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Ein Leben voller Geschichte und Geschichten

Bad Belziger Ortschronistin Helga Kästner wird 80 Jahre jung Ein Leben voller Geschichte und Geschichten

Geschichte hat in Bad Belzig und in der Fläming-Region einen besonderen Namen: Helga Kästner. Nun blickt die rührige Heimatforscherin und -chronistin auf acht eigene Lebensjahrzehnte zurück.

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Helga Kästner vor einem Teil der von hier erstellten Chroniken.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. Der Vergangenheit ihre Geheimnisse zu entreißen, ist eine wahre Sisyphusaufgabe. Für die Bad Belzigerin Helga Kästner ist das noch lange kein Grund, nicht doch den Versuch zu wagen, Licht in die dunklen Kapitel der Vergangenheit zu bringen. Nun hat die Bad Belziger Ortschronistin Anlass, einen tiefen Blick zurück auf das eigene Leben zu werfen. Am kommenden Dienstag feiert sie ihren 80. Geburtstag.

Das Interesse an allem, was irgendwie nach Vergangenheit roch, begleitet die gebürtige Niemegkerin schon fast ebenso lange. Das Stöbern auf dem Dachboden der Schule, in der ihr Vater Direktor war und in der die Familie damals wohnte, war ein schier unerschöpflicher Fundus an Dingen, die aus der Mode gekommen waren oder nicht mehr ins politische Weltbild passten. Stundenlang konnte sie sich bei ihren ersten kleinen Reisen in die Vergangenheit verlieren. Die führten zuweilen bis ins Mittelalter und in die Urgeschichte. Denn auch Teile der kleinen Privatsammlung ihres Vaters, der sich mit Bodenarchäologie beschäftigte, war auf dem geräumigen Dachboden untergebracht. Ausgegraben hatte sie der Vater während des Baus der Autobahn.

Texte auf der Schreibmaschine abgetippt

Weit näher und ganz unmittelbar ihr eigenes Leben betreffend waren die Aufzeichnungen eines jungen Arztes, der im Jahr des Kriegsendes nach Niemegk kam und als Chronist all das festhielt, was die Menschen jener Zeit bewegt hatte. Den Mangel an Medikamenten, medizinischem Gerät und sonstigen Dingen, berührende Patientenschicksale, die Beschreibung von Raubüberfällen, die damals an der Tagesordnung waren, und dergleichen mehr entdeckte sie in den alten Manuskripten, die ihr erst nach dem Ende der DDR in die Hände fielen.

„Da hab’ ich gewusst: Das müssen die Niemegker erfahren“, erinnert sie sich die gelernte Deutsch-, Russisch-, Englisch-, Biologie- und Sportlehrerinan ihren Start als Heimatchronistin. Wochenlang tippte sie auf ihrer alten Schreibmaschine die Texte ab und machte sich auf die Suche nach einer Druckerei, die das Heftchen zu einem erschwinglichen Preis drucken könnte. 1993 erschien ihr Chronik-Debüt unter dem Titel „Was, Sie kennen den Fläming nicht“ mit den Lebenserinnerungen Joachim Niepelts.

1955 den Mann kennengelernt

Fortan ließ sie das Thema Heimatgeschichte nicht mehr los. Als sie Brück ein neugegründetes Chronikprojekt begleitete, arbeitete sie selbst an gleich drei eigenen Bänden über die Orte Freienthal, Damelang und Deutsch Bork. „Dank von offizieller Seite hab’ ich dafür bis heute nicht bekommen“, begründet sie, warum sie danach zusammen mit ihrem Mann Günter auf eigene Faust weiter recherchierte. Als neu nach Belzig versetzte Lehrer haben sich die beiden 1955 kennen und lieben gelernt und zwei Jahre später geheiratet. Bis heute ist Günter Kästner der Fotograf, der an ider Seite seiner Frau die Chronikarbeit begleitet.

Mehr als 90 Broschüren und Bücher zu heimatgeschichtlichen Themen sind es mittlerweile, die Helga Kästner größtenteils komplett in Eigenregie oder zumindest als Mitautorin verfasst hat. Das wohl umfassendste Werk ist die Chronik ihrer Wahlheimatstadt Bad Belzig, die in fünf Bänden die Zeit von 1871 bis 1933 beleuchtet. Drei weitere Bände bis in unsere Gegenwart hinein sind noch geplant. „Das noch fertig zu bekommen, wäre mein größter Wunsch. Ob die Kraft und die Zeit noch reichen, weiß ich natürlich nicht“.

Gelegenheit, Kraft aufzutanken, dürfte es sicher zur Geburtstagsfeier am Dienstag geben, wenn neben Sohn und Tochter auch die fünf Enkel und vier Urenkel erscheinen. „Ab 11 Uhr wird im Waldcafé der Reha-Klinik gefeiert, denn da fühl’ ich mich immer wieder wohl.“ Jeder, der der fleißigen Chronistin an ihrem Ehrentag gratulieren möchte, ist willkommen.

Von Uwe Klemens

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