Wochenenden“, sagt sie, obwohl sie auch zugibt, dass es vor allem im Frühjahr beim Bepflanzen der Beete und Blumenkübel schon ein wenig stressig werden kann. Nichtsdestotrotz: „Für uns ist das mehr Erholung als Arbeit“, sagt sie.

Wenn das Ehepaar verreist, kümmert sich ein Bekannter um das Grundstück. Er versorgt dann auch die beiden Patenkinder von Holger und Karin Isecke mit Futter. „Wir nehmen am Steinkauzprojekt des Nuthe-Nieplitz-Vereins teil“, erzählt die Eulenpatin, die in ihrem Garten komplett auf Chemie verzichtet – eine optimale Voraussetzung für die Teilnahme. Als Ehrung für das Engagement wurde der Hof mit dem Siegel „steinkauzfreundlich“ ausgezeichnet. „Außerdem kommen jedes Jahr Schwalben, die unter unserem Hoftor nisten“, sagt Karin Isecke. Begegnen werden sich die beiden Vogelarten wohl kaum. Denn die Steinkauze sind in einer Voliere untergebracht. Das Paar soll auf die Auswilderung vorbereitet werden, damit der Bestand im Naturpark wieder ansteigt. Bis es soweit ist, erhalten die beiden einen Rundumservice von Karin Isecke. Der Verein stellt das Futter bereit, Iseckes kümmern sich um das Wohl und die Instandhaltung des Unterschlupfs im hinteren Teil des Gartens.

Zum Riebener Bauerngarten gehört auch eine Voliere, die ein Steinkauzpaar auf die Auswilderung vorbereitet

Zum Riebener Bauerngarten gehört auch eine Voliere, die ein Steinkauzpaar auf die Auswilderung vorbereitet.

Quelle: Victoria Barnack

Die beiden Steinkauze sind für Besucher zu Aktionstagen wie den „Offenen Gärten“ am Wochenende ein besonderes Highlight. Schließlich sind sie auch in der Region noch eine Rarität. Auf den Besucheransturm bereitet sich Karin Isecke gemeinsam mit den Nachbarn vor, die beim Gemüseschnippeln oder Kuchenbacken helfen.

Und dann ist da noch Hund Ben. Den inzwischen betagten Rüden haben Karin und Holger Isecke vor zehn Jahren bei sich aufgenommen, nachdem er herrenlos durchs Dorf irrte. Am liebsten habe er es, wenn immer jemand auf dem Hof ist, sagt die Riebenerin. Ihr selbst gefällt der alte Bauerngarten übrigens im Frühjahr am besten, „wenn die ersten Krokusse und Tulpen blühen“, sagt sie, „dann kann man so richtig sehen, dass der Frühling kommt.“

„Offene Gärten“ in der Region

Die Gemeinde Michendorf ist mit sechs Gärten beim landesweiten Aktionstag „Offene Gärten“ vertreten. Drei von ihnen befinden sich im Ortsteil Wilhelmshorst und je einer in Langerwisch, Wildenbruch und Stücken.

In Nuthetal und Beelitz sind insgesamt drei Gärten geöffnet: neben Familie Isecke in Rieben lädt ein Hausgarten in Saarmund und ein Waldgarten in Rehbrücke zum Aktionstag ein.

Das Stadtgebiet von Werder/Havel ist mit drei Gärten vertreten. Hinzu kommen ein Stauden- und Nutzgarten in Glindow und ein großer Hausgarten in Plessow.

Auch die Gemeinde Schwielowsee nimmt an den Offenen Gärten teil. In Caputh ist ebenfalls ein Hausgarten zu sehen, in Ferch gibt es einen Efeu- und einen Bauerngarten.

Von Victoria Barnack

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