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Ein Schauspiel vom Schauspielen mit Niveau

Niemegk Ein Schauspiel vom Schauspielen mit Niveau

Herausforderungen sind die Laien des Neuen Volkstheaters aus Niemegk gewohnt. In ihrer neuen Eigenproduktion lautet der Titel: „Dieses Mal etwas mit Niveau“. Dafür versetzten sich die Schauspieler in ihnen vertraute Rollen und deckten ganz nebenbei ein Verbrechen auf – oder zwei?

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Dass die Arbeit eines Laienschauspielers nicht immer einfach ist, zeigt das Neue Volkstheater Fläming in seiner jüngsten Eigenproduktion.

Quelle: Christiane Sommer

Niemegk. Bis auf den letzten Platz waren die Theateraufführungen des Neuen Volkstheaters Niemegk am Wochenende ausverkauft. Es gibt nicht einmal mehr Karten für die kommenden Spieltermine der neuen Eigenproduktion „Dieses Mal was mit Niveau“.

„Das gab es noch nie“, sagte Vereinsmitglied Regina Pietrucha wenige Minuten vor der Premiere am Freitagabend. Die Spannung vor aber auch hinter der Bühne war bis zu diesem Zeitpunkt ins Unermessliche gestiegen. Während das Publikum kaum erwarten konnte, welche Handlung sich hinter dem Titel „Dieses Mal was mit Niveau“ verbirgt, mussten die Laienschauspieler mit ihrer Aufregung kämpfen. Niemegks Bürgermeister Hans-Joachim Linthe, der für das Stück abermals die sprichwörtlichen Bretter, die die Welt bedeuten, betreten hatte, hatte eine weitere Sorge. Doch die bliebt dem Publikum verborgen – vorerst.

Als sich der Vorhang um 20 Uhr endlich öffnete, überraschte die Kulisse mit karger Staffage. Ein Tisch und eine Bank, ein Regiestuhl und ein Hocker, ein Regal und eine kleine Werkbank – mehr gab es nicht. Doch dem Publikum fehlt die Zeit, darüber nachzudenken. Eine Stichsäge kreischt auf und die Szenerie lebt. Da steht Niemegks Pfarrer Daniel Geißler – in der Rolle des Heinz – im Arbeitsoverall. Sein Gegenüber, Carola Hausig, trägt das gleiche Heimwerkeroutfit. Als Hiltrud setzt sie erneut die Säge an.

Erwischt

Erwischt: Die Schauspieler kommen in ihrem Stück „Dieses Mal was mit Niveau“ einem Verbrechen auf die Spur.

Quelle: Christiane Sommer

Das Publikum bekommt, diese Szene vor Augen, eine erste Vorahnung, warum Regina Pietrucha Gesichtsmuskelkater und zerflossene Wimperntusche in den Theaterrängen angedeutet hatte.

„Ich frag mich, was das hier für ein Theaterstück werden soll“, sagte Pfarrer Geißler aka Heinz auf der Bühne und blickte ahnungslos um sich. Es dauert nicht lange und Anita Matthäs – zu diesem Zeitpunkt in der Rolle der Vereinschefin Beate – klärt auf: Die Laienschauspieler werden Laienschauspieler spielen, die ein Stück mit Niveau einstudieren. Um dem Publikum zu zeigen, dass man mehr drauf hat, als die üblichen Verwechslungsgeschichten.

Deshalb soll ein Kriminalklassiker aus der „Pater Brown“-Reihe auf die Bühne gebracht werden. Eigens dazu haben die Laienschauspieler des Stückes einen professionellen Regisseur verpflichtet. Heinz und Hiltrud sind skeptisch, weil sie gerade erst davon erfahren haben und die Kulisse mehr Baustelle als Bühnenbild ist.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und die Rollen für „Pater Brown und das Geheimnis der alten Gräfin“ werden verteilt. Aus Heinz und Hiltrud sind der Pater und der Buttler James geworden. Verena Anhalt mimt die alte Gräfin. Sandy Boldt stellt deren Nichte dar, die es auf ihr Geld abgesehen hat. Edda Hähnel wiederum agiert als Zofe Kate und Anita Matthäs als Beth Woodenham, Pater Browns Haushälterin. Das karge Bühnenbild wird zur Bibliothek von „Chesterfield Manor“ – gedanklich. Kaum begonnen, werden die Proben zum Desaster. Trotz Souffleuse (Beate Ulrich) und professionellem Regisseur (Hans-Joachim Linthe).

Spontane Änderung nach geglückter Generalprobe

Als die Gräfin tot am Boden liegt, stellt sich heraus, dass letzterer nicht der ist, für den man ihn hielt – sondern der Bankräuber, der Stunden zuvor die Sparkasse in Niemegk ausgeraubt hat. Geistesgegenwärtig schlägt Kate ihn nieder. Dass dies mit einer Papprolle geschieht fällt dem Publikum nicht weiter auf.

„Eigentlich hätte es eine Flasche sein sollen“, verrät Linthe später. Aus Theaterglas, wie bei der Generalprobe am Mittwochabend, bei der alles wie am Schnürchen lief. Bis zu dem Moment, als die Flasche aus Spezialglas nicht wie geplant auf Linthes Kopf zersprang, sondern dort eine große Beule mit schmerzender Erinnerung hinterließ.

Auf eine Wiederholung mit Flasche wollten die Niemegker Schauspieler danach lieber verzichten und griffen deshalb spontan zur Papierrolle.

Von Christiane Sommer

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