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Ein Katastrophen-Jahr für die Landwirte

Potsdam-Mittelmark Ein Katastrophen-Jahr für die Landwirte

Nach einer miesen Getreideernte müssen Agrarbetriebe nun auch mit den Hitze bedingten Einbußen beim Mais klarkommen: Die brütenden Temperaturen sind schuld daran, dass die Maisernte nicht nur rund vier Wochen vorgezogen worden ist – um zu retten, was zu retten ist – sondern auch vielerorts erheblich schlechtere Erträge einfährt.

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Verdorrter Mais auf brandenburgischen Feldern wird vier Wochen früher als üblich geerntet, um zu retten, was zu retten ist.

Quelle: Jacqueline Steiner

Mittelmark. Die Extrem-Hitze dieses Septembers hat gravierende Folgen für die Landwirtschaft und jetzt auch noch für die Maisernte. Dabei müssen die Agrarbetriebe 2016 ohnehin schon mit einem „extrem katastrophalen Erntejahr“ kämpfen. So sagt es Mathias Busse, Vize-Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark und stellvertretender Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Fiener Bruch in Rogäsen.

Mathias Busse von der Agrargenossenschaft Fiener Bruch vor einem Maisfeld bei Mahlenzien

Mathias Busse von der Agrargenossenschaft Fiener Bruch vor einem Maisfeld bei Mahlenzien. Er spricht von einem katastrophalen Jahr für die Landwirtschaft.

Quelle: Marion von Imhoff

Starkregen, Trockenheit, zu kühle Tage im Frühjahr und jetzt Hitze im Früh-Herbst mit einem September, der der heißeste Monat des Jahres ist. Das Wetterphänomen ist schuld daran, dass die Maisernte nicht nur rund vier Wochen vorgezogen worden ist – um zu retten, was zu retten ist – sondern auch vielerorts erheblich schlechtere Erträge einfährt.

Die Sonne lässt den Mais verbrennen

Durch die derzeitige Sahara-Hitze „haben wir im Mais ein Drittel Ernteausfall“, sagt Busse. „Wir haben so gut wie keinen Regen bekommen. Der Mais ist 50 Zentimeter niedriger als normalerweise. Schon beim Getreide war die Ernte schlecht, wir haben all unsere Hoffnung auf die Maisernte gesetzt, jetzt macht die Hitze auch diese Hoffnung zunichte.“

Fährt den 400 000 Euro teuren Maishäcksler der Agrargnossenschaft Fiener Bruch

Fährt den 400 000 Euro teuren Maishäcksler der Agrargnossenschaft Fiener Bruch: Klaus Besing. Seit 41 Jahren arbeitet er in der Landwirtschaft: „So eine extreme September-Hitze habe ich noch nie erlebt“, sagt der 59-Jährige.

Quelle: Marion von Imhoff

„Der Mais brennt zusammen, er vertrocknet“, sagt auch Thomas Vogt von der Agrargenossenschaft Krahne. Kornelia Hurttig vom Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark beschreibt es so: „Die Körner reifen nicht aus, es vertrocknet alles, da hat man fast nur Stroh.“ Zugleich betont sie: „Es sieht aber regional teils sehr unterschiedlich aus.“ Tatsächlich verfaulte durch Starkregen im Juni der Mais bei Golzow im Boden, weil das Wasser nicht vom Acker floss.

Es trifft wieder besonders die Milchbauern

Johannes Funke, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Havelland, sagt: „Die Hitzetage machen sich extrem bemerkbar bei der Maisernte. Der Ackerbau hat am stärksten mit dem Klimawandel zu tun.“ Von der gesamten landwirtschaftlichen Fläche von 92 000 Hektar im Havelland sind 13 Prozent Maisfelder. Besonders betroffen seien wieder die Milchbauern, so Funke: Die 35 havelländischen Milchbetriebe bauen Mais ausschließlich als Futter für ihre Tiere an. „Dadurch wird die Lage für diese Betriebe, die mit einem niedrigen Milchpreis kämpfen müssen, noch einmal schwieriger.“

Verdorrter Mais nahe  Brandenburg an der Havel

Verdorrter Mais nahe Brandenburg an der Havel.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Agrargenossenschaft Fiener Bruch versorgt ihre 3000 Rinder mit dem Mais-Futter. Auf 420 ihrer 2300 Hektar hat sie Mais angebaut für den Eigenbedarf an Tierfutter. „Was wir heute ernten, fressen unser Kühe im nächsten Jahr. Es muss reichen bis zum nächsten September“, so Busse. Weil der Mais durch die Hitze teils völlig verbrannt ist, behagt das später dann durch Silage konservierte Futter den Kühen wenig: „Sie fressen dann weniger und geben weniger Milch“, fasst Busse die Folge zusammen.

Mais für Futter und Biogasanlagen

Die Getreidepreise sind schlecht, der Milch-Preis im Keller, jetzt ist auch noch die Maisernte von der Sahara-Hitze dieser Wochen versenkt: Für die Landwirte ist das Jahr 2016 ein schwieriges.

Die Wetterphänomene dieses Jahres machten es den Agrarbetrieben schwer. So gab es Starkregen von bis zu 220 Liter pro Quadratmeter an drei Tagen, was einem Drittel der üblichen Jahresmenge entsprach. Dies betraf insbesondere den Bereich um Golzow bei Brandenburg. Dort verfaulten im Frühsommer junge Getreide- und Maispflanzen auf dem Acker. Jetzt lassen Hitze-Tage mit einer Temperatur von mehr als 30 Grad Celsius Maispflanzen wie Tabak aussehen.

Der geringste Teil der brandenburgischen Maisernte ist Körnermais. Der weitaus größte Teil wird als gesamte Pflanze geschreddert und zu Tierfutter verarbeitet oder wandert in die Biogasproduktion.

Er steht an diesem Hitze-Tag vor einem 15 Hektar großen Maisfeld in Mahlenzien nahe Brandenburg. Auf dem Maishäcksler des Typs Claas Jaguar 950 sitzt Klaus Besing (59) im klimatisiertem Führerhaus. Die Maschine zerhäckselt acht Reihen gleichzeitig und spuckt den geschredderten Mais in die Anhänger eines Traktors, der parallel zu ihr fährt.

Die Erntemaschine hat einen Wert von 400 000 Euro

20 Grad herrschen in dem Führerhaus. Ohne Klimaanlage wäre die Ernte für Besing eine Tortur. Bis zum Aband muss er die Reihen abfahren. „So eine extreme September-Hitze habe ich noch nie erlebt“, schimpft Besing, der seit 41 Jahren Mitarbeiter der heutigen Agrargenossenschaft ist.

400 000 Euro kostete der Maishäcksler den landwirtschaftlichen Betrieb. „Es passt einfach nicht mehr zusammen“, sagt Vize-Betriebsführer Busse und schüttelt den Kopf: „Die Technik für die Produktion kostet immer mehr und die Erträge werden immer niedriger.“

Von Marion von Imhoff

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