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Potsdam-Mittelmark Ein Linther zeigt der MAZ seine Flachs-Sammlung
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein Linther zeigt der MAZ seine Flachs-Sammlung
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08:40 07.02.2018
Wolfgang Beelitzist begeistert von den Facetten der Flachsbearbeitung. Interessierten zeigt er auch besondere Exemplare wie dieses Hechelbrett. Quelle: Andreas Koska
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Linthe

Es erinnert an eine Schmuckschatulle. Auf dem Brett in den Händen von Wolfgang Beelitz scheint in der Mitte eine Schachtel befestigt. Das Brett ist mit Ornamenten verziert, auf der Schatulle ist das Foto der Besitzerin verewigt.

Seine private Flachs-Sammlung öffnet Wolfgang Beelitz auf Nachfrage gern für interessierte Besucher. Dort zeigt er die einzelnen Schritte der Verarbeitung von Flachs und stellt besondere Geräte-Exemplare aus.

Erst als Wolfgang Beelitz den Deckel abnimmt, ist der wahre Zweck zu erkennen: Es ist ein Hechelbrett. Einst wurde damit Flachs zu Textilfasern verarbeitet. „Es wurde höchstwahrscheinlich nie benutzt“, sagt Wolfgang Beelitz, „es zeigt aber die Bedeutung des Flachses in der Vergangenheit. Man muss ja nicht nur Essen, man muss sich auch kleiden.“ Der 60-Jährige sammelt seit beinahe 40 Jahren Geräte rund um den Flachs und seine Bearbeitung bis zum Leinen.

An Wolfgang Beelitz’ Scheunenwand hängen mehr als 60 Riffel- und Hechelbretter, weitere sind im Lager ordentlich verstaut. Auch andere Geräte zur Flachsverarbeitung stehen dort. Von der Handwerkskunst ist der Linther begeistert. „Versuchen Sie mal einen Nagel in ein Brett einzuschlagen, ohne dass das Brett platzt – und hier sind es über 100.“ Als Beelitz auf einem Dachboden in Linthe seinen ersten Schwingbock fand, wusste er damit nichts anzufangen. Kurze Zeit später tauchte im Haus seines Vaters in Nichel eine Riffel auf. Inzwischen ist ihm klar, dass es der dritte Schritt der Flachsverarbeitung war. Nach dem Riffeln und dem Brechen kam das Schwingen und letztlich das Hecheln, danach konnten die Fasern gesponnen und gehaspelt werden.

Eine bunte Verzierung steht für den Wohlstand der Region

Wolfgang Beelitz ist mit diesen Arbeiten inzwischen vertraut. Für alle Arbeitsgänge hat er die entsprechenden Geräte in seiner Sammlung. Sie stammen aus seiner Heimatregion, dem Fläming, aber auch aus ganz Deutschland. Das älteste stammt aus dem Münsterland und ist aus dem Jahr 1699. An den Geräten lasse sich gut erkennen, ob es eine wohlhabende Gegend war oder eher einfache Menschen dort gelebt haben, erklärt Beelitz. Die schönsten Schwingböcke, Riffel- und Hechelbretter sowie Spinnräder seiner Sammlung kommen aus der Schwalm, einer mittelhessischen Landschaft. Sie sind bunt und reich verziert. „Unsere sind eher schlicht und zweckmäßig, teilweise in Handarbeit vom Bauern selbst gefertigt, archaisch zusammen gezimmert“, erzählt der Fachmann.

Zur 675-Jahr-Feier in Linthe im vergangenen Sommer hat er in seiner Scheune eine Ausstellung zum Thema Flachs eingerichtet. „Vom Flachs zum Leinen“ lautete der Titel. Anhand alter Fotos und Gerätschaften wie Brecher und Spinnrad zeigte er den Gästen den Weg von der Pflanze bis zum Garn. Mitte Januar waren die Chronisten aus Potsdam-Mittelmark bei ihm zu Gast. „Es ist erstaunlich, dass sogar diesen versierten Leuten die Bedeutung des Flachsanbaus nicht bewusst war“, sagt Beelitz. In jedem Bauernhaus standen die Geräte früher. Einige von ihnen hat Beelitz vor dem Ofen gerettet. Exemplare aus Ziesar, Nichel, Kemnitz, Lütte und Linthe hat er ausgestellt.

„Ich freue mich über jede Gabe aus diesem Bereich“

Beelitz führt gern durch seine kleine Schatzkammer. Er zeigt auf ein Hechelbrett aus dem Jahr 1866, auf der Rückseite ist der Preis von 19 Silbergroschen eingeritzt. Daneben hängt ein Riffelbrett, beides gehört laut Aufschrift einer Elisabeth von Itzenhausen aus Merzhausen. „Die Familie hat dort bis heute die Wassermühle“, berichtet Beelitz. Die Vergangenheit der Ausstellungsstücke zu erfahren, sind für den Sammler die Sternstunden seines Hobbys.

Trotz der stattlichen Sammlung ist Wolfgang Beelitz weiter auf der Suche nach alten Geräten zur Flachsverarbeitung. Er sucht im Internet, in Anzeigen. 1989 entdeckte er im Wochenblatt ein Inserat und fuhr nach Wittstock. Dort hatte er eine Breche gefunden und wollte sie unbedingt haben. Zum seinem 60. Geburtstag haben auch die Gäste an seine Leidenschaft gedacht und Raritäten mitgebracht. „Ich freue mich über jede Gabe aus diesem Bereich“, sagt Wolfgang Beelitz. Seine Sammlung eröffnet er gern für Interessierte.

Von Andreas Koska

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