Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Vorbild für den Panamakanal

110 Jahre Teltowkanal und Schleuse Kleinmachnow Ein Vorbild für den Panamakanal

7500 Besucher haben am Wochenende zum Schleusenfest den 110. Geburtstag des Teltowkanals gefeiert. Im Mittelpunkt stand freilich die ebenso alte Kleinmanchower Schleuse, die einst als Weltneuheit galt. Zum Fest erzählten die Männer der Schleusnerbude, warum Kaiser Wilhelm II. am 2. Juni 1906 den Teltowkanal eröffnete, obwohl die Wasserstraße noch gar nicht fertig war.

Kleinmachnow 52.4079274 13.2227111
Google Map of 52.4079274,13.2227111
Kleinmachnow Mehr Infos
Nächster Artikel
Bach macht sanierte Prützker Orgel munter

Ralf Zorn vom Modellbau Berlin-Mahlow zeigte den Besuchern Modelle von Havelschleppern und Rettungsbooten.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Kleinmachnow. Als Kaiser Wilhelm  II. am 2. Juni 1906 den Teltowkanal eröffnet, ist die Wasserstraße noch gar nicht fertig. „Die Schiffe konnten bis Teltow fahren und mussten dort wieder umdrehen, weil eine Durchfahrt nicht möglich war“, erzählte Werner Polzin. „Durchgängig befahrbar war der Kanal erst ab dem 22. Dezember 1906.“

Polzin und seine Kollegen aus der Schleusnerbude plauderten am Wochenende zum 110. Geburtstag von Teltowkanal und Schleuse aus dem Nähkästchen. Und sie zeigten zum Schleusenfest Besuchern bei Führungen das Innenleben der Schleuse, „die anders war als andere Schleusen und damals als Weltneuheit gehandelt wurde“, weiß Otfrid Becker, der auch zum Team der Schleusenerklärer gehört. Noch bevor die Meisterleistung der Wasserbauer fertig war, sorgte sie für Furore. Die Deutschen präsentierten ein Modell der Kleinmachnower Schleuse zur Weltausstellung 1904 in St. Louis (USA) und gewannen damit den ersten Preis. Polzin weiß auch, warum Teltowkanal und Schleuse unbedingt am 2. Juni 1906 eröffnet werden mussten, obwohl der Kanal nicht fertig war. „An dem Modell standen Baubeginn und Bauende dran, das hat dort die ganze Welt gesehen“, sagte Polzin. Als Fertigstellungstermin war 1904 in St. Louis zu lesen: 2. Juni 1906.

Dass der wahre Fertigstellungstermin im Dezember 1906 nicht ernst genommen wird, ist für die Veranstalter des Schleusenfestes freilich ein Segen. Wer will schon in der Dezember-Kälte feiern. Mit dem Wetter hatten sie aber trotzdem oft Pech. Die Feier hätte sich fast einen Beinamen verdient: Das Fest, an dem Petrus die Schleusen öffnet. Vor drei Jahren gab es Regen ohne Pause, vor zwei Jahren Regen mit kurzen Pausen und letztes Jahr fiel das Fest aus, fasste Stefan Biastock die jüngste Vergangenheit zusammen und fügte hinzu: „So gutes Wetter wie dieses Jahr hatten wir noch nie. Das Fest war auch noch nie so gut besucht“, so der Vorsitzende des RSV-Ruderclubs. Laut Dirk Zeugmann von der Veranstaltungsagentur kamen am Wochenende etwa 7500 Besucher. „Wir hatten zwei Tage fantastisches Wetter, es ist rundum schön geworden“, sagte er.

An der Schleuse  konnten Besucher mit Booten des RSV-Ruderclubs zur Rudertour in Richtung Machnower See ablegen

An der Schleuse konnten Besucher mit Booten des RSV-Ruderclubs zur Rudertour in Richtung Machnower See ablegen.

