Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Ein Webstuhl fürs Mitmach-Museum

Kleinmachnow Ein Webstuhl fürs Mitmach-Museum

Ein Mit-Mach-Museum wird am Samstag in Kleinmachnow eröffnet. Zu den Exponaten der ersten Ausstellung gehört auch ein Hochwebstuhl, den die Kleinmachowerin Ingrid Schimkönig zur Verfügung stellt. Museumsbesucher können an dem Gerät aus den ersten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts selbst Webversuche unternehmen.

Kleinmachnow, Karl-Marx-Straße 117 52.40664 13.2247201
Google Map of 52.40664,13.2247201
Kleinmachnow, Karl-Marx-Straße 117 Mehr Infos
Nächster Artikel
Metzgersohn will CDU-Landrat werden

Ingrid Schimkönig an dem Hochwebstuhl, der zur Museumsausstellung in die Karl-Marx-Straße 117 zieht. Dort darf jeder mitweben.

Quelle: Claudia Krause

Kleinmachnow.
Ingrid Schimkönig könnte glatt ein eigenes Museum eröffnen. Das Häuschen, das die heute 75-Jährige seit acht Jahren bewohnt, quillt geradezu über von Zeugen der Alltags-Zeitgeschichte. Darunter auch 20 Spinnräder, 12 Nähmaschinen – die älteste hat vielleicht 120 Jahre auf dem Buckel – etliche Bügeleisen, Holzlöffel mit deutlichen Gebrauchsspuren, Stühle, Krückstock mit Rädern, Küchengeräte von einst, Bücher natürlich... . Sie gesteht ihre Sammelleidenschaft. „Ich bin immer gern zu Haushaltsauflösungen gegangen. Man muss doch die alten Dinge erhalten und sie den Kindern zeigen, damit sie was benutzen können, was sie nicht kennen“, sagt Ingrid Schimkönig. Jetzt bestückt sie eifrig die erste Ausstellung innerhalb des Entwicklungsprozesses eines Kleinmachnower Museums mit, das in der öffentlichen Diskussion steht. Damit ist sie eine von vielen ehrenamtlichen Partnern, die den Prozess der Museumsgründung unterstützen.

Einen ganzen Raum im Erdgeschoss des Hauses Karl-Marx-Straße 117, dem einstigen denkmalgeschützten Sommerfeld-Verkaufsbüro, darf sie füllen. „Ich habe was gegen ein Heimatmuseum, aber Inszenierungen liebe ich schon“, gesteht die Rentnerin. Deshalb darf sie die frühere alte Küche mit einem ihrer drei Hochwebstühle aus dem 20. Jahrhundert einrichten: mit einer urigen Werkbank, an der Bohnenschnippel- und Kartoffelschälmaschine sowie alte Küchenreiben Platz finden. In der „ein bisschen gemütlicheren Ecke“ werden alte Stühle und eine 70 bis 80 Jahre alte Bank aus Buche und ein großer Küchentisch aufgestellt. Auf diesem stehen zwei Nähmaschinen mit Handbetrieb für Kinder bereit. „Anfassen ist hier ausdrücklich erlaubt“, wirbt die Sammlerin fürs Mitmachen. Kinder sollen wie einst um den Tisch herum nähen und sticken oder grüne Bohnen und Kartoffeln schnippeln können. Am Ende könnten kleine Handarbeiten für die Eltern und Suppe zum Kosten für alle entstehen. Selbst auf einer mechanischen Schreibmaschine dürfen die jüngsten Besucher herumhämmern und sich an einem Kinderwebstuhl ausprobieren. Das Schlimmste sei doch, „wenn Kinder an der Hand der Eltern durchs Museum mitgeschleppt werden“, findet Ingrid Schimkönig. Aber auch die Erwachsenen sollen nicht untätig sein. Sie können an dem Hochwebstuhl aus dem alten deutschen Unternehmen „Harald Marquardsen Webstuhlbau Flensburg“ einen gemeinsamen großen Patchwork-Wandteppich mitweben. Die Idee hatte die Museumskuratorin Alexis Hyman Wolff „und ich fand sie gut“, so die Sammlerin.

Mit einem Museumsaufbau kennt sie sich aus. In Delmenhorst war eine stillgelegte Wollspinnerei mit Hilfe eines Fördervereins als Museum wiederbelebt worden. Ingrid Schimkönig, die ein großes Gehöft in der Nähe hatte, machte mit. Auf der eigenen Grundstückswiese ließ sie Schafe den Rasen kurz halten. Wegen der Wolle fing sie mit 50 Jahren zu spinnen an, und ein paar Jahre später lernte sie weben und legte sich die Gerätschaften zu. Und von all ihrem Geschick mag sie immer abgeben, „am liebsten an die Kinder“.

Seit acht Jahren lebt die frühere Sonderschulpädagogin nun in Kleinmachnow. Sie verkaufte das Grundstück in Niedersachsen und folgte dem Sohn ins Märkische, „als sich der jüngste Enkel in Kleinmachnow angemeldet hat“. Mitgenommen hat sie all ihr Sammelgut, darunter drei Webstühle. Einer steht in ihrem kleinen Wohnzimmer, für die anderen hat sie kleine Gerätehäuschen im Garten errichtet. Wegschmeißen mag sie nichts, auch keine Woll- und Stoffreste, die in unzähligen Kartons gestapelt sind. Über die Akademie 2. Lebenshälfte hat die Zuzüglerin Kontakte geknüpft und sich in der neuen Heimat eingebracht. Sie hat „Handarbeits-Omas“ für Schulen fit gemacht, war selbst in der „Stubenrauch“ zum Nähen und Sticken mit Schülern, hat mit alten Damen in der Senvital-Residenz genäht und Spinnradausstellungen in Kleinmachnow gemacht. „Ich fühle mich sehr wohl hier, auch, weil ich was tun kann“, sagt Ingrid Schimkönig und sortiert die Schnipsel-Kartons für den Museums-Einsatz am
10. September.

Von einem funktionstüchtigen Bauernwebstuhl aus Eiche möchte sich die Rentnerin jetzt trennen. Interessenten können sich unter Tel. 0171/4 14 21 14 bei ihr melden.

Nähen, Spinnen und Weben wie zu Großmutters Zeiten

Die Ausstellung mit Exponaten von Kleinmachnower Bürgern wird am 10. September um 15 Uhr in der Karl-Marx-Straße 117 eröffnet. Sie wird anschließend am 10./11. und am 17./18. September von 12 bis 18 Uhr zu sehen sein. Am Freitag, dem 16. September, kann sie von 17 bis 19 Uhr besucht werden.

Ein Mit-mach-Kinderprogramm soll es jeweils 14 Uhr geben – unter anderem ein Küchenprojekt, bei dem mit alten Geräten geschnippelt wird, und Aktionen mit Nähen, Spinnen und Weben.

Nähere Infos zum Programm auf www.kleinmachnow.de/Neuigkeiten.

 

Von Claudia Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg