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Potsdam-Mittelmark Ein Belziger Amtsmann und die schrägen Streiche der Schildbürger
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein Belziger Amtsmann und die schrägen Streiche der Schildbürger
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10:57 27.02.2018
Wie die Schildbürger einen verurteilten Krebs ersäufen wollten - Illustration der Schildbürgerstreiche um 1918 Quelle: Sammlung Hesse
Bad Belzig

Die Palette der bekannten Volksbücher reicht von „Ulenspiegel“ und dem „Lalebuch“ über „Faust“ und „Der gehörnte Siegfried“ bis zum „Schildbürgerbuch“. Diese Erzählliteratur, die die kunstvoll idealisierte Epik des Mittelalters ablöste und durch die Verbreitung der Buchdruckerkunst ab Ende des 15. Jahrhunderts breite bürgerliche Leserschichten erreichte, wurde durch Joseph Görres in Anlehnung an den Volksliedbegriff Johann Gottfried Herders 1807 unter dem Begriff „Volksbücher“ als „Vorstufe des modernen Prosaromans“ zusammengefasst. Die Vertreter des „Sturm und Drang“ und die Romantiker belebten dieses Genre in ihren Dichtungen deutlich. Volksbücher und ihre Autoren schrieben Literaturgeschichte.

Zu diesem Kreis gehört Johann Friedrich von Schönberg, der Autor des bekannten „Schildbürgerbuches“, der damit bis in die Gegenwart nachwirkt. An ihn wird außer in vielen literaturgeschichtlichen Nachschlagewerken bis heute auch in Sitzenroda, Falkenberg, Uebigau und Wittenberg erinnert.

Amtsmann zu Beltzig und Gommern

Johann Friedrich von Schönberg, zu Ubigau und Falckenberg, von der Reichenauischen Linie, wurde 1598 „der erste Amts-Hauptmann zu Wittenberg, Amtmann zu Beltzig u. Gommern, auch Vice- u. hernach Hof-Richter zu Wittenberg“.

Im August 1606 „wohnte er dem Ober-Sächß. Creyß-Convent zu Jüterbock wegen Chur-Sachsen mit bey“.

Er starb 1614. „Von seiner Gemahlin Sibyllen, gebohrnen Spätin, so vor ihm 1610. den 20. May verstorben, und zu Wittenberg in der Schloß-Kirche zwischen Luthero und Melanchthon den 29. begraben worden, hat er zweene Söhne, Wolffen und George Heinrichen, hinterlassen“.

Als Amtshauptmann folgte ihm 1615 Daniel von Koseritz nach.

Quelle: wiki-de.genealogy.net/Amt_Belzig_Rabenstein

Schönberg wurde am 28. Februar 1543 in Sitzenroda geboren. Der Ort, der im Mittelalter Sitz des Klosters Marienpforte war, später als Jagdsitz mit Jagdschloss der sächsischen Kurfürsten Bedeutung erlangte und nach dem Wiener Kongress 1815 zu Preußen kam, gehört heute zur nordsächsischen Kleinstadt Belgern-Schildau nahe Torgau. Schönbergs Vater fungierte als kurfürstlicher Hofmarschall. Als seine Mutter ist Dorothea von Hopfgarten überliefert.

Der Junge absolvierte mit seinen Brüdern die Fürstenschule in Grimma, die der Ausbildung des kursächsischen Führungsnachwuchses diente. Ab 1562 studierte der Adelsspross für sieben Jahre an der Universität in Wittenberg.

Wie die Schildbürger Licht ins Rathaus trugen - Illustration der Schildbürgerstreiche um 1918 Quelle: Sammlung Hesse

Im Mittelpunkt seiner Studien standen die Rechtswissenschaften, Philosophie und auch die wachsende Neigung zur Literatur. Danach unternahm der Sohn des kursächsischen Hofmarschalls eine ausgedehnte Bildungsreise durch Deutschland und die Nachbarstaaten, die zusätzliche Studien an anderen Universitäten einschloss. Bei seiner Rückkehr 1570 hatte Schönbergs Vater schon die Weichen für eine Anstellung am kurfürstlichen Hof gestellt.