Quelle: JST

Der Ruderclub bot zum Fest Bootstouren in Richtung Machnower See an. „Man kann bei uns ausprobieren, ob Rudern das Richtige für einen ist“, sagte Clubchef Stefan Biastock . Damit nichts schief laufen konnte, stellte der Club einen Steuermann und meist auch einen Mit-Ruderer für die Touren. Die Festbesucher stiegen auch nicht in schmale Sportboote, für sie standen breitere Sportwanderboote bereit. „Wir suchen Leute, die Spaß am Rudern haben, keine Olympiasieger“, sagte der Clubchef. Ziel seien nicht die Meisterschaften, sondern eher längere Rudertouren. „Dieses Jahr geht es für drei Wochen nach Finnland. Wir nehmen die Boote mit und rudern dann auf der Saimaa-Seenplatte, das ist die größte Seenplatte Europas“, so der Chef des Clubs, der gleich unterhalb der Schleuse seinen Sitz hat.

Werner Polzin zeigte bei Führungen das Innenleben der Schleuse

Werner Polzin zeigte bei Führungen das Innenleben der Schleuse. Hier steht er am Torantrieb im Turm des Schleusenkomplexes. Nicht sichtbar sind die 19 Tonnen schweren Gegengewichte fürs 20 Tonnen schwere Schleusentor. Das Tor muss mehr Gewicht auf die Waage bringen, damit es richtig schließt.

Quelle: Jens Steglich

In der Schleusnerbude feierten sie am Samstag eine weitere runde Zahl: den 100 000. Besucher, seit die Schleusnerbude vor acht Jahren als Info-Zentrale für Besucher eröffnet wurde und dort seitdem die Möglichkeit besteht, Schleusungen hautnah mitzuerleben. Der 100 000. Gast war Karola Stabeno aus Teltow.

Wasserspiele für die Kleinen gab es auf dem  Festgelände am Ufer des Teltowkanals

Wasserspiele für die Kleinen gab es auf dem Festgelände am Ufer des Teltowkanals.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Früher haben die Schiffsführer in der Schleusnerbude ihren Obolus fürs Durchschleusen bezahlt, heute bekommen Schiffseigner die Rechnung aus Münster, erzählte Werner Polzin. Er war früher Lehrobermeister an der Wasserbauschule Kleinmachnow, die letzten zehn Jahre vor der Rente Bauleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin und ab 2008 einer der Männer aus der Schleusnerbude. Fürs Schleusenfest 2016 wurde der 81-jährige aus dem Ruhestand zurückgeholt. Wer mit ihm oder seinen Kollegen unterwegs ist, weiß danach fast alles über die Schleuse. Zum Beispiel auch, dass sich die Konstrukteure des 1914 eröffneten Panamakanals einiges vom Kleinmachnower Schleusensystem abgeguckt haben.

In der Gegenwart werden jährlich im Schnitt 3800 gebührenpflichtige Güterschiffe und Ausflugsdampfer durchgeschleust, sagte Otfrid Becker. Freizeitboote sind es etwa 40 pro Tag. Die Zahl der Schiffe nimmt nach einer längeren Stagnation wieder zu, auch die Tonnagen steigen wieder an, so Becker. Und: Die Kompetenz der Bootsführer sei sehr unterschiedlich. „Jedes Jahr hängt einer an der Wand.“ Gemeint sind Boote von Freizeitkapitänen, die von der Spree kommen, ihre Boote mit Knoten festmachen und dann in der Schleuse nach unten gelassen werden. Dann zieht sich der Knoten fest und sie kriegen ihr Boot allein nicht mehr los.

Die Schleuse

Bei der Durchfahrt durch die Kleinmachnower Schleuse werden etwa 2,80 Meter überbrückt, die der Machnower See auf der östlichen Seite höher liegt.

Die Schleuse war die zweite in der Welt, bei der das Wasser nicht eingelassen, sondern eingesogen wird, so Otfrid Becker. Das funktioniert wie beim Benzinklau mit Unterdruck, sagte er.

In zwei Wassertanks werden die Hähne geöffnet, das Wasser stürzt unten raus und oben in den Tanks entsteht ein Unterdruck, der auf der anderen Seite das Oberwasser durch Rohre in die Kammer zieht. Prinzipiell passiert das ohne jegliche Energiekosten, so Becker.

Fest miteinander vereinen wollte der Stückener Schmied Michael Soika die Bürgermeister von Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf. Thomas Schmidt (SPD), Michael Grubert (SPD) und Bernd Albers (Bürger für Bürger) schmiedeten zur Festeröffnung jeweils einen Ring, die Soika zu einer Kette vereinte. „Jetzt sind sie zusammengeschweißt“, sagte er.

 

Von Jens Steglich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg