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Ein Jahr länger Vorschulkind

Rückstellungsquote bei knapp neun Prozent Ein Jahr länger Vorschulkind

Auf die Schule, und natürlich auch auf die Zuckertüte, freut sich wohl jedes Vorschulkind. Nicht alle bringen dafür die nötigen Voraussetzungen mit. In der Schuleingangsuntersuchung prüfen Ärzte und Psychologen gemeinsam, ob das Kind den Anforderungen bereits gewachsen ist. Bei vielen ist das nicht der Fall.

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Angelika Uziková (li.) und Cornelia Juchert gehören zum Ärzte- und Psychologenteam des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. „Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche werden im Landkreis Potsdam-Mittelmark gut angenommen, auch die, die nicht vorgeschrieben sind“, sagt Cornelia Juchert, die zum Team des aus vier Ärzten und einer Kinderpsychologin bestehenden Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) des Landkreises gehört. Ein Netz aus gesetzlich vorgeschriebenen und freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen begleitet den Nachwuchs vom ersten Atemzug bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Die Einschulungsuntersuchungen im Frühjahr jeden Jahres nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Deren Ergebnis ist nicht nur Entscheidungsgrundlage für den Zeitpunkt des Schulbeginns, sondern auch Handlungsempfehlung bei erkannten Defiziten.

Etwas besser als der Landesdurchschnitt

Bei mehr als 90 Prozent der Kinder bestätigt sich dabei am Ende die Schulreife. 8,9 Prozent der für das gerade begonnene Schuljahr 2015/ 2016 untersuchten 2 154 Jungen und Mädchen und Jungen wurden im Ergebnis der Untersuchungen und Elterngespräche für ein Jahr zurückgestellt, 9,3 Prozent waren es noch im Jahr zuvor. „Der Landesdurchschnitt liegt bei zehn Prozent. Mit rund neun Prozent liegen wir seit Jahren konstant immer leicht etwas darunter“, sagt Juchert. Die Spannweite der Rückstellungsquoten schwankt landesweit zwischen drei und 13 Prozent.

Sprache wird besser, das Gewicht schlechter

Die so genannten Schuleingangsuntersuchungen finden in jedem Jahr zwischen Ende Januar und Ende April in den zuständigen Grundschulen, beziehungsweise im Gesundheitsamt statt.

Für Kinder, die im laufenden Kalenderjahr bis zum 30. September das sechste Lebensjahr beendet haben, ist diese Untersuchung Pflicht.

2 154 Kinder an 41 Grundschulen wurden in diesem Jahr dafür untersucht. 8,9 Prozent davon wurden im Ergebnis der Untersuchung für ein Jahr zurückgestellt.

Zu den häufigsten Auffälligkeiten gehören nichtkörperliche Entwicklungsstörungen. Mit 19,7 Prozent bei den Jungen und 15,3 Prozent bei den Mädchen bereiten Störungen im Sprachbereich dabei die größten Sorgen.

Zur Abschlussuntersuchung für alle, die nach der zehnten Klasse die Schule verlassen, ergibt sich ein anderes Bild. Viermal so viele Mädchen und Jungen, wie noch zum Zeitpunkt der Einschulung, leiden dann an Übergewicht.

Die Rückstellungsgründe sind vielfältig. Gesundheitliche Probleme, etwa durch chronische Erkrankungen, machen dabei nur einen kleinen Teil aus. Anders, als noch vor ein paar Jahren, spielt auch das Thema Übergewicht mit 3,4 Prozent auffälliger Kinder an dieser Stelle kaum noch eine Rolle. „Die Ernährungsprogramme, nach denen Kitas heute arbeiten, haben sich bewährt“, unterstreicht auch Jucherts Kollegin Angelika Uziková. Wenn die Mädchen und Jungen, in der zehnten Klasse zur Schulabgangsuntersuchung kommen, ergibt sich mit einer aufs Vierfache angestiegenen Auffälligkeitsquote ein ganz anderes Bild, verweisen die Fachfrauen auf ein weiteres, wichtiges Thema.

Ein Jahr „Reifezeit“ wirkt oft Wunder

„Die häufigsten Gründe, warum Vorschulkinder ein Jahr vom Beginn ihres Schulbesuch zurückgestellt werden, liegen bei den Entwicklungsauffälligkeiten vor allem im Sprachbereich“, sagt Cornelia Juchert. Wenn die Fähigkeiten zur Präpositions- und Pluralbildung und die Beherrschung der Grammatik deutlich unter dem Altersniveau liegen und das phonologische Arbeitsgedächtnis nur ungenügend ausgebildet ist, wirkt eine Therapie beim Logopäden während der auf ein Jahr befristeten Rückstellung oft Wunder. Anhand erfundener, so genannter Pseudowörter, können die Fachleute überprüfen, wie gut das Arbeitsgedächtnis der Kinder arbeitet. „Funktioniert es nur unzureichend, kann ein Kind einfach nicht erfolgreich am Unterricht teilnehmen. Beispielsweise zum Erlernen der Schriftsprache ist das die Voraussetzung“, so Juchert.

Pädagogische Gründe und der Wille von Eltern, die ihrem Kind einfach ein Jahr mehr Zeit gönnen wollen, bevor „der Ernst des Lebens“ beginnt, sind weitere Gründe, dass es die Zuckertüte erst ein Jahr später gibt. „Die Entscheidung darüber“, so Juchert, trifft immer der Schulleiter, nach dem er mit uns und mit den Eltern gesprochen hat.“

Bei vielen gibt es Defizite

Für die Test zum Entwicklungsstand des Kinder gibt es seit diesem Jahr das neue Untersuchungsprogramm SOPESS, was für Sozialpädiatrisches Screening für Schuleingangsuntersuchungen steht und von Brandenburg als neuntem Bundesland in diesem Jahr eingeführt wurde. Anhand kindgerecht gestalteter Tafeln, auf denen Alltagsgegenstände und geometrische Formen nicht nur erkannt, sondern auch deren Zusammenhang erläutert werden muss, lässt sich der Entwicklungsstand erkennen.

Ursachen für die erkannten Defizite erforschen die KJGD-Mitarbeiter nicht. „Alles steht und fällt mit der Förderung zu Hause und in der Kita und allgemein an der sozialen Lage, in der sich das Kind befindet“, wagt Corelia Juchert dennoch einen Deutungsversuch. Wo Eltern mit ihren Kindern wenig oder gar nicht spielen oder singen, liegt nach ihrer Beobachtung die Quote der Auffälligkeiten am höchsten.

Von Uwe Klemens

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