Der junge Mann heiratete am 24. September 1570 in Torgau die verwitwete Tochter des kursächsischen Hofmeisters Georg von Spät, wurde parallel unter Joachim II. von Brandenburg kurbrandenburgischer Rat und wechselte 1577 nach Wittenberg als Gerichtsassessor an das kursächsische Hofgericht. Hier stieg er bald zum Hofrichter auf.

Ab 1591 (nach einer anderen Quelle 1598; siehe Info-Kasten) fungierte Schönberg als Hauptmann von Wittenberg und Amtshauptmann von Belzig, Gommern sowie Elbenau (heute Schönbeck/Elbe). Dazu gehörte der Aufsteiger verschiedenen kurfürstlichen Kommissionen an, die ihn als Kontrolleur in verschiedene Orte führte. Seine Amtspflichten reichten von der Bearbeitung der kryptocalvinistischen Streitigkeiten bis zur Visitation der Kleinstadt Schildau, die er aus seiner Kindheit her gut kannte.

Gute Kontakte zu Wittenberger Professoren

Schönberg, der mit maßgeblichen Wittenberger Professoren gute Kontakte unterhielt und nach der Herausgabe der Geschichten, die sich mit den Begebenheiten von Claus Narr, Till Eulenspiegel sowie D. Johann Faust befassen, als Literaturliebhaber galt, machte im Dienste des Kurfürsten Karriere und mehrte auch seinen Besitz.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm er einen Teil des elterlichen Besitzes in Falkenberg. 1586 erhielt er vom sächsischen Kurfürsten zusätzlich das Rittergut Uebigau zum Lehen. Der Ort, der seit 1303 Stadtrecht besitzt, heute ein Stadtteil von Uebigau-Wahrenbrück ist, gehört inzwischen zum Südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Schönberg wohnte einst nach der Belehnung abwechselnd in Falkenberg, Uebigau und Wittenberg.

Mit eigenen Schildau-Erfahrungen vermischt

1592 weilte Schönberg mal wieder in Schildau zur Visitation. Erneut ärgerte sich der kurfürstliche Kontrolleur über die „liederlichen Sitten und Verhältnisse“ in der Kleinstadt. Der Kenner vieler Volksbücher, dem auch das „Lalebuch“ bekannt war, beschloss daraufhin, die überlieferten Lale-Geschichten mit eigenen Schildau-Erfahrungen zu vermischen und neu zu bearbeiten.

Im Ergebnis dieser Arbeit brachte er 1597 das „Schildbürgerbuch“ heraus. Im Unterschied zum „Lalebuch“ gedieh sein Volksbuch binnen kurzem zum Bestseller. Ganz Deutschland lachte über die „Schildbürger“. Bis heute gilt der Begriff „Schildbürger“ als Synonym für Umständlichkeit und Beschränktheit. Mit dem Buch bekam Schönberg deutsche Bekanntheit.

Nach seinem Tod nach Wittenberg

Als 1613 Wittenberg von der Pest erfasst wurde, zog sich der kursächsische Aufsteiger dauerhaft nach Falkenberg zurück, wo er am 24. März 1614 starb. Schönberg wurde 71 Jahre alt und nach seinem Tod nach Wittenberg überführt. Hier fand er in der Wittenberger Schlosskirche seine letzte Ruhe. Das belegt ein Epitaph. Von seinen zehn Kindern überlebten ihn sechs.

Inzwischen erinnern in Sitzenroda eine Schönberg-Linde, in Uebigau, Wittenberg sowie Falkenberg eine Gedenktafel und in Falkenberg eine Schönberg- Gasse an ihn. Schönberg wird auch in den Chroniken von Falkenberg und Wittenberg gewürdigt. Doch das größte Denkmal schuf er sich selbst mit seinem „Schildbürgerbuch“.

Weiterlesen

Bei Wikipedia findet man einen sehr detaillierten Beitrag über die Schildbürger und ihre Streiche. Auch gibt es mehrere Orte in Deutschland, die den Anspruch erheben, die Vorlage für Schilda zu sein.

Von Martin Stolzenau

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