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Potsdam-Mittelmark Ein Lied für Aicha aus dem Tschad
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein Lied für Aicha aus dem Tschad
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15:09 14.01.2016
Musiktherapeutin Hanne Schäfer (r.) inmitten ihrer Schützlinge, links neben ihr Aicha (8) aus der Republik Tschad. Quelle: Autorin
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Stahnsdorf

Kinder, die ihren Weg oft auf abenteuerliche Weise nach Stahnsdorf gefunden haben, ihre Familien, Helfer aus der Umgebung, Pädagogen und viel Musik aus aller Welt – das wird die Streuobstwiese des Vereins Zuckerbaum bis Mitte 2017 an 15 Wochenenden prägen. „Die Musik mit den geflüchteten und den ortsansässigen deutschen Familien kann eine emotionale, sprachlose Verbindung schaffen“, hofft Hanne Schäfer, diplomierte Musiktherapeutin und studierte Geigerin. Sie ist Organisatorin des Kooperationsprojekts „Zukunftstöne – Musik im Garten“, das mit 40 000 Euro vom Bund gefördert wird.

Die Kinder können beim neuen Projekt gemeinsam musizieren. Familien haben die Möglichkeit, im Musizieren einen völlig neuen Spielraum zu eröffnen. Und bei allem soll das Hier und Jetzt in der Musik im Vordergrund stehen. Professionelle Musiker und Schauspieler sollten die Familien in ihrem musikalischen Ausdruck unterstützen. Ein renommierter Musikproduzent aus Berlin wird ständig mit aufmerksamen Ohren besondere Momente aufnehmen und eine Musiktherapeutin die emotionalen Bedürfnisse begleiten, erklärt Schäfer.

Auch Klaus Lutz, seit April Klassenlehrer der Stahnsdorfer Willkommensklasse für die Jüngeren, freut sich auf das Projekt. „Ich glaube, dass man da gar nicht so viel planen muss, die Natur bietet so viel – mit Steinen oder Hölzern klopfen, mit Gräsern pfeifen.“ Der Waldorflehrer, der auch in Afrika und Asien als Notfallpädagoge gearbeitet hat und über eine Traumafortbildung verfügt, hofft auf musikalische Einflüsse aus Afrika, Asien und Arabien. Er kann sich sehr gut vorstellen, dass gemeinsam am Lagerfeuer auch deutschsprachige Lieder gesungen werden, Texte, die die Kinder gemeinsam in seiner Klasse gelernt haben. Nicht wenige Mädchen und Jungen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sind neugierig auf die deutsche Sprache, mit der für viele doch so viele Hoffnungen verbunden sind. Die Musik selber werde ebenso helfen, die Seele etwas zu beruhigen, wie der Freiraum und natürlich der Abstand zur Heimsituation.

Oft weiß Klaus Lutz gar nicht, was seine Schüler schon alles erlebt haben – und das ist auch besser so. Er erzählt von einem Kind, das als Bootsflüchtling mit seiner Mutter und den sieben Geschwistern vom Tschad über Libyen, das Mittelmeer und Italien geflohen ist. Den Vater hatte die Familie schon vorher verloren. Ein anderer Junge, dessen Vater in Afghanistan für die Amerikaner gearbeitet hat, musste deshalb das Land verlassen. Aber das sind nur kurze Anrisse von Schicksalen, die seine Schützlinge in ihren höchstens acht Lebensjahren schon erlebt haben. Nun sollen sie ein wenig zur Ruhe kommen, gemeinsam Kreisspiele lernen, eine Feuerstelle bauen, am Feuer essen, das Bogenschießen ausprobieren. Jedes Wochenende wird durch eine besondere Idee getragen, und die Naturpädagogen greifen außerdem die Elemente der Obstwiese und der Jahreszeiten auf und bauen sie in gestalterische Ideen ein.

Doch auch die Eltern sollen an den Projektwochenenden die Chance bekommen, die Welt einmal mit anderen Augen zu sehen. So meint Klaus Lutz, dass Eltern sich einmal anders begegnen könnten. „Im Heim sind sie doch eher Gegner“, sagt er. Es geht um Zuwendungen, um Spenden, um Essen, jeder müsse sich um sich selbst kümmern. Auf der Streuobstwiese könnte das endlich mal in den Hintergrund treten, hofft er.

Für Organisatorin Hanne Schäfer ist es der größte Wunsch, dass alle Beteiligten aus dem Staunen nicht mehr herauskommen und aus den wachsenden Beziehungen durch die gemeinsamen Monate neue Kräfte schöpfen. Die Akteure hoffen, dass für alle Mitwirkenden die Unterschiedlichkeiten der Nationalitäten, der Herkunft und die entdeckten Gemeinsamkeiten in die gemeinsame neue Musik einfließen. „All dies wünsche ich mir eingebettet in die Ereignisse der Natur“, sagt Schäfer. Die sei so vielfältig und bunt, dass für Langeweile und Traurigkeit kein Platz sein werde.

Von Konstanze Kobel-Höller

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